Neuen Mitarbeiter nach Kündigung einarbeiten

Antworten
stu
Member
Beiträge: 160
Registriert: 29. Mai 2006, 09:36
Wohnort: München
Kontaktdaten:

Neuen Mitarbeiter nach Kündigung einarbeiten

Beitrag von stu » 16. Mär 2009, 12:15

Hallo,
ich bin gerade dabei, meine Agentur auf meinen Wunsch zu verlassen, das ich studieren möchte. Wenn wir jemanden finden wird es sicher einen Nachfolger für mich geben, den ich natürlich einarbeiten muss.
Was muss ich dabei und was muss ich nicht?

Die normalen Arbeitsabläufe erklären sehe ich ein.
Meine Firmenkontakte an ihn übergeben auch.

Mein können an Ihn weitervermitteln? Ich mache regelmäßig
freigestellte jacken, wie ihr sie hier sehen könnt. Muss ich einem Nachfolger beibringen so was zu machen?
Aus meiner Sicht sind gerade diese Sachen mein Kapital und ich habe nicht vor,
jemandem bis ins kleinste Detail zu erklären, wie soetwas geht und auf was er achten muss.
Dass er die PSDs im Archiv anschauen kann ist ja klar, das gehört ja der Firma.

Mein Kollege ist der Meinung, dass ich sowas rechtlich tun muss, ich bin der Meinung, dass das nicht sein kann. Kennt jemand von euch diese Situation? Was muss ich - was muss ich nicht?

Lg,
Wolfgang

Jaster
Senior Member
Beiträge: 470
Registriert: 29. Mai 2006, 06:53
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Beitrag von Jaster » 16. Mär 2009, 12:18

Warum hast du ein Problem damit jemandem zu erklären wie er etwas freistellt?

stu
Member
Beiträge: 160
Registriert: 29. Mai 2006, 09:36
Wohnort: München
Kontaktdaten:

Beitrag von stu » 16. Mär 2009, 12:26

Es ist ja nicht nur das Freistellen, sondern geht vom Fotografieren der Jacken am Model bis zum zusammenbauern der Freigestellten Jacken inkl. Innenfutter etc.
Auch in Sachen Retusche und Compositing kann ich einiges, was der neue mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht können wird. Es geht mir einfach darum, ob ich dem neuen solche dinge Beibringen muss? Mein können ist mein Marktwert, meine USP.

Angenommen du arbeitest in einer Filmfirma als Concept artist. Würdest du deinem Nachfolger beibringen zu malen?

Benutzeravatar
Neox
Artguy
Beiträge: 1675
Registriert: 29. Mai 2006, 01:51
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Beitrag von Neox » 16. Mär 2009, 12:33

Ohne Übung würde das sowieso erstmal nichts bringen, aber klar zeigt man in einer Firma leuten wie man arbeitet, tauscht sich aus und lernt von anderen, oft gibt man auch nur weiter, ist doch völlig normal.
wenn du der Meinung bist, dass das was du machst so einzigartig ist, dass dir jemand ohne Übung wenn du ihm zeigst wie du arbeitest die Show stehlen kann, naja dann ist es entweder nicht so unglaublich gut wie du glaubst oder du zeigst es ihm halt einfach nicht.
Wenn deine Rotoskoping Künste so gut sind, ab zum Film die brauchen immer fähige Rotoartists, bzw Leute die das freiwillig machen wollen :D
bonus vir semper tiro

Jaster
Senior Member
Beiträge: 470
Registriert: 29. Mai 2006, 06:53
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Beitrag von Jaster » 16. Mär 2009, 12:34

stu hat geschrieben:Angenommen du arbeitest in einer Filmfirma als Concept artist. Würdest du deinem Nachfolger beibringen zu malen?
Definitiv. Alles was dazu nötig ist um ihn als produktiven Mitarbeiter in den Arbeitsprozess einzubinden. Allerdings bezweifle ich, dass jemand der nicht malen kann einen Job als Concept Artist bekommt.

Ich kenne jetzt deine genaue Situation und Firma nicht. Wenn sie jemanden anstellen, der genau das für sie machen soll was du grade beschrieben hast, denke ich schon dass sie erwarten können dass du ihm zumindest grob deinen workflow erklärst. Wozu sollte er sich das komplett von null erarbeiten, wenn es bereits einen sinnvollen Weg dafür gibt?

Benutzeravatar
Jan
Artguy
Beiträge: 1563
Registriert: 29. Mai 2006, 16:58
Wohnort: Bonn
Kontaktdaten:

Beitrag von Jan » 16. Mär 2009, 18:56

Wir stellen in unserer Agentur regelmäßig Praktikanten ein. Die bekommen immer kleine Crashkurse in den Bereichen, wo es gerade etwas hapert. Ist ja auch sinnvoll. Beide Seiten sollen ja von einem Praktikum profitieren. Das wäre bei einem Arbeitsverhältnis auch nicht anders.

