Über die Weiber

Steven
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Beitrag von Steven » 18. Dez 2006, 02:03

Ellie hat geschrieben:...das Frauen andere Waffen zur Durchsetzung ihrer Interessen zur Verfügung haben als Männer.
wozu mir gleich der nächste Spruch einfällt:
Weinen ist Erpressung!

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Amanda
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Beitrag von Amanda » 18. Dez 2006, 09:36

Moin,

wirklich? :oops:

Na, ich stelle mir gerade eine Frau vor, die wie John Wayne breitbeinig in der Pinte zu einem Typen rübergeht, der sie blöde von der Seite angemacht hat und mit kratziger Stimme meint: "Alter, halt's Maul, oder willst Du auffe Fresse? Kannste kriegen, komm mit raus."

Gibt es, solche Mannsweiber.

@maldietrich

Du kamst mit der Aussage, warum Menschen einem vorgegebenen Rollenklischee entsprechen ohne es zu hinterfragen. Und ich habe mich darauf bezogen, daß auch in anderen Gruppen diese Klischees vorhanden sind. Ich kenne zwar auch Menschen, die meinen sie leben außerhalb von Schubladen, aber das ist imho ein Irrtum. Jeder lebt in seiner Schublade, weil ohne Wertvorstellung ein psychisch gesundes Leben nicht funktionieren kann. Und das wiederum liegt daran, daß wir Menschen Herdentiere sind, da ist die Ambivalenz zwischen eigenen und den Interessen der Gruppe fest verankert.

Und, woher kommt deine Sichtweise sie hinterfragen das nicht? Mein Eindruck ist, daß Schubladen sehr viel Sicherheit bieten und viele Menschen deshalb Rollenbilder akzeptieren. Und ich kenne keine Gruppe, die ohne Rollenbild zurecht kommt, selbst im tiefsten Busch bei den Urvölkern gibt es die, ebenso wie die Punkgruppe ihre Sitten pflegt.

@Duracel

Jo, Ken Wilber... und Keirsing... hehe. Ja, habe ich teilweise im www schon zu gelesen. Scheint sich zu lohnen da mal reinzuschauen. So als entp bin ich immer wißbegierig. :o

Danke für den Buchtipp.

@Vulti

Oh, da wirken heute noch messbare Triebe. Das wir theoretisch darüber hinauswachsen können, ist ja wieder eine andere Sache.

LG,
Ellie

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Logan
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Beitrag von Logan » 18. Dez 2006, 11:31

Ellie hat geschrieben:Fragt sie ihn: Schatz, möchtest Du was trinken?

bedeutet das schlicht: "Mann, ich hab Durst und da fällt mir ein, die Flaschen sind noch im Keller und Du bist groß und stark und weil mir das peinlich wäre, dich nur für mich zu bitten, hege ich die leise Hoffnung, daß Du meinen Egoismus übersiehst und so tust, als hättest Du auch Durst und holst die Kiste Selter rauf, jaahaaa, Schatzi?"

Was kommt aber als Antwort?

"Nein."

:?

War das wirklich soo schwer zu verstehen was wir wollen? Ich finde das sehr höflich und dezent. Und wenn er dann Nein sagt bedeutet das: "Alte, hol dir deinen Scheiß selbst, ich mach doch nicht den Affen, schau mal in den Spiegel und wie alt deine Schuhe sind, also nö, für die junge Nachbarin würde ich ja gehen, aber für dich olle Schrapnelle?"
Komplizierter geht's wohl nicht mehr. Wüsste mal gern, wieviel Prozent der Männer hinter dieser Frage die Bitte bzw. Aufforderung vermuten, ihr was zu trinken zu bringen! Und warum so tun als ob man Durst hätte? Das Vortäuschen von Durst wäre demnach in diesem Fall höflich? Ich kann verstehen, dass sich Frauen wünschen, dass man ihnen jeden Wunsch von den Augen abliest, aber bei "normalen" Männern sollte Frau doch besser mit einfachen, kurzen, unkomplizierten, unzweideutigen Sätzen arbeiten.

