Interview mit dem Künstler

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Chinasky
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Interview mit dem Künstler

Beitrag von Chinasky » 2. Feb 2010, 13:22

Aaaalso. Es handelt sich hier um einen Text, den ich mir in zwei, drei Nächten aus den Fingern gesaugt habe, und von dem ich jetzt nicht mehr weiß, ob ich ihn mag, oder ob er kompletter Schwachfug ist. Es geht darum, daß ich für einen kleinen Ausstellungskatalog irgend'nen Text brauchte. Aber ich hab keine Lust, meine alten Texte nochmal zu verwenden, ebenso, wie ich keine Lust habe, meine Malerei zu beschreiben oder zu begründen oder andere Leute kluge Dinge über meine Malerei erzählen zu lassen. Die Ausstellung, um die es geht, ist eine Gemeinschaftsausstellung mit Schülern des 12. Jahrganges, welche ich über ein Semester hinweg als eine Art "Co-Lehrer" betreut habe. Das ganze Projekt nennt sich "Art-Ort", die Schüler kamen zu mir in's Atelier, wir haben hier mal gemeinsam einen Aktzeichnen-Workshop gemacht, ansonsten haben die Schüler irgendwelche Gruppenarbeiten realisiert, die angeblich durch den Atelierbesuch bei mir inspieriert wurden. Naja, so sonderlich viel rausgekommen ist dabei meiner Meinung nach nicht, aber es handelte sich da eben um normale Schüler, nicht um Youngster, wie man sie hier im Forum findet, die richtig Lust auf Malen, Zeichnen, Kunst haben.
Wie auch immer - mit diesen Schülern gibt's nun eine Abschlus-Ausstellung in der Schule, zu welcher ein zweiteiliger, sehr, sehr kleiner Katalog erscheint. 36 Seiten für die Schüler, 20 Seiten für den Künstler, die Seiten sind 15 x 15 cm groß, da paßt also nicht sooo viel drauf.
Nun hatte ich mir gedacht, das könne ich als Möglichkeit zum Experiment nutzen und einfach mal so einen Text wie den Folgenden darin abdrucken lassen, der so wenig mit der Ausstellung wie mit mir, bzw. meiner Malerei zu tun hat, sondern statt dessen eine Art "Gegenentwurf" zu einem Interview versucht, welches die Schüler mit mir führten und welches in ihrem Teil des Katalogs auftaucht.
Naja, ich will nicht zuviel vorausschicken, der Text ist schon eh so lang geworden, daß ich befürchte, einige hier zu Tode zu langeweilen. Sobald Ihr also merkt, daß der Tod naht, hört auf mit Lesen. Bei denen, die's überleben, würde ich mich über feedback freuen. Kann man sowas überhaupt drucken oder isses absolut no-no?!
Vie vielem Dank im Voraus für Eure Mühen:



Interview mit dem Künstler


Die Welt ist alles, was der Fall ist. (Ludwig Wittgenstein, tractatus logico philosophicus)

Kontingenz (von lat.:contingere = zusammen (sich) berühren, (zeitlich unvorhergesehen) zusammenfallen) bezeichnet einerseits das gemeinsame Auftreten zweier Ereignisse, andererseits aber auch einen Status der Ungewissheit und Offenheit möglicher künftiger Entwicklungen. Der Begriff bezeichnet
- in der Philosophie die Zufälligkeit in Hinblick auf eine übergeordnete schicksalhafte Notwendigkeit
- in der Soziologie die prinzipielle Offenheit menschlicher Lebenserfahrungen
- in der Logik eine Aussage, die sowohl wahr als auch falsch ist bzw. sein kann.
(Wikipedia)

Ordnen ist eine Kontingenzbewältigungsstrategie. (www.enzyclopaedie.ch)

Was sich sagen läßt, läßt sich klar sagen. (Ludwig Wittgenstein, tractatus logico philosophicus)



