In was für einer Arbeitswelt leben wir eigentlich?

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-chiodo-
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In was für einer Arbeitswelt leben wir eigentlich?

Beitrag von -chiodo- » 15. Aug 2006, 10:25

hello world,

ich würde liebend gerne verschiedene meinungen zur arbeitswelt in der
branche (sei es werbung(animation,print,..), film, games, etc) hören.

als animator zu arbeiten ist schon mein traum seit dem ich klein bin,
aber jetzt da ich in der branche aktiv werde, muss ich leider feststellen
dass sich die arbeitswelt ein wenig anders entpuppt als ich annahm.
ich spreche größtenteils von produktions-bezogenen arbeitsplätzen -
genauer gesagt davon, dass man für ca. 6 monate angestellt ist und sich danach
einen neuen job (oft mit neuer stadt) suchen kann. dass bei vielen
(film)studios die eigentlich produktion (modeling, animation im 3d-bereich)
nach asien ausgelagert wird, dezimiert den arbeitsmarkt für animatoren
natürlich nocheinmal um einiges.
von überstunden und unregelmäßigen arbeitswochen kann wahrscheinlich
jeder hier sowieso ein liedchen singen.
im moment erscheint mir die einzigste möglichkeit eine festanstellung
zu bekommen ein eigenes studio zu gründen, was heutzutage natürlich
nicht gerade leicht ist.

ich würde einfach gerne meinungen von euch hören, wie es euch ergeht.
in erster linie ist es egal in welchem bereich ihr arbeitet. ich nehme an,
dass wenn ihr das digitalartforum lest, sowieso in einer ähnlichen
richtung arbeitet.

vielen dank schoneinmal im vorraus,
chris.

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Amanda
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Beitrag von Amanda » 15. Aug 2006, 11:40

Moin,

ich bin zwar Mediengestalterin/Print aber kann dir zustimmen.

Entweder bist du eine Koryphäe in deinem Bereich, möglichst mit Hochschulstudium oder wahnsinns Referenzen in der Mappe.

Oder man bekommt Jobs, die eher Fließbandarbeit gleichen, ßberstunden und Zeitdruck inbegriffen.

Oder Du bist Dauerpraktikant in einer Werbeagentur für Vollzeit 400,- Euro/Monat. *Ironie*

Oder man macht sich selbständig.

Am Ende kannst Du dir aussuchen, welche Art Druck dir lieber ist: vom Chef, vom Kunden oder dein leerer Kühlschrank, der dich Klinkenputzen schickt.

Aber das ist normal und branchenübergreifend, finde ich. Egal, wo ich im Bekanntenkreis lausche, alle stöhnen und ächzen. In den Medien mag das Tempo durch die Technik höher sein und die Flut der Bewerber, die unbedingt kreativ arbeiten wollen und den Beruf nicht realistisch einordnen können.

LG,
Ellie

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SickToy
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Beitrag von SickToy » 15. Aug 2006, 20:19

Im Bereich der Spielentwicklung ist es auch so, ist das Projekt vorbei sucht man sich meist einen neuen Arbeitgeber und natürlich werden auch dort viele Arbeiten ausgelagert ... oft ins Ausland :dead:
He is Conan, Cimmerian, he won't cry, so I cry for him.
- Subotai .-._.-. http://www.blaettgen.com

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digitaldecoy
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Beitrag von digitaldecoy » 15. Aug 2006, 20:34

In der Spielebranche scheint man ein geregelteres Arbeitsverhältnis erst dann zu haben, wenn man Schlüsselpositionen einnimmt. Und dann auch nur, wenn der Arbeitgeber nicht pleite macht. Ich denke, will man wirklich langfristiger denken, muss man sich früher oder später selbstständig machen und möglichst vom Home Office aus arbeiten. Mittlerweile werden im Game Dev allerdings größere Studios gegenüber Einzelkämpfern bevorzugt. In der Regel braucht man große Mengen an Assets und will nicht Monate lang darauf warten.

Insgesamt sollte man wohl wirklich sehr flexibel sein, wenn man in der Spielebranche tätig werden will. Wundert mich ein bißchen zu hören, dass das im Bereich Mediengestaltung auch schon solche Formen annimmt. Aber ich denke, es sind im Moment generell schlechte Zeiten für sesshafte Menschen. Schade eigentlich.
Besuch mich doch Mal in meinem Personal Showroom! - http://www.digitalartforum.de/forum/vie ... php?t=1604

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Amanda
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Beitrag von Amanda » 16. Aug 2006, 08:28

Hallo digitaldecoy,

der Unterschied ist, daß man als Mediengestalter doch meistens einen festen Job inne hat. Aber die Tendenz geht ganz klar in Richtung Praktikanten bei Agenturen oder einem Workflow, der Fließbandarbeit gleicht, meist in Druckereien oder Agenturen, die sich spezialisiert haben.

Momentan herrschen 35% Arbeitslosigkeit in der Branche, alle künstlerisch-kreativen Berufe mit einbegriffen. Die Freiberufler sind statischtisch nicht dabei erfasst. Und die Stundenlöhne im mittleren Qualitätsbereich, also der 0815-Ausgebildete, nun ja, sind z.T. weit unter denen einer Reinigungskraft.

Aktuell ist zwar spürbar, daß die Wirtschaft leicht ankurbelt und wieder Leute gesucht werden, aber bis sich das wieder auf ein "Normalmaß" erholt dauert es noch ein paar Jahre. Aber der Trend der Arbeitgeber geht ganz eindeutig in Richtung Praktikum und 6-Monats-Verträge.

LG,
Ellie

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Jan
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Beitrag von Jan » 16. Aug 2006, 08:48

Ich hab mal ein halbes Jahr bei Jung von Matt Praktikum gemacht und ich habe mit großem Entsetzen festgestellt, was da so abgeht. Ein kleines Bsp.: 19 Stunden arbeiten am nächsten Tag wieder pünktlich um neun dann wieder 19 Stunden arbeiten und dann zur Belohnung am Wochenende nur noch 11 Stunden am Samstag und 11 Stunden am Sonntag, damit man dann am Montag wieder frisch in die Woche starten kann. :dead: (natürlich wurden die ßberstunden nicht bezahlt - von Freizeitausgleich red ich gar nicht erst)

Spätestens seit diesem Praktikum weiß ich, dass es in der Werbebranche mitunter unmenschlich zu geht. Das ist sicher nicht in jeder Agentur so. Aber da war mir klar, dass ich nicht mein ganzes Leben nur dem Arbeiten widmen will und das eine andere Lösung herbei muss, denn wenn ich mich schon kaputt mache und arbeiten soll wie ein Hund, dann kann ich das auch für mich selbst tun. Deswegen habe ich mich selbständig gemacht. Ich fange jeden morgen um 9:00 Uhr an und höre meistens um 19:00 Uhr auf.

Am Wochenende habe ich erst einmal gearbeitet, dass haben wir uns aber auch bezahlen lassen.

Unser Schwerpunkt liegt allerdings auch in der (etwas langlebigeren) Gestaltung. Hier müssen zwar auch Deadlines erfüllt werden doch alles in allem geht es doch insgesamt humaner zu.

Wahrscheinlich hab ich Glück gehabt, dass man sich in dieser Branche relativ leicht selbstständig machen kann. Dass man als Selbständiger härter und länger arbeiten muss als als Angestellter ist aus meiner Sicht jedenfalls ein Gerücht.

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Beitrag von Klotzkopf » 16. Aug 2006, 09:26

Ich möchte nie mehr festangestellt sein. Die hohe Arbeitslosigkeit ist meiner Meinung nach für die meisten Firmenchefs ein Freibrief zur ungestraften Ausbeutung. Festanstellungen sind mittlerweile seltene Ausnahmen und die Leute, die sich eine heißersehnte Anstellung erkämpft haben, arbeiten aus Angst vor Jobverlust in der Regel sogar länger, als ich es als Selbständiger tun würde.

Selbstständig bedeutet dann halt auch SELBST und STßNDIG, aber wenigstens muss ich nicht mehr jeden job annehmen und kann meine Arbeitszeit selbst bestimmen.

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Taros
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Beitrag von Taros » 21. Aug 2006, 09:04

@Digitaldecoy: In der Regel braucht man große Mengen an Assets und will nicht Monate lang darauf warten.
Das muss aber nicht allgemein heissen, das man auf Freelancer warten muss. Agenturen neigen auch zu Verspätungen... Es gibt auch genügend Beispiele für sehr zuverlässige Freelancer.

@Jan: Kann Deine Erfahrung nur bestätigen. Wenn man sich als Freelancer am Anfang etwas reinhängt und seinen Job gut macht, dann ist die Chance gut, später einen geregelteren Job zu fahren als ein Angestellter. Als Angestellter habe ich teilweise mehr gearbeitet und musste meinen Urlaub erbitten, wenn nicht ausfallen lassen.

In den letzten zwei Jahren habe ich kaum noch an Wochenenden gearbeitet. Es kommt vor, aber sehr selten. An das letzte Mal kann ich mich nicht erinnern. Und ich habe ähnliche Arbeitszeiten wie Jan, 10-12 Stunden ist maximum. ßber die Bezahlung kann ich mich auch nicht beschweren. Inzwischen kann ich mir sogar zwei Mal im Jahr Urlaub leisten und das mit meiner Frau, die im Augenblick nicht arbeitet.

Es wird sogar nach und nach besser, da ich nun aufgrund meiner Stammkunden "selbstsicherere" Preise an Neukunden abgeben kann.

Dies alles ist jedoch das Ergebnis aus einem Jahr sehr harter Akquisearbeit und ist nicht von heute auf morgen gekommen. Zudem kommt eine Sache hinzu, die ich persönlich inzwischen für die wichtigste halte: Flexibilität.
Die meisten meiner Bekannten scheiterten an der Freiberuflichkeit, da sie sich meist auf eine einzige Leistung festgelegt haben.

Fazit: Ich persönlich habe aktuell nicht vor, wieder als Angestellter zu arbeiten, außer, bei mir geht alles den Bach runter. Aber dafür habe ich viel zu viele Ideen...

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Chris
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Kazroth
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Beitrag von Kazroth » 21. Aug 2006, 16:58

Hrm ich arbeite nebenbei freiberuflich um mir ein paar Eurofufzig dabei zu verdienen. Nix großes und eigentlich wäre mir eine feste Anstellung in diesem Bereich erheblich lieber (ich hasse meinen aktuellen Hauptjob bis aufs Mark) aber nach allem was man so hört kann man wirklich nur als Freiberufler überleben es sei denn man möchte in der Branche alle 12 Monate einen neuen Job inklusive Wohnort suchen. Und zum vollen Freiberufler fehlt es mir sicher zum einen an Fähigkeiten (gut die kommen mit der Zeit und viel Fleiß) zum anderen aber auch am Mut. Seit ich denken kann hab ich ein geregeltes Einkommen ein solches Risiko einzugehen und mich gänzlich nur auf mich zu verlassen....Himmel hilf.

Aber um beim Thema zu bleiben, wie kommt es denn, dass grade die Medien- Unterhaltungsindustrie solch merkwürdige Anstellungsvorstellungen hat? Ich meine in anderen Undustrien geht es auch reibungslos ohne projektbezogene Anstellungen, woher kommt also dieser Trend?

Mich persönlich trifft es (noch) nicht aber das war bislang einer der Punkte die mich auch deutlich abgeschreckt haben einen großen Schritt nach vorne zu wagen, muss deshalb chiodos Ausführungen schon mit ein wenig Verunsicherung folgen.
I made this half-pony half-monkey monster to please you. But I get the feeling that you don?t like it. What?s with all the screaming? You like monkeys, you like ponies. Maybe you don?t like monsters so much. Maybe I used too many monkeys. Isn?t it enough to know that I ruined a pony making a gift for you?