Und die Antwort "Nein" ist keineswegs böse gemeint, sondern die Bösartigkeit wird von den Frauen hineininterpretiert, weil sie der festen Überzeugung sind, mit dieser einfach Frage, eine Aufforderung deutlich gemacht zu haben. Der Mann denkt gar nicht so weit, sondern sieht in der Frage eben einfach nur eine simple Frage (Auskunft über Durst/kein Durst), die eigentlich genau zwei Optionen zulässt: Ja oder Nein. Kann ja auch schnell kritisch werden: "Ja, ein bisschen Durst habe ich schon, wenn du dir was holst, bring mir doch ein Bier mit." :twisted:

Da braucht es schon eindeutigere Sachlagen, um die versteckte Aufforderung erkennen. Beispielsweise wenn das Fenster auf ist und sie beiläufig fragt "Ist dir nicht auch kalt?" kann man ja entsprechend darauf reagieren (So weit ist es schon gekommen, ein "Hier ist es kalt, hast du was dagegen, wenn wir das Fenster schließen" würde es ja auch tun). Aber man würde ja verrückt werden, wenn man bei jeder Äußerung einer Frau versuchen würde, die versteckte Intention zu erahnen. ;)

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Goliath
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Beitrag von Goliath » 18. Dez 2006, 18:02

Emm hat geschrieben:Ich bin ja für ein schild auf dessen einen seite "fressen" und der anderen "ficken" steht - je nach dem dann eine seite herzeigen. sollte genügen
:rofl:

Ich vermisse ein Smilie welches brüllend vor lachen auf den tisch klopft

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Kassandra
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Beitrag von Kassandra » 18. Dez 2006, 22:33

Logan hat geschrieben:Komplizierter geht's wohl nicht mehr. Wüsste mal gern, wieviel Prozent der Männer hinter dieser Frage die Bitte bzw. Aufforderung vermuten, ihr was zu trinken zu bringen!
Und ich frag mich, wie viel Prozent der Frauen das tun. Wenn ich was zu trinken will, hol ich mir was.

Makx
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Beitrag von Makx » 18. Dez 2006, 22:46

Ellie hat geschrieben:Fragt sie ihn: Schatz, möchtest Du was trinken?

bedeutet das schlicht: "Mann, ich hab Durst und da fällt mir ein, die Flaschen sind noch im Keller und Du bist groß und stark und weil mir das peinlich wäre, dich nur für mich zu bitten, hege ich die leise Hoffnung, daß Du meinen Egoismus übersiehst und so tust, als hättest Du auch Durst und holst die Kiste Selter rauf, jaahaaa, Schatzi?"
Da wird wohl auch gerne mit zweierlei Mass gemessen.
Ich meine so etwa in dieser Art:
GWS:Comic-Strip (parental advisory?)

Oder würdest du mir/deiner besten Freundin einen Kaugummi anbieten (geschweige denn kaufen gehen) wenn ich/sie dich fragen würde, ob du einen magst?
In meiner langjährigen Erfahrung im Raucherinnen Kaugummis anbieten, habe ich zumindest noch nie so einen Fall erlebt...

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Amanda
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Beitrag von Amanda » 19. Dez 2006, 13:41

Moin,

das Beispiel habe ich aus einem Standardwerk über Kommunikation und es nochmal weit überzogener dargestellt.

Herrje. Die Herren scheinen das überwiegend verstanden zu haben, die Damen nicht.

Frauen neigen dazu von hinten durch die kalte Küche ihre Wünsche zu formulieren anstatt direkt auszusprechen was sie wollen. Frauen untereinander verstehen diese Sprache auch gut, man muß nicht alles direkt einfordern, es genügt oft anzudeuten, man möchte auch etwas haben usw.

Natürlich nicht in jedem Einzelfall, ich rede von Tendenzen. Die Aussage: "Jede Frau hat Brüste." könnte man ebenso relativieren, gibt ja auch Welche die so gut wie keine haben oder nur eine oder drei, was weiß ich was es da alles so gibt.

Mir ist z.B. aufgefallen, daß Männer zu Grillabenden sehr selten Salat mitbringen, sich mehr auf Bier und Fleisch konzentrieren. Tatsächlich bin ich mal zu einem Fondue eingeladen worden als einzige Quotenfrau und da gab es nur Fleisch und Saucen und wäre ich nicht gewesen, nicht mal Brot. Dafür aber zwei Kisten Bier. :lol:

Das schließt ja nicht aus, daß sie anders können. Ist eben eine Tendenz. Wie weit das jetzt Erziehung ist oder Instinkt, ist das wirklich so wichtig?

Aber es gibt diese Unterschiede die geschlechtsspezifisch zuzuordnen sind.

LG,
Ellie

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Goliath
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Beitrag von Goliath » 19. Dez 2006, 18:35

jep und pfeiff drauf obs klischee ist oder nicht: es sind wirklich genug meiner weiblichen bekannten diesem "klischee" anzurechnen oder zumindest ähnlich.

Ich denke es ist einfach ein Grundmuster im weiblichen Verhalten da, genauso wie beim männlichen Sapiens.

Hatte mal eine mehrstündige hitzige Debatte mit einer guten Freundin und verschworenen Extrem-Killer-Kampf-Frauen-Rechtlerin. Ihr Standpunkt war dasses eigentlich überhaupt keinen Unterschied zwischen Mann und Frau gibt, sondern dass alles nur von "der Gesellschaft" so von Kindheit an manipuliert wird.

Blödsinn. Klar, es gibt schon Manipulationen nicht nur in diesem Bereich von Medien und der "Gesellschaft", aber es ist dennoch denk ich einfach ein Gottgegebener Unterschied da, in den Genen oder wo auch immer.....


Es gibt einfach Punkte, da übertreiben es manche E-Mann-zen ein wenig...

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Beitrag von Vulti » 19. Dez 2006, 19:06

Blödsinn.
Wenn ich da kurz auf den Wikipediaartikel zu Sex und Gender, etc. verweisen darf: Es ist vielleicht wissenschaftlich umstritten, aber sicher nicht abwegig.

Ich wollte den Vergleich eigentlich hier nicht bringen, aber mit den selben Argumenten, von genetischen Unterschieden hat man auch schon den natürlichen Rassenunterschied zwischen Schwarz und Weiß, Jude und Arier begründet...

Wie gesagt, ich bin eben dafür Vorurteile abzubauen und jeden gleiche Behandlung zu gewähren. Es ist nicht so, als würde ich nicht auch über solche Sachen lachen. Nur leider habe ich immer den Verdacht, dass das manche alles verdammt ernst nehmen; etwas zu ernst.
»Gee, I wish we had one of them doomsday machines.«

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Beitrag von BRANDISH » 19. Dez 2006, 19:11

Goliath hat geschrieben:Hatte mal eine mehrstündige hitzige Debatte mit einer guten Freundin und verschworenen Extrem-Killer-Kampf-Frauen-Rechtlerin. Ihr Standpunkt war dasses eigentlich überhaupt keinen Unterschied zwischen Mann und Frau gibt, sondern dass alles nur von "der Gesellschaft" so von Kindheit an manipuliert wird.

.
ja. ich glaube auch Busen und Penes sind soziale konstrukte.
Vodka! Vodka! Play the Balalaika!
Olga Katinka dance and lose Control!

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Beitrag von Triton » 19. Dez 2006, 21:45

Naja, ich finde ein unterschiedliches Verhalten von Männern und Frauen doch auch irgendwie reizvoll.