Sie wartete nun schon seit zwei Latte macchiato in dem etwas abseits gelegen Café auf den Künstler. Der, wie von seiner Sorte kaum anders zu erwarten, von Pünktlichkeit nichts zu wissen schien. Als er endlich kam, mußte er einen Hintereingang genommen haben, denn die gläserne Tür zur Straße hatte sie eigentlich die ganze Zeit im Blick gehabt. Er berührte sie von hinten an der Schulter, sie verschluckte sich vor Schreck und hustete kleine Schokokeksbröckchen auf ihre Unterlagen.
"Hat man Sie auf dem Weg hierher verfolgt?", wollte er wissen, als er sich ihr schräg gegenüber auf die Sitzbank fallen ließ.
"Wer sollte mich verfolgt haben? Wir sind hier, um ein Interview über die Kunst zu führen, nicht um angereichertes Plutonium zu handeln."
"Es geht um das, was ich weiß.", erwiderte er und zog mit mechanischen Bewegungen ein Päckchen Tabak aus der Innentasche seiner Lederjacke, um sich eine Zigarette zu drehen.
"Da sind wir uns einig." sagte sie, und strich lächelnd ihr kastanienrotbraunes Haar hinter das Ohr zurück. Sie wusste um die Wirkung dieser kleinen Geste auf Männer. Aus denen kriegte man am meisten heraus, wenn sie was von einem wollten. Und dazu war sie ja hier, aus ihm etwas herauszukriegen. Das war ihr Job und sie war gut in ihrem Job.
"Sind Sie damit einverstanden, wenn ich unser Gespräch mit stenographiere? Für ein Diktaphon sind die Umgebungsgeräusche leider etwas zu laut."
Seine Ablehnung war erstaunlich brüsk: "Nichts Schriftliches. Keine Aufzeichnungen. Entweder, Sie haben ein funktionierendes Gedächtnis, oder wir blasen die ganze Sache sofort ab. Denen darf nichts in die Hände fallen, was mit mir in Verbindung gebracht werden könnte. Sie werden mich als anonyme Quelle zitieren. Das müssen Sie mir garantieren, sonst bin ich sofort wieder weg und Sie haben gar nichts."

Er ließ ein Sturmfeuerzeug aufklacken. zündete sich die fertig gedrehte Zigarette an und stieß den ersten Zug durch die Nase aus. Bläuliche fraktale Muster umdunsteten sein Gesicht. Der Mann hatte definitiv zu viele schlechte Agentenfilme gesehen.
Sie lehnte sich zurück und gestattete sich einen forschenden Blick auf ihn, obwohl es in der Regel ergiebiger war, Interviewpartnern eine gewisse Gleichgültigkeit vorzuspielen. Er wirkte müde und dennoch angespannt. Die Fingerkuppen waren von Tinte oder anderen Farben dunkel gesprenkelt, die Nägel kurz und wahrscheinlich abgekaut. Sie gab ein Geräusch von sich, das man als widerwillige Zustimmung interpretieren konnte.
"Nun gut, also eine anonyme Künstlerquelle. Bin gespannt, wie unsere Bildredakteurin den Artikel dann illustrieren will. Aber okay, kommen wir zum Punkt: Wer sind 'die', und welches gefährliche Wissen haben Sie, das nicht mit Ihnen in Verbindung gebracht werden darf? Bis eben dachte ich, Sie seien lediglich ein Maler, der gegenständliche Kunst macht."
Das schien ihn zu belustigen und entlockte ihm ein kehliges Lachen.
"Gegenständliche Kunst, hehe. Meinen Sie tatsächlich, dass es darum geht? Dass da einer Bilder malt, auf denen man Gegenstände erkennen kann?"
"Im Prinzip schon. Näheres hatte ich ja von Ihnen zu erfahren gehofft."
"Teuerste, sie haben keine Ahnung! Sie tappen völlig im Dunkeln!"
"Na, dann erhellen Sie mich mal..."
Teuerste - was war der denn für ein Idiot? Schlauberger...
"Es geht um die Wirklichkeit. Um die Wahrheit geht es. Um nicht weniger. Die Gegenstände haben eine Bedeutung!" Er lehnte sich seinerseits in den Schatten zurück, welchen die Mäntel der Gäste warfen, die an einem Kleiderhaken an der Wand hingen. Das war ein raffinierter Zug, denn so konnte sie seine Augen nicht mehr beobachten. Er wollte sie unsicher machen. Aber nicht mit ihr! Sie packte ihr Ironie-Besteck aus.
"Ah so, das ist nun in der Tat etwas ungeheuerlich Neues - dass die Gegenstände in der gegenständlichen Malerei eine Bedeutung haben könnten. Darauf ist sicher noch niemand gekommen bisher, das ist die Story des Jahrhunderts..."
"Menschen werden getötet. Zeichner werden in ihrem eigenen Haus überfallen. Filmemacher werden auf offener Straße erdolcht. Übersetzerbüros bekommen Bombendrohungen. Theaterstücke werden abgesetzt..."
"Ach so, das meinen Sie. Es geht um Islamismus, nicht wahr?! Haben Sie Angst vor aufgehetzten Religiösen?"
"Nein, das sind doch nur Symptome. Es geht um etwas anderes, viel Größeres. Es geht darum, was ich weiß, um das, was wir Künstler wissen, oder vielmehr..."
"... oder vielmehr was?", versuchte sie, ihm über das Stocken hinwegzuhelfen.
"Es ist kompliziert. Ich überlege, wie ich es Ihnen am besten verständlich machen kann."
"Lassen Sie sich Zeit, ich werde stundenweise bezahlt." Sie lächelte fein und überlegte, dass es vielleicht Zeit für eine weitere dieser kleinen Gesten war. Auffallend umständlich schlug sie ihre Beine übereinander. Doch er war mit den Gedanken woanders.
"Haben Sie sich schon mal gefragt, wozu die Gesellschaft uns Künstler braucht?", setzte er neu an.
"Nein, sagen Sie's mir!"
"Nicht zu schnell antworten, bitte. Überlegen Sie mal - wozu gibt es uns Künstler?"
"Zur Unterhaltung?"
"Unterhaltung ist Zerstreuung und Ablenkung. Meinen Sie das mit: Unterhaltung?"
"Naja, so ungefähr."
"Mehr sehen Sie da nicht? Sie arbeiten für eine Kunst-Zeitschrift - und alles, was Ihnen als Existenzgrund für die Künstler einfällt ist: Zerstreuung?!"
"Naja, natürlich nicht nur..."
"Sondern, was noch?"
"War es nicht Schiller, der mal sagte, daß Kunst der Erhebung und moralischen Erziehung des Menschengeschlechtes diene?"
"Das werden Sie besser wissen als ich, Sie sind die Studierte."
"Ja, ich glaube, es war Schiller."
"Erhebung und moralische Erziehung? Okay. Stimmen Sie Schiller zu?"
"Nun ja... Also wissen Sie... Eigentlich wollte ich hier die Fragen stellen und die Antworten von Ihnen hören. Jetzt versuchen Sie, die Situation umzukehren. Führt das irgendwohin, oder unternehmen wir hier nur eine Art diskursives Experiment?"

Eine Kellnerin trat zu ihnen an den Tisch, um zu verkünden, dass einige der Gäste sich über den Qualm beschwert hätten. Dies hier sein kein Raucherlokal.
Der Künstler nahm einen tiefen Zug aus seiner Zigarette und schaute der Bedienung konzentriert auf den offensiv präsentierten Busen, dessen Verhüllung durch ein enges weißes T-Shirt nur der Konvention geschuldet schien. Dass ein Künstler auf so einen billigen Blickfang hereinfiel! Oh nein, Korrektur...
"Ein interessanter Hosenträgerverschluss ist das, den Sie da tragen!" meinte er, "So was kriegt man doch wohl kaum im Kaufhaus, oder?" Erst jetzt fiel der Journalistin auf, dass die Kellnerin außer dem zu knappen T-Shirt noch eine auffallend ultramarinblaue Latzhose trug, deren Hosenträger in der Tat von zwei außergewöhnlichen, grünlich-golden changierenden Broschen zusammengehalten wurden. Die Bedienung gab sich sichtlich erfreut.
"Ja, stimmt, die Dinger hab ich nicht aus dem Kaufhaus. Eine Freundin von mir ist Schmuckdesignerin. Von der hab ich die..."
"Sehr schön, so was sieht man selten!", nickte der Künstler, "stellen die Intarsien keltische Runen dar?"
"Hey, kennen Sie sich mit so was aus?!"
"Nur ein kleines bisschen. Was man halt zufällig erfährt, über's Internet und so..."
"Die Bedeutung der Runen kenne ich leider auch nicht", gab die Kellnerin zu.
"Vielleicht haben die ja magische Kräfte", schlug er vor, "und dann werden Sie ihre Bedeutung irgendwann spüren, je nachdem, wie sie Ihr Leben beeinflussen..."
"Ja, das ist denkbar..."
Er nahm einen weiteren tiefen Zug aus der Zigarette, bevor er sie mit den Fingerspitzen ausdrückte, und sagte dann: "Ach ja, ich hätte gern ein Bitter lemon mit viel Eis. Und die Dame hier..." Er schaute die Journalistin fragend an.
"Ich nehme noch einen von der Sorte hier."
"Ein Bitter lemon, ein Latte macchiato, kommt sofort!", sagte die Kellnerin und schwirrte ab.