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Beitrag von xeNusion » 21. Aug 2006, 19:29

hab geregelte arbeitszeiten. kann also nicht meckern.
ueber die bezahlung kann man sich natuerlich streiten wenn ausserhalb von deutschland die leute locker das doppelte bekommen.

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Beitrag von thomasp » 17. Sep 2006, 14:37

von dem trip, nie wieder angestellter sei zu wollen, bin ich wieder 'runter: mit der zeit hat die selbständigkeit (spielebranche) bei mir das privatleben komplett verdrängt, man identifiziert sich einfach zu stark mit der arbeit und hängt ständig davor.

demzufolge wurde der wunsch nach festanstellung und sauberer trennung von arbeit und freizeit grösser - und irgendwie bot mir D in der hinsicht keine interessanten möglichkeiten.
also habe ich nach ein paar jahren als angestellter und freier für diverse deutsche firmen den sprung - na eher hüpfer - nach UK gemacht. mein bisheriger eindruck ist, dass england einen guten kompromiss darstellt zwischen 'europäischem', noch etwas relaxtem arbeitsumfeld und der möglichkeit, an interessanten internationalen projekten zu arbeiten.

so, sonntag, 2:35 PM, zeit für einen bummel in die fussgängerzone - ein paar besorgungen erledigen. danach vielleicht noch ein bisschen links-fahren üben auf der M1. fahrn ja alle wie die schweizer hier, gaaanz locker. 3D tool, photoshop und der ganze klumpatsch werden erst wieder am montag angeworfen. ;)

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TituS
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Beitrag von TituS » 18. Sep 2006, 09:10

Taros hat geschrieben:
@Digitaldecoy: In der Regel braucht man große Mengen an Assets und will nicht Monate lang darauf warten.
Das muss aber nicht allgemein heissen, das man auf Freelancer warten muss. Agenturen neigen auch zu Verspätungen... Es gibt auch genügend Beispiele für sehr zuverlässige Freelancer.
Daniel wollte damit sicherlich nicht seinen unmut gegenüber freelancern äussern. er bezog sich auf die schiere masse an assets, die natürlich von einem externen team einfacher und schneller zu erledigen ist, als wenn man sich einzelne externe zu hilfe zieht.

Wir arbeiten auch lieber mit ganzen studios zusammen. in besten fall muss man sich nur mit dem art director herumschlagen, der alles weitere an seine leute weitergibt. das erspart uns mühselige und zeitaufwendige kommunikationswege, als wenn man sich um jeden externen einzeln kümmern müsste. zudem kommen die assets dann auch paketweise und nicht ein objekt nach dem anderen.

---------

ich habe eher die erfahrung gemacht, dass es nur so vor freelancern sprudelt und keiner mehr gewillt ist, ein angestelltenverhältnis einzugehen. die meisten wollen lieber gemütlich von zu hause aus arbeiten und kaum jemand ist bereit für einen festen job umzuziehen, da niemand einem garantieren kann, dass es von langer dauer ist.

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Beitrag von Neox » 18. Sep 2006, 09:23

TituS hat geschrieben:zudem kommen die assets dann auch paketweise und nicht ein objekt nach dem anderen.
also das kann ein Freelancer auch machen, so ist das ja nich ;)
bonus vir semper tiro

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Eric
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Beitrag von Eric » 18. Sep 2006, 09:35

Ich arbeite im Augenblick seit etwa 3 1/2 Jahren, etwa 6 Monate im Jahr projektbezogen/angestellt, und 6 Monate Freiberuflich.

Beide Arbeitsebenen habe ihre Vor- und Nachteile. Eins ist jedoch sicher: Das Angestellten Verhältnis macht sehr viel Spass, aber auch nur deshalb, da die freiberufliche Ebene meiner Arbeit mir eine gewisse Sicherheit gibt.