Eine Frau die sich als gleiche Art von Mensch ansieht wie ich, nur mit zusätzlichem Loch und 2 Bergen, wär für mich irgendwie uninteressant. Ich will einen anderen Grundtypus von Person bei einer Frau vorfinden. Aus dem Unterschied entsteht doch die (positive wie negative) Spannung - wenn es in einer Beziehung dann ab und zu zu kleinen Missverständnissen kommt, ist das verschmerzbar ;)

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Beitrag von Goliath » 19. Dez 2006, 22:06

Genau!

Yin & Yang

that's what it's all about

maldietrich
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Beitrag von maldietrich » 19. Dez 2006, 22:54

Danke Vulti, du sprichst mir wieder mal aus der Seele. Ich wäre auch sehr dafür das man hier zwischen Gender und Sex differenziert.

@ Ellie:
Mir ist z.B. aufgefallen, daß Männer zu Grillabenden sehr selten Salat mitbringen, sich mehr auf Bier und Fleisch konzentrieren. Tatsächlich bin ich mal zu einem Fondue eingeladen worden als einzige Quotenfrau und da gab es nur Fleisch und Saucen und wäre ich nicht gewesen, nicht mal Brot. Dafür aber zwei Kisten Bier.
Das ist genau der Grund warum ich nicht mir dir tauschen würde wollen. Schon mal gedacht das es einfach an deinem sozialen Umfeld liegt, soll heißen an den jeweiligen Charakteren und Persönlichkeiten in deinem Umfeld, und nicht an der Tatsache das es Männer sind?

Das erinnert mich an die derzeit heftige Debatte über so genannte "Killer-Spiele". Weil die Amok-Kiddies Counter Strike gespielt haben sind jetzt plötzlich Gewaltspiele der Sündenbock der verboten werden muss?
Das ist für mich ähnlich absurd wie wenn ich behaupten würde Schuhwerk fördert die Fahrerflucht, weil in 99,9% die Fahrerflüchtigen Schuhe trugen.

Die Ursachenbestimmung ist - wenn überhaupt möglich - sicher kein einfaches Unterfangen.

Mir scheint aber es ist vielen Menschen zu komliziert immer von Wahrscheinlichkeiten oder Möglichkeiten zu sprechen und ihre domographisch beschränkte Sichtweise in ihren Äußerungen zu berücksichtigen, weshalb sie gefallen daran finden Dinge in einer Form zu vereinfachen aber leider durch ihre Vereinfachung jegliche Relevanz verliert.

Ich finde es ist das eine sich Rollenbilder und Klischees zu bedienen um eine Geschichte zu erzählen, einen Sachverhalt oder eine Moral zu vermitteln, aber wenn man versucht diese Kischeebilder auf das reale Leben anzuwenden, kann man meiner Meinung nach nur scheitern.

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Goliath
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Beitrag von Goliath » 19. Dez 2006, 23:23

darf man fragen ob du Männlein oder Weiblein bist?

Ich verstehe auch nicht so ganz warum du so Riesen Probleme damit hast, was du "Rollenklischees" nennst ?

Mir scheint du willst es einfach nicht akzeptieren, dass es eben ein weibliches und ein männliches Konzept für uns Menschen gibt...
Schon mal gedacht das es einfach an deinem sozialen Umfeld liegt
Nein, weil das auch abstrus ist. Denn dass was du hier auf 1 soziales Umfeld eingrenzen willst, erstreckt sich rund um den Globus in jedem Kulturkreis und das schon seit tausenden Jahren.

Ich glaub jeder hier bis auf dich kennt genug Personen, männlich als auch weiblich, die ihre natürlichen geschlechtlichen Neigungen und Eigenschaften leben.

Klar gibts Ausnahmen, wie in allen Dingen auf dieser Seite des Kosmos!

Ich will dich ja nicht enttäuschen, aber ich bin auch ein Kind der Punk/Linke/Hippies Szene und hab von Kindheit auf an "andere Rollenbilder" kennen gelernt. Bis heute hab ich nicht nur diese Szene sondern noch viele andere erlebt und in sämtlichen sozialen Schichten die gleiche Erkenntnis rausgefiltert:

Frauen sind nunmal Frauen und Männer sind Männer.

Klar gibts manchmal Frauen die sind männlicher und Männer die weiblicher sind, aber sie sind dann eben MÄNNlicher oder WEIBlicher.

Da gibts angeblich auch noch son Ding namens Testosteron oder so... :wink:

Evolutionäre Hintergründe als VerhaltensMotiv werden nicht ausgeschlossen.



Sagmal hattest du bis jetzt eigentlich nur miese Beziehungen oder garkeine?

Warum soviel Hass gegen das 2geschlechtliche Menschenbild?

So ist die Natur! Es gibt immer 2 Pole!

Und das ist gut so! Es gibt nichts schöneres als Frauen mit ihrer ganzen Eigenart, ich liebe es und möchte es nicht missen.

Ich merke auch bei intensiven Beziehungen zu Mädels wie da bei uns unausgeglichene Teile durchs gemeinsamsein wieder ausgeglichen werden. Die Balance wird wieder hergestellt.
Yin & Yang bilden den Kreis.

Eine sehr schöne Erfahrung.

Solltest du vielleicht auch mal machen...

maldietrich
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Beitrag von maldietrich » 20. Dez 2006, 02:55

Goliath: Weiblein. Steht auch in meinem Profil.
Warum ich ein Problem mit Klischees habe kann man doch in meinen vorherigen Posts lesen, oder nicht? "Riesen Problem" wäre übertrieben.

Ich werde deine anderen Fragen nicht beantworten, weil sie mir zu persönlich sind, und nicht gerade das, was ich gerne in aller Öffentlichkeit heraus posaune. Wir haben wie es aussieht in diesem Fall einfach ein konträres Weltbild. Können wir es dabei belassen? Wenn es dich wirklich interessiert können wir uns per Email gerne weiter unterhalten.

Chinasky
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Beitrag von Chinasky » 22. Dez 2006, 15:31

Um zum Ausgangsposting zurückzukommen... Unter den großen Schriftstellern gab es nicht viele, gegen die anzukämpfen ganze Frauenorganisationen in den siebziger Jahren sich zusammenfanden. Charles Bukowski und Arthur Schopenhauer waren darunter. :D

Der Text "Über die Weiber" ist tatsächlich änlich bekannt wie Nietzsches Diktum: "Du gehst zum Weibe? Vergiß die Peitsche nicht!"
Kaum jemand weiß, daß dieser Satz bei Nietzsche von einer Frau ausgesprochen wird. Und kaum jemand bemerkt in folgendem Zitat Schopenhauers den letzten Halbsatz:

"Das niedrig gewachsene, schmalschultrige, breithüftige und kurzbeinige Geschlecht das schöne nennen konnte nur der vom Geschlechtstrieb umnebelte männliche Intellekt..."
Ebenso wie auf die Weiber drischt Schopenhauer hier auf die Männer ein, die nämlich meinen, kluge Dinge über Ästhetik zu sagen, aber eigentlich vollkommen schwanzgesteuert das als schön bezeichnen, was begattungswürdig erscheint. Übrigens hat mir der obige Satz öfter mal beim Aktzeichnen geholfen, wenn ein Modell auf meiner Zeichnung zu männlich wirkte. Kurz abchecken: Sind die Beine vielleicht zu lang? Hab ich die Schultern zu sehr betont? Und so weiter.

Schopenhauer hat zu seiner Zeit höchst verständlich geschrieben, wenn man das avisierte Publikum berücksichtigt. Seine Schriften waren nicht für den "Pöbel" bestimmt, sondern natürlich nur für die gebildete, dem Schöngeistigen zugewandte Klasse. Sein Stil wurde allseits bewundert, einer der größten literarischen Stilisten des 20.sten Jahrhunderts - Kurt Tucholsky - kommt immer wieder auf die Vorbildfunktion Schopenhauers zu sprechen.