Deswegen mache ich mir aber nicht die Sorge, dass alle Praktikanten, die uns wieder verlassen einfach die Zeit die ich ins Studium gesteckt habe sparen können, bzw sich alle selber Selbständig machen und eine Agentur aufziehen, die uns dann alle Kunden wegnimmt.

Das ist einfach utopisch. Und Freistellen als USP zu sehen finde ich etwas sonderbar. Es gibt 1000ende von Leuten die genau das jeden Tag machen.

Und die wirklich wichtigen SAchen kann man eh nicht von heute auf morgen lernen. Da kommt dann einfach die Erfahrung dazu. DIe kann dir auch keiner Nehmen. :wink:

stu
Member
Beiträge: 160
Registriert: 29. Mai 2006, 09:36
Wohnort: München
Kontaktdaten:

Beitrag von stu » 16. Mär 2009, 22:14

@ Jan: Schau dir doch einfach den link mal an, dann siehst du, dass es mir nicht ums Freistellen selber geht. Das mache ich ja großteils nichtmal selber.

Es gibt ja noch ein paar andere Sachen - vor allem im Bereich der Retusche von Modefotos, was halt mein hauptbereich ist, die nicht jeder kann. Teilweise Tricks, die ich noch nie wo anders gesehen habe. Und ich sehe einfach nicht ein, Jahrelang um ein bescheidenes Gehalt gekämpft zu haben, um dann irgendeinem Deppen mein ganzes Wissen preiszugeben. Noch dazu, weil ich mir alles selbst beigebracht habe. Wenn ich jedes Jahr von meinem Chef auf 5 Fortbildungen geschickt worden wäre sähe die Sache anders aus.

Ich kenne auch keinen einzigen Profifotografen, der ohne Weiteres sein Wissen preis geben würde. Und auch bei anderen Freelancern schauts da eher Mager aus. Ein Koch verrät ja auch keine Rezepte

Benutzeravatar
Duracel
Beiträge: 2971
Registriert: 29. Mai 2006, 10:35
Wohnort: Greven
Kontaktdaten:

Beitrag von Duracel » 16. Mär 2009, 23:03

"Die normalen Arbeitsabläufe erklären sehe ich ein."

Jo, genau das verstehe ich auch unter Einarbeiten. Vorallem auch die Firmenprozesse wie sie bei euch üblich sind.

Ob es sinnvoll ist sein Wissen ohne weiteres zu teilen ist übrigens ein garnicht so schlechtes Thema und durchaus seinen eigenen Thread wert.

Grundsätzlich ist der Maßstab bei solchen Sachen doch imho, dass es ein "fairer Tausch" bleibt. Und gerade da du aus der Firma austrittst kannst du nichtmehr allzu viel Gegenleistung erwarten - kein Wunder, dass du dich innerlich dagegen sträubst dich auszutauschen. Bei einer DAF_Convention sähe die Mitteilsamkeit sicher anders aus. :)

Im Zweifel einfach sowenig wie möglich zeigen ... ich glaube kaum, dass deine Firma die mangelnhafte Form der Einarbeitung bei dir einklagen wird. ;)
Ziel ist, woran kein Weg vorbeiführt.

Benutzeravatar
Jan
Artguy
Beiträge: 1563
Registriert: 29. Mai 2006, 16:58
Wohnort: Bonn
Kontaktdaten:

Beitrag von Jan » 17. Mär 2009, 10:39

@stu: ich hab mir die Jacken angesehen. Aber ich erkenne da trotzdem den USP nicht. Vielleicht seh ich es ja auch nur deswegen anders, weil ich auf der Arbeitgeberseite stehe. Ich glaube nur, dass das Wissen, was wirklich tiefgründig ist eh nicht in der kurzen Phase einer Einarbeitung vermittelt werden kann. Wie lang soll die Einarbeitungsphase denn dauern? Und was sollst du konkret vermitteln?

Ich wüßte ehrlich gesagt aber auch immer noch nicht, was dagegen sprechen sollte sein Wissen weiter zu geben. Schließlich wirst du ja dafür bezahlt und dein Wissen hast du ja wahrscheinlich auch zu einem gewissen Teil bei der Firma erworben.

Als ich bei einer bekannten Agentur in Hamburg war gab´s von denen regelmäßig kostenlose Programmschulungen für freiwillige Mitarbeiter. Wäre komisch, wenn ich mich dann später querstellen würde jemanden einzuarbeiten (was ich allerdings damals auch nicht musste).


Interessant ist das Thema auf jeden Fall.

stu
Member
Beiträge: 160
Registriert: 29. Mai 2006, 09:36
Wohnort: München
Kontaktdaten:

Beitrag von stu » 18. Mär 2009, 09:45

@ Jan: Die Jacken sehen besser aus, als bei den Direkten Wettbewerbern und werden ziemlich häufig gelobt. Und dass selbst fremde Fotografen sehr begeistert von denen sind liegt nun mal an meiner Arbeit und an ein paar Tricks, die die Mitbewerber nicht machen. Noch dazu steckt da ziemlich viel Geld dahinter.