"Wo waren wir stehen geblieben?!", wollte er wissen, während er erneut sein Tabakpäckchen hervorkramte.
"Es ging um Kunst und Bedeutung und um geheimnisvolle Leute, die nicht wollen, dass Sie hier irgendein Wissen ausplaudern und derentwegen..."
"Es ging um die Gegenständlichkeit der Kunst und welche gefährlichen Wahrheiten in der Bedeutung mancher Bildelemente verborgen sein könnten."
"Ja, genau darum ging es."
"Sie glauben mir nicht."
"Was sollte ich Ihnen nicht glauben? Ich habe ja noch immer überhaupt nichts von Ihnen erfahren, das ich glauben oder nicht glauben könnte!"
"Sie denken, ich spielte mich auf. Was will dieser Farbkleckser mir hier erzählen, denken Sie. Was will der mir vorspielen, meint er, ich würde auf diesen Geheimnis-Scheiß abfahren?"
"Na, Sie scheinen ja genau wissen, was ich denke. Wie wär's, wenn Sie mich nun auch noch in Kenntnis setzen würden über das, was Sie denken? Oder wissen? Was spielen wir hier eigentlich für ein Spiel? Ich denke was, das du nicht denkst?!"
"Nun gut. Ich versuch's mal so: Die meisten Leute denken, es gäbe keine Zusammenhänge. Sie denken, alles, was uns passiert, passiert mehr oder weniger zufällig. Gleichzeitig - und darin liegt die Ironie der Sache - versuchen die Leute, die Welt durch ihre Handlungen zu beeinflussen. So nach dem Motto: jeder ist seines Glückes Schmied. Das ist ein Widerspruch: die Menschen wissen, daß die Welt ein überwältigendes Chaos ist, aber sie glauben ohne wirklichen Grund, sie könnten Ordnung in das Chaos dieser Existenz bringen."
Er sah sie erwartungsvoll an.
"Was soll ich darauf antworten? Erzählen Sie mal weiter, bis jetzt weiß ich noch nicht, worauf Sie hinauswollen."
"Als gegenständlicher Künstler sage ich den Leuten erstmal das Gegenteil von dem, was sie wissen. Nichts in meinen Bildern ist zufällig. Alles, was gemalt ist, existiert nur, weil es genau so und nicht anders gemalt werden sollte. Verstehen Sie? Es gibt da keinen Zufall, es gibt nur Planung und Vorherbestimmung."
"Ja - und?!"
"Gleichzeitig gibt es keine Möglichkeit der Manipulation durch das Publikum. Es ist dem Bild ausgeliefert. Es kann nichts an dem Bild ändern. Die Kontingenzerfahrung gegenüber der Welt wiederholt sich gegenüber der Kunst. Diese ist scheinbar zufällig, aber letztlich doch bis ins letzte Detail geplant. Eine nicht beeinflußbare, aber ihrerseits manipulierende Macht, die autonom dem Betrachter entgegentritt, willkürlich, unbeugsam und blutrünstig..."
"Blutrünstig... Soso. Hört sich irgendwie..."
"Ja?!"
"Nach Bullshit an."
Er lachte. Sie hatte gewusst, dass er lachen würde, deswegen hatte sie das mit dem Bullshit gesagt. Sie mochte sein Raucherlachen. Es erinnerte sie an die kantigen Detektive irgendwelcher Schwarzweißfilme aus den fünfziger Jahren. Hard boiled nannte man diese Filme. Hart gesotten. Kernig. Er hatte ein kerniges, heiseres Lachen und redete Unsinn über blutrünstige Bildmächte und ominöse Unbekannte - war das seine Masche bei den Frauen? Stuß erzählen, rauchen, Kellnerinnen Komplimente zu ihren Hosenträgern machen - war das Inszenierung, dramaturgisch abgezirkelter Auftritt, Performance, das alles? Und wie er sich jetzt die nächste Zigarette ansteckte, offenbar zufrieden damit, dass sie den Unsinn durchschaut hatte - war das nicht eine Bühnen-Geste? Natürlich! Er spielte eine Rolle, er improvisierte auf den Brettern eines Theaters, genau das würde sie beschreiben in ihrem Artikel. Überschrift: Wie im richtigen Leben!
Wie aus einem schnöden Interviewtermin ein kleines Theaterstück wird, der Künstler als Schauspieler seiner selbst, Projektionsfläche für das Publikum, Ganzheitlichkeit von Inszenierung und alltäglichem Leben...
Unwillkürlich griff sie nach dem Kugelschreiber im vorderen Fach ihrer Handtasche, als die Tür des Lokals, auf die sie ja so freien Blick hatte, aufschwang wie von einer heftigen Windböe erfasst. Zwei Männer stürmten herein, in langen Trenchcoats, hartgesotten, wenngleich auch nicht schwarzweiß. Im blendenden Gegenlicht verharrten sie kurz, witternd, die schreckensstarre Szenerie überprüfend. Die übrigen Gäste verharrten ebenfalls, die Musik setzte aus, ein film-still, ein Moment des irritierten Augenzwinkerns glitzernder Ewigkeit. In der Ferne hörte die Journalistin den Flügelschlag von Tauben. Oder war es das zittrige Kichern des sich seiner Sache unsicheren Schicksals?
Dann, um es zum Ende zu bringen, ließ die Bedienung mit den keltischen Bronzerunenhosenträgerschnallen mit einem wenig überzeugenden Kiekser das Tablett fallen, sodass ein Latte macchiato und ein Bitter lemon , nein, nicht in Zeitlupe, sondern brav den Regeln der Gravitation folgend, klirrend ihren Weg gen Boden fanden.
"Dort sitzt er, hinter den Jacken versteckt!", rief der linke der Männer im Gegenlicht und zückte, in perfekter Choreografie mit seinem Kollegen, eine Maschinenpistole mit kreisrundem Magazin unter dem Trenchcoat hervor. Warnend noch wollte die Journalistin rufen.
Doch die aus der Tommy-Gun spritzenden Stahlmantelgeschosse kamen ihr zuvor, zerfetzten Blousons aus Kunstseide zuerst, einen Lammfellmantel hernach, durchbohrten eine auf Frauen kernig wirkende Lederjacke, um dem Maler durch den Thorax zu sausen, immer noch mit genügend kinetischer Energie versehen, um, Fleischfetzen, Bluttropfen, Knochensplitter mit sich reißend, weiter ihrer ballistischen Bahn zu folgen, dem Kostüm der Journalistin Löcher applizierend und dann glühend heiß in ihrer Brust sich zu versenken. Mitten ins Herz, zumindest einige von ihnen.
So floß am Ende ihrer beider Blut ineinander, am Boden des Lokals im Schummerlicht.

"Wir hätten ", sagte Jonathan, während auf der aus einem Bettlaken bestehenden Leinwand der Abspann über das angehaltene Bild mit den ineinander sich vermengenden Blutströmen scrollte, "als letzte Einstellung etwa anderes ausprobieren sollen. Die Kellnerin hätte den beiden ihre Getränke servieren sollen, und dann hätten wir ein Closeup bringen können, wo Bluttropfen in den Latte macchiato fliegen. Rotes Blut, weißer Milchschaum - dann cut und die Credits vor komplett schwarzem Background . Das wäre ein Hammer-Ende geworden. Vielleicht sollten wir die Leute noch mal zusammentrommeln?!"
"Du hast sie wohl nicht mehr alle?!" "antwortete Thomas, während er mit einem übertriebenen Stöhnen sich aus dem Sessel hoch wuchtete, "dafür müsste man das Script ja noch mal zur Hälfte umschreiben, die komplette Continuity wäre dahin! Ein Riesenaufwand - und wofür? Nur, damit du deine roten Blutstropfen in dem Milchkaffee kriegst? Die ständige Präsenz dieses Yuppi-Gesöffs dürfte eh die meisten Zuschauer schon anöden..."
"Ey, es sähe so genial aus! Riesige weiße Fläche, in die dann ein paar rote Tropfen fliegen und sich ausbreiten. Wäre ja wohl total geil, so rein grafisch gesehen!"
"Grafisch geil hin oder her - irgendwann reicht's auch mal mit dem Aufwand. Wir sind hier schließlich nicht in Hollywood. Für eine Semesterabschlussarbeit sollte es dicke langen. Hauptsache..." - er warf noch einen letzten Blick auf die Leinwand, "... Hauptsache, die Leute kapieren, was überhaupt unsere Message ist."
"Die haben wir ja wohl klar genug rübergebracht.", meinte Jonathan und schaltete das Licht an.
Es genügt nicht, keine Meinung zu haben. Man muß auch unfähig sein, sie auszudrücken.

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IronCalf
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Beitrag von IronCalf » 2. Feb 2010, 14:14

Mh, ich bin mir nicht sicher, ob das in den Katalog/Prospekt passt, aber ich weiß auch nicht was jetzt im anderen Interview steht.

Zum Text, naja, sagen wir mal solide. Teilweise kommt mir der Dialog etwas zu gewollt, erzwungen vor. Harte Schnitzer wären mir jetzt aber nicht aufgefallen.

kastanienbraunes Haar, kastanienrotbraun ist zuviel. Du könntest evlt. für deine Farben gleich die Tubennamen verwenden.
Dann, um es zum Ende zu bringen, ließ die Bedienung mit den keltischen Bronzerunenhosenträgerschnallen mit einem wenig überzeugenden Kiekser das Tablett fallen,
Der Satzanfang gefällt mir nicht. Der passt nicht so zum Rest.

Zum Inhalt selbst. njo, zur mitte hin dachte ich es geht so in Richtung "Die Chronik des Goldenen Schlüssels" (weiß nicht ob du es kennst). Aber als deine Agenten reinkamen, habe ich das Ende schon ein wenig vorhergesehen.

Ich weiß nicht, ich würde gerne noch mehr dazu schreiben, aber ich hab ja im Prinzip keine Ahnung vom Schreiben. Wenn ich länger drüber nachdenke, fängt er gut an. Das blutrünstige Ende, mit den Fleischfetzen etc. ist mir aber zu teenagerhaft und wirkt bei weitem nicht so erwachsen wie dein Into.
Vergesst niemals, dass sich auch der stärkste Mann aufs Kreuz legen lässt. Diesen Fehler machte Gott, als er auf die Erde kam.

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Beitrag von Chinasky » 2. Feb 2010, 14:38

danke, super, genau solche "handwerklichen" Anmerkungen hatte ich mir erhofft. kastanienbraunes Haar und der von Dir zitierte Satz wurden schon abgeändert. :)
Es genügt nicht, keine Meinung zu haben. Man muß auch unfähig sein, sie auszudrücken.