Leider aber ist dieser Text "über die Weiber" einer der schwächsten Texte Schopenhauers. Denn hier schreibt er aus Wut, Frust und Gehässigkeit. Er war zeitlebens Single, litt in seiner Jugend unter seiner dominanten Mutter (die einen wichtigen Salon führte in welchem der junge Arthur von den anderen Geistesgrößen immer etwas gönnerhaft behandelt wurde), und angeblich soll ihn zu der Zeit, in welcher dieser Text entstand, eine ehemalige Haushälterin (erfolgreich!) verklagt haben, weil er sie die Treppe runtergeschubst hatte.
So ist dieser Text über die Weiber also zwar in der üblichen geschliffenen Manier geschrieben wie andere Schopenhauertexte. Aber er ist inhaltlich überhaupt nicht seiner Zeit voraus. Schopenhauer zeigt sich hier als eindeutig von den üblichen Vorurteilen seiner Zeit besessen und differenziert nicht zwischen den angeborenen und den anerzogenen Teilen jeglichen Rollenbildes. Das ist für ihn untypisch, denn eigentlich war er einer, der immer sehr genau hinguckte und sich nicht so leicht vom angeblich Offensichtlichen blenden ließ.

Naja, jedenfalls sollte man ihn nicht anhand solch eines Textes beurteilen. Wer wirklich guten Schopenhauer lesen will, sollte seine zwei Abhandlungen "Über die Freiheit des Willens" und "Über die Grundlage der Moral" lesen, bzw., wenn genügend Zeit vorhanden ist, gleich "Die Welt als Wille und Vorstellung" oder das noch nicht ganz so geschliffen formulierte Traktat "Über die vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde".

Für die Künstler hier im Forum dürfte interessant sein, wie hoch Schopenhauer die Kunst einschätzte, wobei er allerdings die Musik weit oberhalb der Bildenden Kunst ansiedelte, vor allem wegen ihres höheren Abstraktionsgrades. Und außerdem gibt es von ihm noch eine lange Abhandlung "Über das Sehen und die Farben". Leider war Schopenhauer mehr Metaphysiker als Physiker, weshalb er hier allzu sklavisch dem von ihm verehrten Gothe folgt und sich über Newtons (heute als korrekter anerkannte) Sicht der Dinge lustig macht.
Ist dennoch spannend zu lesen, da sowohl bei Goethe wie auch bei Schopenhauer das Psychologische beim Sehen eine größere Rolle spielt.
Es genügt nicht, keine Meinung zu haben. Man muß auch unfähig sein, sie auszudrücken.

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Sisyphos
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Beitrag von Sisyphos » 23. Dez 2006, 10:29

Rollenbilder sind imo zu großen Teilen alles andere als biologisch determiniert, ich denke darauf wollte maldietrich auch hinaus. Kulturelle Determination ist deshalb nicht von der Hand zu weisen (wenngleich leichter beeinflussbar), aber die Gefahr empirischer Fehlschlüsse bei gesellschaftlichen Phänomenen ist gewaltig.

@Hank
Leider war Schopenhauer mehr Metaphysiker als Physiker, weshalb er hier allzu sklavisch dem von ihm verehrten Gothe folgt und sich über Newtons (heute als korrekter anerkannte) Sicht der Dinge lustig macht.
Ist dennoch spannend zu lesen, da sowohl bei Goethe wie auch bei Schopenhauer das Psychologische beim Sehen eine größere Rolle spielt.
Hast Du dazu ein paar Stichworte unter denen ich suchen könnte oder gar die entsprechenden Werke zur Hand? (abgesehen von dem Genannten) Das würde mich interessieren.
Zuletzt geändert von Sisyphos am 23. Dez 2006, 14:43, insgesamt 1-mal geändert.
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ThomasVeil
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Beitrag von ThomasVeil » 23. Dez 2006, 13:09