@ Neox: Ich weiß noch, dass du damals das Omni Device vorgestellt hast. Angenommen, du hättest dieses Omni-Device dir selber gekauft und dir selber beigebracht. Und dann wärst du einer der ersten in Deutschland gewesen, der mit diesem Ding arbeiten kann und deshalb einen gewissen Vorteil bietet (Geschwindigkeit oder sonst was). Dann wäre es ja nett von dir gewesen, das Ding in die Arbeit mitzunehmen und sie für die Firma zu benutzen. Aber würdest du im Fall des Ausscheidens aus dem Unternehmen lust haben, diesen Vorteil an jemanden weiterzugeben?

Es gibt halt einfach viele Sachen, die mich hier geärgert haben (Ich arbeite seit 3 Jahren auf meinem eigenen Grafiktablett, weil sich die Firma weigert, mir eines zu kaufen und viele viele andere Sachen).
Vielleicht bin auch momentan so sauer, dass ich eben nicht einsehe, warum ich noch irgendwas tun sollte, aber ein bisschen wundere ich mich schon darüber, wie bereitwillig ihr ein "spezialwissen" teilen würdet. Ich meine hier gibt es ja doch auch einige Freelancer. Wenn die nichts können, was andere nicht können (z.B. weil sie es eben so bereitwillig weitergeben, warum sollte ich sie dann buchen? Oder warum sollte ich denen mehr als 30€ die Stunde zahlen, man findet schließlich fast immer jemanden, der es Billiger macht.)

Lg,
Wolfgang

Benutzeravatar
digitaldecoy
Moderator
Moderator
Beiträge: 3306
Registriert: 17. Mai 2006, 11:15
Wohnort: Warendorf
Kontaktdaten:

Beitrag von digitaldecoy » 18. Mär 2009, 10:00

Ich denke, man sollte grundsätzlich unterscheiden zwischen ein paar kleinen Tricks und speziellen Handgriffen, die ein anderer direkt nach einer Unterweisung mit vergleichbarem Resultaten übernehmen kann oder langjähriger Erfahrung, die einen zu Ergebnissen führt, die andere nicht erzielen, weil sie eben noch keine langjährige Erfahrung haben. In ersterem Fall ist eine gewisse Zurückhaltung sicher nachvollziehbar, auch wenn man sich dann generell fragen sollte, wie es um den eigenen Marktwert bestellt ist, wenn dieser hauptsächlich auf ein paar Tricks gründet, von denen es nur eine Frage der Zeit ist, bis diese sich rumsprechen. Im letzteren Fall kann man ruhig freizügiger mit seinem Wissen umgehen, denn niemand wird sich das Äquivalent jahrelanger Erfahrung durch eine kurze Unterweisung aneignen können.

Eigentlich musst Du Dich doch nur fragen, warum Deine Produkdarstellungen so gut ankommen und ich würde da nicht den Faktor unterschätzen, dass Du eventuell einfach ein Auge für den guten Look hast. Natürlich resultieren daraus auch ganz bestimmte Techniken und Handgriffe aber die allein machen noch nicht das Endergebnis aus. Denn wenn das kritische Auge fehlt, dann kann man noch so viel Fachbuchwissen anwenden und trotzdem wird dem Ergebnis etwas fehlen.
Besuch mich doch Mal in meinem Personal Showroom! - http://www.digitalartforum.de/forum/vie ... php?t=1604

Benutzeravatar
Neox
Artguy
Beiträge: 1675
Registriert: 29. Mai 2006, 01:51
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Beitrag von Neox » 18. Mär 2009, 10:20

@Stu: ich hab das gerät sogar jedem Pressefutzi beigebracht der sich beim SEK hat blicken lassen, ich habe da kein Problem mit mein "Wissen" zu teilen, zeige jedem der mich darauf anspricht und wenn es die Zeit ergibt wie ich mit zBrush arbeite und habe das sogar öffentlich gemacht und selber was dafür bezahlt (siehe Con :P), bisher hat es mir noch nicht geschadet, aber vielleicht kommt das noch, ich glaube es aber im Grunde nicht
bonus vir semper tiro

Benutzeravatar
Jan
Artguy
Beiträge: 1563
Registriert: 29. Mai 2006, 16:58
Wohnort: Bonn
Kontaktdaten:

Beitrag von Jan » 18. Mär 2009, 10:22

Das du dich wohl nicht im Frieden von der Firma trennst hatte ich so vorher nicht rausgelesen. Ich hatte es so verstanden, dass du jetzt studieren wolltest und deswegen die Firma verlässt. Dass man nicht Bonbons verteilen möchte, wenn man zuvor nicht fair behandelt wurde kann ich nach vollziehen und verstehe ich...

Ansonsten kann ich eigentlich auch nur unterstreichen, was Daniel geschrieben hat.

Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder