Interessantes über Journalisten

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Tobias-M
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Interessantes über Journalisten

Beitrag von Tobias-M » 5. Mai 2013, 01:12

http://www.bpb.de/system/files/pdf/TGH4WP.pdf


24% kommen aus Beamtenhaushalten (Gesamtanteil Beamte an Bevölkerung <5%).
Journalisten sehen sich eindeutig "linker" als ihre jeweiligen Eltern und auch wesentlich "linker" ihr Publikum eingestellt. Ihre eigene Meinungsbildung wird eigenen Angaben zufolge erheblich von Redaktionskollegen beeinflusst.
Unter Journalisten sind die Grünen mit großem Vorsprung beliebteste Partei (36%, gefolgt von SPD 25% und CDU 11%).

Steven
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Beitrag von Steven » 5. Mai 2013, 11:53

Um dem ganzen irgendeinen Wert beimessen zu können müsste man wissen, wieviele Journalisten befragt wurden, unter welchen Umständen die Befragung/Datenerhebung stattfand, wie die Fragen formuliert wurden, welchem "Lager" der Autor angehört, was die Motivation der "untersuchung" war und und und.
Den Infos in dem PDF in der jetztigen Form vertraue ich ungefähr... gar nicht.

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schlummi
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Beitrag von schlummi » 5. Mai 2013, 15:41

Tobias-M
Mich würde sehr interessieren welche Schlüsse Du daraus ziehst?

Steven
Steht doch ziemlich viel auf Seite 1. Mit Google lässt sich auch der Prof relativ umfangreich recherschieren. Die Infos, die Du vermisst, würden eh nicht gleich im Anhang stehen. Und wenn doch, würdest Du es berechtigterweise auch nicht wirklich glauben. Etwas Handarbeit für Interessierte lässt sich nicht vermeiden. ;)

Tobias-M
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Beitrag von Tobias-M » 27. Mai 2013, 21:48

Hi schlummi,

ich möchte hier niemandem was vorkauen. Deshalb stell ich hier i.d.R. nur Links rein und überlass die Diskussion und Kommentierung dann anderen.

Fraglich ist natürlich, ob die politische Haltung von Journalisten überhaupt Einfluss auf ihre Texte hat. DazuJournalist Ronnie Grob im Blog:

""Das bleibt umstritten und kaum nachweisbar. Doch vergessen wir nicht: Journalismus ist nicht irgendein Beruf. Journalisten sind generell Überzeugungstäter." Schlechtes Ansehen, schlechte Bezahlung und unregelmäßige Arbeitszeiten werden laut Grob gerne in Kauf genommen, weil Journalisten mit ihrer Arbeit etwas verändern wollen.
http://www.pressetext.com/print/20121030019 bzw. http://blog.ronniegrob.com/2011/02/07/d ... rnalisten/


Ähnlich bewerten Otfried Jarren und Patrick Donges in ihrem Buch "Politische Kommunikation in Der Mediengesellschaft: Eine Einführung" die Situation.
http://books.google.de/books?id=dgC6Fy- ... en&f=false

Ob man sich über o.g. Nachrichten freut oder nicht hängt ja schließlich auch von den eigenen politischen Präferenzen und dem Blick auf die Gesellschaft ab. So kann man in den Journalisten Verbündete beim gesellschaftlichen Umbau sehen, Unterstützer einer notwendigen, progressiven Avantgarde. Oder man kann kritisch interpretieren, wie es z.B. Wolfgang Bok im Cicero tut: "Das erklärt die zunehmende Distanz zu Lesern, die sich in ihrer Lebenswelt medial nicht mehr abgebildet sehen. Mehr vom immer Gleichen ist noch lange keine Vielfalt. Aus dem beobachtenden Journalismus ist ein mitfühlender geworden. Ein abwägendes Pro und Contra ist nicht mehr zeitgemäß, obwohl genau das von den Mediennutzern erwartet wird, wie zahlreiche Analysen belegen."
http://www.cicero.de/berliner-republik/ ... fahr/54351

Wie gesagt, die Interpretation möcht ich niemandem abnehmen. Die reine Information fand ich zumindest interessant genug, um sie hier zu teilen. Sollte man wissen, finde ich.

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Beitrag von schlummi » 31. Mai 2013, 13:14

ich möchte hier niemandem was vorkauen.
Ich würde Deine Meinung doch nicht als "vorkauen" sehen. Nur als Deine Meinung. :)
Z.b. die Meinungen von JanSOLO, Ronnie Grob oder Wolfgang Bok sind auch nur Meinungen, das empfinde ich nicht als "vorgekaut".
btw. hätte man mit einer Meinung bissl die Richtung vorgegeben, würden die Komments eher beim "Grundgerüst" bleiben. ;)
...Journalismus ist nicht irgendein Beruf.

Naja, Meinung eines Journalisten. Ist ja nicht so, dass er selbst "irgendein" Beruf ausüben würde! Was denn sonst? Ich behaupte mal ganz pauschal, ein mittelmässiger Grafiker hat formal höheren Bildungsgrad als mittelmässiger Journalist. Denn Mindestvoraussetzung für Journalistische Tätigkeit, Aufsätze schreiben zu können, haben wir alle zusammen schon in der Schule gelernt. Ein Grafiker musste sich darüberhinaus auch noch mit Photoshop auseinandersetzen. ;) :D
Schlechtes Ansehen, schlechte Bezahlung und unregelmäßige Arbeitszeiten werden laut Grob gerne in Kauf genommen, weil Journalisten mit ihrer Arbeit etwas verändern wollen.
Genau so könnte man über die z.B. Fliessbandarbeiter sagen, die in Diensten deutscher Autoindustrie heiligen Auftrag erfüllen: die Welt mit deutschen Autos etwas besser, etwas glücklicher zu machen. Oder hat Daimler die Welt nicht verändert?

Was haben wir an Fakten? Viele Menschen aus Mittelschicht üben schlechtbezahlte Tätigkeiten aus? Nahliegenste wäre: sie haben's nicht nötig. Man kommt aus einer Beamtenfamilie. Man ist öfteres Einzelkind. Die 68'-Eltern sind schon längst Überdurchnittlich begütet und lassen ihr Spross sich ungehemmt entfalten. Das läuft meisst, mangels jeglichen Begabungen, über 'n Germanistik-Studiengang in ein Praktikum bei nem (warum nicht ansehnlichem?) Druckerzeugnis. Und da ist der Weg nicht weit bis zum ersten eigenen Aufsatz. Das Leben ist meisst so unspektakulär wie ein unspektakulärer Artikel in nem Zeitschrift. Das Kind verdient sein Taschengeld, ist beschäftigt und hat nen aufregenden Beruf. Man kommt bissl rum. Ein prominenter, quasi High-End, Beispiel für meine These wäre Jakob Augstein. Laut Wiki drei Studiums (Politikwissenschaft, Germanistik, Theaterwissenschaft) am Ende ein durchnittlicher Reporter, der von geerbtem Geld seine Hobby-Zeitung finanziert. Das ist weniger eine "Überzeugungstäterei", es sieht für mich nach ne ABM (Arbeitsbeschaffungsmassnahme) aus.
Die Menschen, die irgendwann mal einen anständig bezahlten Job haben MÜSSEN, studieren z.B. Maschinenbau, Elektrotechnik oder auf Lehramt. Also, etwas, wo am Ende keine Extra-Praktikas zum Berufsanstieg nötig sind.

Selbstverständlich pauschalisiere ich. Es gibt begabte, intelligente, denkende Journalisten. Kann mir nicht vorstellen, dass sie sich zu Grünen bekennen würden. Oder zu irgendeiner anderen Partei. Ich finde, der Fakt an sich, (berufsvoraussetzende) Distanz zu "vorgekauten" Parteiwerten um "hip"-igkeits Willen preis zu geben, ist ein Zeichen von Mangel an Integrität. Im Sinne des Fehlens persönlichen Wertesystems. Ach, die Journalisten sind doch auch nur Menschen. :)

btw. In der SPIEGEL-Serie über Reiche in Deutschland, waren Top-Journalisten als Besserverdiener (125k+ Jahr) erwähnt. "Schlechtes Ansehen" wie "schlechte Bezahlung" würde ich wie in jedem Beruf doch eher an persöhnliche Fähigkeiten binden. Haha, ein "Illustrator" ist pauschal noch schlimmer dran. Denn ich hab noch kein anderes Berufsbekenntnis erlebt, wo gleich die Frage folgt: kann man denn davon leben? :lol:

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Beitrag von schlummi » 2. Jun 2013, 14:05

Nachtrag.

Wo ich mir heutigen Presseclub angeschaut hab, stelle ich mir die Frage: wie viel von abgefragten Journalisten bei Öffentlichrechtlichen beschäftigt sind? Könnten die rund 30% genau da zu sein, wo eher Verwaltungsaufgaben erfüllt werden müssen? Dann fügen sich ja Beamtenkinder nahtlos in Beamteneltern-Tradition. Das wäre dann auch soweit logisch, dass die Einsparungen von Beamtenstellen direkt im Staatsdienst zu (ab)Wanderungen in andere staatliche Strukturen führen? Und wäre damit kein Zeichen von einer "sozialgesellschaftlichen Wandlung", sondern lediglich der Umstrukturierung der Staatsverwaltung. :?

cs6
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Beitrag von cs6 » 13. Jun 2013, 15:11

Mich überrascht das überhaupt nicht. Ich komme selbst aus dem Bereich und kann euch sagen, dass in den meisten Journalisten auch ein kleiner Weltverbesserer steckt. Klar, dass die dann Sympathien für die Grünen hegen. Aber sehr interessant das mal zu lesen! :D

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