Ah, schoen das das Lock aufgehoben wurde. Finde das die Diskussion hier eigentlich interessant - und ohne "krallen" vor sich geht. Ganz so wie Schopenhauer es sich gewuenscht haette ;)
Sisyphos hat geschrieben:Rollenbilder sind imo zu großen Teilen alles andere als biologisch determiniert, ich denke darauf wollte maldietrich auch hinaus. Kulturelle Determination ist deshalb nicht von der Hand zu weisen (wenngleich leichter beeinflussbar), aber die Gefahr empirischer Fehlschlüsse bei gesellschaftlichen Phänomenen ist gewaltig.
Der Ansicht das einfach die Erziehung Geschlechterverhalten bestimmt wird eigentlich (zum Glueck) schon lange wissenschaftlich nicht mehr gefolgt. Da empfehle ich dir mal die leider sehr tragische Geschichte von David Reimer zu lesen.

Trotzdem sind natuerlich viele Dinge kulturell bedingt - und das ist IMO besonders bei dem Text zu beachten. Als er ihn geschrieben hatte waren sowohl Maenner als auch Frauen in vielen Dingen ganz anders. Damals sassen halt die meisten Frauen (in seiner Gesellschaft) zu Hause und liessen sich vom Manne aushalten. Das sich das so extrem aendern wuerde konnte man damals warscheinlich nicht vorraussehen.

Chinasky: Interessant. Das "Über das Sehen und die Farben" werd ich mir wohl mal zulegen. Danke fuer den Tip.

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Beitrag von Sisyphos » 23. Dez 2006, 14:52

Ja, Erziehung bestimmt sicher nicht einfach (sprich: direkt und ausschließlich) Geschlechterverhalten, das habe ich mit dem Zitierten auch nicht behauptet, wenn Du genauer liest ;)
Die Unterscheidung predeterminiert/anerzogen wird aber längst nicht mit hinreichender Präzision getroffen. Schon die Begriffe sind schwammig. Daher eben die Meinung, dass viele vermeintlich predeterminierte Verhaltensweisen dann doch eher als sozial bedingt gelten können. Solche ollen Kamellen wie, dass Frauen sich grundsätzlich umständlich und subtil äußern, wenn sie ein Anliegen haben, zum Beispiel.
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Beitrag von Amanda » 23. Dez 2006, 21:13

Hallo maldietrich,

schade, das Du nicht tauschen magst, ich lebe in einem sehr bunten Umfeld mit unterschiedlichsten Menschen.

Was ich lustig finde ist, daß Du offenbar glaubst ich lebe ohne zu hinterfragen ein Rollenbild. Wie kommt man darauf?

@Rest

Ich würde dreist behaupten, es gibt keine Gesellschaft ohne Rollenbilder, weil sie nämlich den Vorteil der Sicherheit bieten, den sich viele Menschen wünschen. Man weiß, wie man sich verhält, so verhält sich der Mitmensch i.d.R. zurück, das Zusammenleben wird berechenbar, sicherer, heimeliger.

Eine Gruppe von Menschen, die ihren Individualismus ausleben ohne Rücksicht auf diese Sicherheit, stelle ich mir sehr chaotisch vor. Ich reiche jemandem zur Begrüßung die Hand und bekomme eine geballert, weil der mein freundliches Lächeln als Zähnefletschen deuten will. :D Ich finde es so schon schwer genug in einer multikulturellen Gesellschaft, wie wir sie hier ja haben, zurechtzufinden. Noch mehr Durcheinander wäre mir ehrlich gesagt zuviel.

Und danke Chinasky für deinen Beitrag.