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Beitrag von Poi2en » 2. Feb 2010, 21:19

also ich dachte am Anfang (Abschnitt über Kontingenz) tatsächlich ich müsse sterben, aber der text hat mich dann doch ziemlich gefesselt. Am Handwerklichen kann ich absolut nichts zu meckern finden; im Gegenteil, ich fands richtig gut und würde sehr gern mehr in der Richtung von dir lesen (wie wärs mit nem Buch :D )

Sagmal hast du dich von dem "Was geht und was nicht mehr"-Threat inspirieren lassen ?

Chinasky
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Beitrag von Chinasky » 3. Feb 2010, 16:52

Poi2en hat geschrieben:Sagmal hast du dich von dem "Was geht und was nicht mehr"-Threat inspirieren lassen ?
Nee, nicht wirklich, höchstens unterbewußt. Danke übrigens für Dein Lob, das mich ein klein wenig wieder aufbaut. Leider bist Du in einer Minderheitenposition; die meisten, denen ich den Text zwecks Feedback-bekommens zu lesen gab, fanden ihn schlecht, langweilig, pseudo, verschwurbelt, unverständlich usw. Daher habe ich mich entschieden, ihn jetzt ganz einzustampfen und nicht wie geplant in dem Ausstellungsheftchen zu veröffentlichen.
Es genügt nicht, keine Meinung zu haben. Man muß auch unfähig sein, sie auszudrücken.

Gorm
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Beitrag von Gorm » 3. Feb 2010, 17:31

Ich finde eigentlich gerade das unverständlich, verschwurbelte an dem Text sehr reizvoll. Wirklich langweilig finde ich ihn auch nicht, allein schon der Kürze wegen (ein Text im gleichen Stile über 20 Seiten wäre wieder was ganz Anderes, aber das ist ja hier nicht der Fall).

Aber es ist ja immer das Gleiche: Irgendwelche Coen-Brüder können die wirrsten und zusammenhangslosesten Geschichten ins Kino bringen und alle jubeln. "Die absolute Krönung des intelligenten Storytellings des 21. Jahrhunderts!"
Aber sobald man als kleiner, unbedeutender "Unetablierter" in die selbe Kerbe schlägt finden das sofort alle total "pseudo" und irgendwie "komisch".
Dinge, die man nicht versteht, feiert man schließlich nur dann als intellektuell hochwertig, wenn alle anderen das auch sagen.

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Beitrag von digitaldecoy » 3. Feb 2010, 17:48

Mir hat der Text Spaß gemacht. An einigen wenigen Stellen hatte ich das Gefühl, dass mehr gesagt wurde, als nötig gewesen wäre bzw. dass einige Dialogzeilen nicht ganz meinem Bild der Charaktere entsprechen (manchmal ist die Jounalistin vielleicht etwas "mild"). Aber insgesamt ein kurzweiliger Text!
Besuch mich doch Mal in meinem Personal Showroom! - http://www.digitalartforum.de/forum/vie ... php?t=1604

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Duracel
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Beitrag von Duracel » 3. Feb 2010, 18:16

Ich glaube das pseude/verschwurbelt entsteht ...
also wenn die Journalistin jetzt erstmal "gaaanz dringend" diesen Artikel(und das Geld) bräuchte, und man das als Leser wüßte, dann wäre das nicht aufgeblasen sondern spannend. ;)
Also der Text fängt ja erst an, wenn das ganze schon alles zuende ist.

Das Ende mit der übergeordneten Bezugswelt ... ich weiß nicht, sowas finde ich schwächt jede Geschichte, weil damit dick betont wird, dass das vorher nur ausgedachter verschwurbelter Quatsch ohne Zusammenhang war.
Das ist so ein bisschen, wie wenn nach Avatar im Kino direkt das Making Of läuft.
Oder anders gesagt ... es ist so ein wenig wie ein Bild mit zwei Zentren, die nichts wirklich miteinander zu tun haben.

Mir hätte eher so ein Schluß gefallen wie:
"War das wirklich nötig!?" fragte der dicklichere der beiden bis zur Unterhose in schwarz gekleideten Ganoven - der entgegnete nach einer kurzen Pause und als Süßkirsche auf der Schwarzwälder am Ende einer sanften Kopfbewegung von ganz links nach ganz rechts: "Du hast ja keine Ahnung!"
Dann fiel sein Blick auf das Dekoltee der Bedienung ... aber das ist eine andere Geschichte.
Ziel ist, woran kein Weg vorbeiführt.

HuggyBear
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Beitrag von HuggyBear » 3. Feb 2010, 20:21

Hey, sehr cool zu sehen dass du nicht "nur" malst!
Hat mir sehr gefallen die Geschichte zu lesen, auch wenn ich denke dass du (was ich selbst gerne tue) manchmal Dinge umständlich ausdrückst, um seltene Wörter einzubauen, aber das ist wahrscheinlich Geschmackssache.

