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MartinH.
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Beitrag von MartinH. » 19. Mai 2008, 12:14

Wobei bei "the journey begins" ganz klar als Unterscheidungsmerkmal zu sehen ist das DA die Details wirklich durch die Story oder wenigstens durch die Komposition motiviert sind.

Heute Morgen kam mir der Gedanke, ob es nicht sinnvoll wäre ein weniger fokussiertes Lernsystem anzuwenden, das einem ein festes Schema vorgibt, nach dem man ALLES parallel lernt. Ich würde mir davon erhoffen, das es leichter wird Dinge interdisziplinär zu verknüpfen und das man durch die künstlich aufgezwungene Form einen größeren Abstand zu den Ergebnissen behält und sie bewusster und realistischer einschätzt. Als Form würde ich mir so einen Plan vorstellen der einem sagt in welcher Reihenfolge man bestimmte Fähigkeiten trainiert, wenn man durch ist, fängt man von vorn an, wenn man etwas besonders schlecht oder gut kann, räumt man dem Punkt etwas mehr oder weniger Zeit ein.
Daran hat mich dein Vergleich mit dem ausgehen vom Zentrum und wieder zurückkehren erinnert.

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Beitrag von digitaldecoy » 19. Mai 2008, 13:12

@ MartinH:

Details - Sehr richtig! Passt exakt zu dem Hinweis, den Du vor Kurzem schon geschrieben hast. Ich denke, im direkten Vergleich sehe ich das jetzt sehr gut.


Lernsystem - Es wäre sicher allein schon eine Herausforderung, die einzelnen Disziplinen für so einen "Lehrplan" zu definieren. Mein analytisches Herz schlägt da natürlich direkt höher. Als ich für mein Teamgespräch z.B. versucht habe festzulegen, welche Teammitglieder es überhaupt gibt, habe ich mich ja eigentlich auf die Suche nach den Hauptaspekten der Bildgestaltung gemacht. Und das Teamgespräch ist ja im Endeffekt nichts anderes als ein Dialog zwischen diesen Aspekten. Dieser Dialog findet auch statt, wenn wir malen, nur da hören wir ihn nicht sondern erleben nur das Ergebnis in Form eines Bildes.
Vielleicht wäre ein Ansatz ja, Übungen zu definieren, die möglichst jeweils jedes Teammitglied so gut es eben geht, in Reinform betreffen. Das ist natürlich nur bis zu einem bestimmten Punkt möglich, da man z.B. Farbe nicht ganz ohne Fläche darstellen kann u.s.w. aber man kann sicherlich einen entsprechenden Schwerpunkt finden. Zusätzlich könnte man sich außerdem angewöhnen, beim Betrachten eines Bildes jeweils durch die Augen der einzelnen Teammitglieder zu schauen, um zu verstehen, welchen Anteil sie jeweils am Gesamtergebnis haben.

Selbstverständlich müsste man erst Mal sicherstellen, dass meine Liste an Teammitgliedern auch vollständig ist und sich da nicht vielleicht noch irgendwo jemand versteckt, den ich übersehen habe. Aber wenn man dann relativ sicher ist, die einzelnen Aspekte einigermaßen getrennt zu haben, könnte man sicher recht leicht Lektionen daraus ableiten. Interessant wäre es dann auch, ganz gezielt zwei Aspekte zu koppeln und auf diese Art verschiedene Paarungen zu erhalten, aus denen sich dann Übungen einer übergeordneten Ebene ergeben würden.

Interessant, darüber nachzudenken. Mal schauen, vielleicht kann man ja was draus machen.
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Beitrag von Duracel » 19. Mai 2008, 23:56

Daniel/Martin

Ich habe irgendwo weiter oben das Zauberwort Synthese gelesen - ich meine in einem von Daniels Postings ... ich denke diesem kommt eine besondere Bedeutung zu als Gegenbewegung zur Analyse!