LG,
Ellie

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Beitrag von Artdek » 23. Dez 2006, 23:01

Eine Gruppe von Menschen, die ihren Individualismus ausleben ohne Rücksicht auf diese Sicherheit, stelle ich mir sehr chaotisch vor. Ich reiche jemandem zur Begrüßung die Hand und bekomme eine geballert, weil der mein freundliches Lächeln als Zähnefletschen deuten will.
Da ich selbst Chaot bin, kann ich dir versichern, dass wir Chaoten durchaus berechenbar sind und auch nach den Regeln der Rücksichtnahme leben. Du würdest von einem geistig Gesunden Individualisten wie mir keinen Schlag ins Gesicht bekommen.
:D


Ich will aber nochmal auf eine klare Unterscheidung kommen, die vielleicht etwas das Thema streift:


Männer haben den Detumessenztrieb - Die Lust des Spendens, der Schenkung, des Sendens. \o/
Frauen haben einen Kontrektationstrieb - Die Lust der Empfängnis. :o
:wise:
Eine Ursache der Verweigerung dieser Triebe kann, wie bei Esstörungen, traumatischer, hormoneller, organischer (d.h. Mutation der Organe schon im Embryonalstadium; oder auch Krebs) oder neurologischer (Fehlen einer Hirnwindung :D) sein.
Eine Diskussion um geschlechterspezifischen Ausgleich ist demnach immer eine Diskussion über diese Bedingungen UND über Humanismus.
Nun haben wir den Humanismus in der Verfassung. Also worüber lohnt es sich zu diskutieren, ausser über persönliche Frustration aufgrund unzureichender Balzstrategien? :?

Ich schlage vor, einen Thread zu öffnen, in der das Thema malerisch bearbeitet wird.
mögliche Threadtitel:

"Die Abschaffung der Geschlechter - eine Gesellschaft im Wandel"

"Der gekaufte Penis - von einem Transvestiten, der wieder ein Mann werden wollte, weil ihm seine Frau dazu riet"

"Reiner Geist - Stöhnen ja. Anfassen nein."

"Die Abschaffung des Unterschiedes - Gesetzgeber veranlassen Gesichtsamputation"

"Im Sitzen Pinkeln - Spass beiseite!"

"Das Maria-Syndrom - Warum Frauen jetzt keinen Sex mehr wollen und Männer die Gentechnik erfanden."

"Liebe auf katholisch - Ein Pfarrer legt die Kleidung ab und ist in Wirklichkeit eine Frau!"

"Meine Brüste sind unterschiedlich groß - billige Sillikonimplantate jetzt auch für Männer!"

"Der Duden lehnt Sexismus ab - aus Männern und Frauen werden Fränner"

"Die sexuelle Rechtschreibreform - Jetzt nur noch 'Es', 'Das' und 'Ein'"

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Beitrag von Sisyphos » 24. Dez 2006, 10:17

:lol:

@Ellie
Ja, da hast Du Recht, es gibt auch nützliche Rollenbilder, und eine heutige Gesellschaft ohne Rollenbilder gibt es nicht. Aber selbst nützliche Rollenbilder sind nicht immer naturgegeben, sondern oft genug praktischer Konsens. Von schlichten Vorurteilen oder selbsterfüllenden Prophezeiungen ganz zu schweigen. Ein sehr gemischtes Paket also :)

Zu guter letzt sind Rollenbilder zwar gesellschaftliche Institutionen, aber nicht alle gesellschaftlichen Institutionen sind Rollenbilder. Dein Beispiel ist keins *spitzfindig* ^^
Weiter!

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Beitrag von Amanda » 20. Jan 2007, 13:33

Jo,

ok, ich schlage da gerne mal einen falschen Weg ein oder verirre mich.

Hm, Duracel,

Ken Wilber... danke für die Empfehlung, ich lese und arbeite mich gerade durch "Eros, Kosmos, Logos. Eine Jahrtausend-Vision." :D Und beschäftige mich mal wieder mit dem mtbi http://de.wikipedia.org/wiki/Mbti

Hochinteressant. Momentan viel aufregender als was zu malen.

LG,
Ellie

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