Im Angestelltenverhältnis beobachte ich sehr oft Praktikanten oder längerfristige Angestellte, die unheimlich "buckeln". Ich verstehe die Gründe auch, manch einer ist aus verschiedene Gründen abhängig von der Festanstellung, jedoch das Betriebsklima leidet ungeheuerlich. Keine Kritik wird laut, noch so miserable Arbeitsverhältnisse werden freiwillig geduldet, ßberstunden ohne Kritik einfach hingenommen, über Gehaltsverbesserungen wird gar nicht diskutiert. Letztes Jahr staunte ich über eine 3D Modeller der auf internationalem Niveau für drei Filmproduktionen gearbeitet hat(Klasse Arbeiten), der mit seinen 2.200 Netto und 12 Stunden Arbeitstag nicht an eine verbesserungen dachte, geschweige den aus Angst zu einer anderen Firma zu gehen.

Als Freelancer fest eine Zeitlang zu arbeiten, ermöglicht mir offen und ehrlich zum Kunden zu sein, in dem Fall der Arbeitgeber. Wenn etwas nicht okay ist, wird es sofort angesprochen, schnellstmöglichst erbessert und optimiert, ohne Angst zu haben den "Job" zu verlieren. meistens wundern sich die festangestellten, warum man um 18.00 geht, wobei man um 9.00 angefangen hat, und dabei mehr als das doppelte verdient. Klar, wenn die Praktikanten und Festangestellten bis um 20.00 arbeiten, aus Angst vor dem Chef, kann ich das verstehen.

In der freiberuflichen Phase freut man sich verschieden kleinere Projekte anzusteueren, die Vielfalt ist sehr interessant, wenn auch immer ein bisschen die Angst vor der "Unsicherheit" herrscht. Aber wenn man die einmal im Griff bekommt, so kann man sich umso besser auf die Projekte konzentrieren, und man freut sich auf das nächste grössere Arbeit.

Persönlich würde ich gerne mal ein, zwei Jahre an einem einzigen Projekt oder Firma arbeiten. Wenn die Teamarbeit stimmt, auch wesentlich länger. Aber eins weiss ich sicher: die Ehrlichkeit gegnüber dem Kunden und die Arbeitsatmosphäre wird mir sehr wichtig bleiben, kein "buckeln" und keine "ßberstunden" ohne Sinn, oder weil die "Regel" so ist. Ich arbeite gerne ßberstunden, solange sie in erster Linie Spass am Projekt machen und entweder in Freizeit oder Geld belohnt werden. Nur um den Job zu "sichern" oder auf eine bessere "Anerkennung" zu bekommen, würde ich es nicht machen. Die Erfahrung bis jetzt hat mir gezeigt, das das eigentlich nicht realistisch ist.

Schöne Grüße,
Eric

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Taros
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Beitrag von Taros » 18. Sep 2006, 11:42

Habe Eric nichts hinzuzufügen. Sehe das genauso.

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ThomasVeil
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Beitrag von ThomasVeil » 13. Okt 2006, 18:10

Bin ein bisschen spaet hier - bin nur so beim stoebern hier drueber gestolpert.
Ansich finde ich, dass die Situation momentan fuer Animatoren und Artists zumindest in der Spielebranche sehr gut ist. Wer zumindest etwas mobil ist, wird auch was finden.
Das Problem mit Bezahlung und Ueberstunden steht da halt im Raum - das ist in anderen Bereichen besser geregelt - das ist einfach so. Ich hab es bisher in der Spielentwicklung nirgendwo anders erlebt oder gehoert - dann muss man sich wohl ne andere Industrie aussuchen.
Solange es nicht ausartet ist es in meinen Augen auch voellig ok - meist sind es ja junge Leute die zusammen kommen und einfach cooles Zeug machen wollen, auch wenns Extrastunden braucht.