Jedenfalls würde ich dir raten, den Schluss mit den Filmregisseuren einfach zu streichen. Der macht nur den Eindruck des "ersten" Schlusses kaputt und lässt das ganze scheinbar in Belanglosigkeit enden.

rockforce
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Beitrag von rockforce » 3. Feb 2010, 23:32

Man, Chinasky als Kunstlehrer. Da wäre ich gerne dabei gewesen. Ich bin eigentlich nur froh meine 2 Jahre Kunst LK überlebt zu haben. Das war die pure Langeweile. Und gelernt hab ich nichts.

Zum Text: Er ist gut und schnell zu lesen, man erfasst das Wesentliche und die Charaktere sind ziemlich transparent. Nur die Story kennt man. Eine fatale Situation, die sich in einem Bruch auflöst und sich als Film oder Bühnenstück zu erkennen gibt.
Und an den Charakteren würde ich etwas ändern. Der Künstler, ist zu sehr das Bild des Künstlers, wie man ihn sich vorstellt. Kernige Lederjacke, kauziger, kantiger Typ, wahrscheinlich mit 3-Tage Bart und etwas wuscheligen Haaren, der andere Leute etwas von oben herab behandelt, weil er, gegenüber der Masse Einblicke in Dinge hat, die dieser verborgen bleiben. Ein wenig unverstanden, etwas schroff aber doch intellektuell, mit einem besonderen Charm. Die Reporterin ist hingegen zu flach. Spätestens mit dem Spruch "Ich werde stundenweise bezahlt" hab ich gedacht: Diiiie Schhhh Lampe!. Die typische, biedere Karrierefrau, die man im Theater wahrscheinlich in ein Kostüm stecken müsste und von der man die Erwartung hat, dass sie mit jedem ne Nummer schiebt, wenn er sich nicht ganz blöd anstellt.
Es passt zu sehr ins Klischee. Das ist das Problem.
Bei der Beschreibung fand ichs gut, dass du viel Wert auf Detail legt. Die abgekauten Fingernägel, die Tintenspritzer an der Fingerkuppe. Wie Er sein Gesicht, besonders die Augen im Schatten verschwinden lässt...all so was. Das braucht ein Text und bildet den Charakter. Nur ist die Sprache der beiden zu ähnlich.

Des Künstlers hochtrabendes Anliegen, fordert vom Redner eine adäquate Formulierung, da die Integrität exponentiell steigt, wenn Form und Inhalt eins werden.

Die Reporterin, die gar nicht richtig versteht, was dem sein Problem ist, steht vielleicht als Konsument, auf einer ganz anderen Eben.

Im ersten Satz steht bewusst der Genitiv, nicht nur weil er dort stehen muss, sondern weil er den Satz etwas geschwollen klingen lässt. Im zweiten hingegen steht der Dativ an Stelle des Genitiv. (Der Dativ ist dem Genetiv sein Tod unso :P). Das zeigt eine gewisse Oberflächlichkeit und ein Desinteresse an Sprache, weil man sich nicht darum kümmert, ob das grammatikalisch überhaupt stimmt was man da sagt.
Bildhaftigkeit, richtige Grammatik, lange Sätze, das sind alles Stilmittel die einen Charakter, über die Beschreibung seines Aussehens und dessen was er macht hinaus beschreiben.
Damit gibst du mehr Informationen und mehr Tiefe. Du hast allerdings einen sehr durchgehenden Stil und das lässt die Unterschiede zwischen den zwei Charakteren etwas verschwimmen.
An deiner Stelle würde ich mir kein Ideal von einem Künstler, einer Reporterin, oder what ever schaffen. Überleg lieber wie du bist (nun bist du ja Künstler, welch ein Zufall ;) ) und wie du dich verhalten würdest und ob du echt so den Erwartungen entsprichst, wie sie Ottonormalverbraucher stellt. Bei der Reporterin würde ich nicht so die Überlampe wählen, die mit Zweideutigkeit rumkokettiert. Das ist dann wieder so ein 08/15 Charakter.
Ich denke wenn du da mehr in die Tiefe gehst und die Sache individueller werden lässt, ist das großer Gewinn. Ein Bild von dir erkennt man. Und so muss es mit dem Text auch sein ;).
Aber schmeiß ihn nicht weg. Was würdest du sagen, wenn jemand sein erstes Bild, das er hier postet und welches nicht die beste Kritik kriegt, sofort im Mülleimer verschwinden lässt? ;)
Zuletzt geändert von rockforce am 4. Feb 2010, 01:46, insgesamt 4-mal geändert.

ReturnToZer0
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Beitrag von ReturnToZer0 » 4. Feb 2010, 01:01

Also ich fand den Text sehr spannend - ich habe sogar vergessen die nassen klamotten
auszuziehen. Die message des Textes, der Moment in dem man zu kapieren beginnt
worauf du hinaus willst, das gefällt mir.
Bläuliche fraktale Muster umdunsteten sein Gesicht
Den finde ich überflüssig.