Wenn du noch was suchst dann meld dich mal bei mir, oder schreib direkt an Streamline-Studios. Wir suchen eigentlich auch immer nach guten Leuten.

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Beitrag von Jabo » 1. Dez 2006, 16:36

Melde mich auch mal zu Worte. Ein paar interessante Gedankengänge hier. Auch wenn ich keine praktische Erfahrung mit freiberuflicher Arbeit habe, muss ich sagen, dass ich ähnlich wie Eric denke.

Ich hab in einer Woche meine Abschlussprüfung als Mediengestalt. Ich habe Glück mit meiner Ausbildung gehabt, die Leute aus meiner Berufsschulklasse haben die selben Probleme, die hier schon erwähnt wurden. Sie tun aber nichts dagegen, selbst wenn sie zu dritt oder zu viert sind (jo, ist halt billiger, 4 Azubis zu haben und sie nach der Prüfung zu feuern und sich neue zu besorgen. Gibt ja genug willige). Das Lemming-Verhalten ist nichts für mich. Ich befinde mich gerade in einem unglaublichen Tief, das mich seit Monaten nicht mehr richtig schlafen lässt. Vielleicht mach ich mir zu viel Sorgen, aber dann doch lieber das, anstatt sich mit allem zufrieden zu geben.

Problem: Die Berufsschulen. Meine ist miserabel. Meistens warten wir auf die Lehrer, anstatt umgekehrt. Wir haben innerhalb von 2 1/2 Jahren erst 2 praktische Projekte mehr oder weniger nach einem festgelegten Schema bearbeitet, und jetzt wo wir uns zum x-ten Mal beschwert haben, hat die Schule eine Freiberuflerin angeheuert, um uns zu unterrichten. Die konnte so gar nicht verstehen, warum wir noch nie eine richtige Konzeption gesehen haben und es auch sonst an allen Ecken und Enden hapert. Die Ergebnisse der Hausarbeit sahen dementsprechend aus (Logos in Word, autsch).

Jetzt suchen sich die, die noch jung genug sind, einen Studienplatz, weil mit ausgebildeten Mediengestaltern im Allgemeinen mehr eine Art Menschenhandel getrieben wird. Einer meiner Mitschüler wird im Betrieb morgens mit dem Schlüssel zur Agentur vorgeschickt, damit er Kaffee aufsetzt. Mittagspause hat er keine. Wenn um 18 Uhr alle gehen, muss er noch bis 22 Uhr da bleiben, die Küche aufräumen (Pfannen schrubben) und die Post wegbringen. Und das dann montags bis samstags, manchmal sonntags. Wunderbar.
Ein Test der Ausbildungsberufe diesen Jahres zählt die Ausbildungen in der Werbebranche auf den untersten Plätzen.

Meine Meinung dazu: Ich habe absolut nichts gegen ßberstunden, egal ob bezahlt oder nicht, solange ich den Sinn darin erkenne und gutheiße. Neukunden mit Schnelligkeit und Qualität zu beeindrucken lässt einen nach über 20 Stunden sehr gut schlafen. Aber wenn ich innerhalb einer Woche 40 E-Mails eines Kunden für ein Projekt "XYZ Visitenkarte" bekomme, zweifle ich an mir selbst und am Sinn des Jobs. Die Undankbarkeit der Kunden nimmt dann auch noch zu ("Danke für das Angebot bezüglich der Web-Aktualisierung. Schicken Sie mir doch bitte die offenen Dateien, ein Bekannter von mir macht das fast umsonst"). Und wenn meine Arbeit nicht mehr gutgeheißen wird, obwohl ich mir den Arsch dafür aufreiße, suche ich mir was neues.

Es ist komisch. Ich kam in den Beruf voll ßberzeugung und tollen Ideen. Jetzt ist die Inspiration und Kreativität verkümmert und ich laufe wie ein Zombie durch eine Welt, die mir nicht gefällt. Ganz nebenbei habe ich durch die ständige Arbeit alle Freunde verloren. Supi.

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