Ich würde den Text noch etwas ruhen lassen und ihn nach 2-3 Tagen erneut durchlesen.
Aber die Idee den Text für den Katalog zu verwenden finde ich gut. Bei mir würde Sie gut
ankommen- bei mir.
Kann mir aber auch gut vorstellen dass ein "Wieso ich male, wie ich male, warum malen so toll ist"
text besser ankommen würde beim Heinz Muster.

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JahGringoo
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Beitrag von JahGringoo » 4. Feb 2010, 01:52

gorm, wie recht du hast!

waer das ein text von einem russischen truemmerliterat oder einem underground-lsd-autor aus den intellektuellen untiefen der siebziger, faenden alle ihn ja sowas von genial oder wuerden zumindest so tun.

mir persoenlich gefaellts, dass die aussage schoen subtil und um ein paar ecken verpackt ist. Solche feigen standart "das ist hank the tank, er malt seit dem tag null und liebt matchbox" texte, gibts doch schon genug, mein gott, wenn kuenstler keine merkwuerdigen texte in kataloge schreiben, wer denn dann?


PS:
...den offensiv präsentierten Busen, dessen Verhüllung durch ein enges weißes T-Shirt nur der Konvention geschuldet schien.
und wie genial ist denn bitte dieser satz?

Chinasky
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Beitrag von Chinasky » 4. Feb 2010, 03:33

Hey, das freut mich jetzt doch, daß noch so relativ viel positive Resonanz kommt. Fast ärgere ich mich schon wieder, so ein Schisser gewesen zu sein und den Text zurückgezogen zu haben. Aber naja, was soll's, ich behalte ihn in der Schublade und überarbeite ihn nochmal gründlich, sodaß er nachher auch allein stehen kann und nicht noch die eher aufgepropften Anspielungen auf die Semesterabschlußarbeit mit sich rumschleppen muß.

@rockforce: Hehe, ich hätte es auch gut gefunden, wenn in dem Kurs ein paar tatsächlich an Kunst interessierte Schüler gewesen wären... :) Aber die Flausen mußte ich mir irgendwann aus'm Kopf schlagen.
Ich hatte echt gedacht: Mönsch, da kann man doch mal ausprobieren, ob das didaktische Mittel des Overpaints auch im ganz normalen Schulunterricht was bringt. Und so hatte ich gleich in der ersten Stunde angeboten, dass die Schüler mir jederzeit ihre Sachen zumailen könnten (Handy-Kameras haben die ja alle...) und ich dann ihnen per Overpaint vielleicht helfen könne.
So ein bißchen hatte ich sogar Angst, mir da zuviel aufzuhalsen. Statt dessen: ein einziger Schüler hat ein einziges Mal dieses Angebot wahrgenommen.
Auf die allernormalste Idee, daß die Schüler sämtlich überhaupt keinen Bock auf Kunst haben könnten, wäre ich von selbst nicht gekommen. Meine Idee war gewesen: "Hey, wenn ich früher in meiner Schulzeit 'nen Lehrer gehabt hätte, der mir Overpaints malt - was wäre das geil gewesen, wie schnell hätte ich damals lernen können..." Naja, man darf nur halt nicht von sich auf andere schließen :D
Es genügt nicht, keine Meinung zu haben. Man muß auch unfähig sein, sie auszudrücken.

rockforce
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Beitrag von rockforce » 6. Feb 2010, 14:55

So einen Kunstunterricht hätte ich mir echt gewünscht. Wir sollten am Anfang von 12.1 ein Selbstportrait zeichnen. Das war die erste Aufgabe für den Kunst LK. Ich hab mich 6 Stunden hingesetzt und gezeichnet. Dafür hab ich keine Note gekriegt, weil man mir unterstelle meine Bilder nicht selbst zu zeichnen. (Eiiigentlich ein Kompliment. Nur nicht unter diesen Umständen. Als ich dann meine erste Ausstellung hatte und man nicht mehr leugnen konnte, dass ich selbst auch zeichnen kann, war es schon zu spät). Der Spruch kam dann noch 2-3 mal und dann hab ich für Kunst nichts mehr gemacht :D. Angeblich war ich ein Störfaktor.
Im Nachhinein kann ich nicht behaupten irgendetwas gelernt zu haben, weil unsere Kunstlehrerin viel lieber diskutiert hat ob Michelangelo schwul war. Teilweise wurde die Diskussion auch abergeändert und es wurde thematisiert ob nicht vielleicht alle Künstler schlechthin schwul sein müssten, weil Farben und Emotionen eher Frauensache wären.

Chinasky, mach workshops. Da hast du wenigstens motivierte Leute vor dir ;). In der Schule wird man darauf getrimmt unmotiviert zu sein.

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