Und nein, Synthese heißt nicht, dass man alle Aspekte in einem Bild nacheinander abarbeitet - schon garnicht nach einem festen Plan. Nicht parallel sollte das ganze stattfinden, vielmehr simultan; was glaubt ihr, wie ein Mullins oder Artvandeley es schaffen zu ihren hervorragenden Ergebnissen zu gelangen ... da wird nicht mehr differenziert als eben nötig. Und gerade durch dieses permanente Wechselspiel gelangen die Werke zu ihrer Lebendigkeit.
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Beitrag von MartinH. » 20. Mai 2008, 00:15

@Daniel & Lars: Mullins selbst hat ja mal gesagt "trainiere deine Schwächen, bis sie zu deinen Stärken werden und such dir dann eine neue Schwäche die du auf die Art beseitigst". Das sehe ich schon als relativ klare Aussprache für breit gestreutes Wissen und gegen Überspezialisierung. Synthese ist da eine schöne prägnante Umschreibung. Ich bin allerdings skeptisch ob ich sie wirklich als Gegenbewegung zur Analyse sehen würde.
In meinem Übungssystem würde ich auch vermeiden wollen ZU gezielt nur einzelne Aspekte zu trainieren, eben allein schon weil es kompliziert wird dafür die richtigen Übungen zu finden. Ich sehs eher so: lernpsychologisch ist es sinnvoller sich mit mehreren Dingen parallel zu beschäftigen, als sich voll auf einen Bereich zu konzentrieren, vor allem auf kurze Zeiträume gesehen. Ich kann nicht 2 Tage vor einer Mathe Klausur alles nachholen und verstehen. Ich kann aber einen Monat lang alle Fächer täglich ein bisschen lernen und so dann am Ende im idealfall alles verstehen.
Auf die Gestaltung übertragen hoffe ich durch den breit gefächerten Ansatz vielleicht die Frequenz der aha-Erlebnisse zu steigern. Oft entstehen diese ja nicht wenn man z.B. 2 Monate lang Anatomie übt, sondern eher wenn man Anatomie übt und dann zufällig mal was anderes macht, was sich wie ein Puzzleteil einfügt (in dem Fall z.B. plastisch mit Modelliermasse arbeiten um Formen besser zu verstehen). Das könnte, wenn man sich denn diszipliniert an den Plan hält, auch motivierend wirken. Z.B. wenn ich unbedingt ein Environment machen will, mich der Plan aber zwingt vorher erst noch ne langweilige Übung zu machen.
Leider bin ich unheimlich undiszipliniert was sowas angeht, desswegen sehe ich mich nicht unbedingt als idealen Testkandidaten. Wer das straight durchziehen wollen würde, kann sich bei mir melden, dem erstell ich dann einen solchen Übungsplan nach meiner subjektiven Einschätzung seiner Stärken und Schwächen. Wär wirklich mal ein interessantes Experiment.

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Beitrag von Duracel » 20. Mai 2008, 08:44

Ich sehe Synthese nicht als Gegenbewegung, Synthese IST die Gegenbewegung zur Analyse. Analyse ist das Auflösen/Zergliedern in die Bestandteile, unter Synthese dagegen versteht man das Zusammenfügen.

Was deine Experimentidee anbelangt muß ich den Kopf schütteln. Du willst ein geordnetes Experiment darüber machen, wie sich eine chaotische Herangehensweise positiv auswirken kann. Nehmen wir einfach mich als Beispiel; es funktioniert.
Ob es schneller oder effektiver ist? Die Stärke daran ist vorallem, dass man eben auch gelernt hat, nicht nur streng methodisch vorzugehen, sondern flexibel in der Herangehensweise zu bleiben. Der Lern- und Arbeitsprozess schließt dann eben die Synthese mit ein. Die Schwäche ist allerdings auch offensichtlich; denn durch ständige planmäßige Analyse fällt es wiederum viel leichter die Arbeit auf viele Spezialisten zu verteilen.

Es bleibt eben ein hin und her.
Wichtig ist eben, dass man es möglichst vielseitig angeht, wenn man ein homogenes Erscheinungsbild erzeugen will.
Ziel ist, woran kein Weg vorbeiführt.

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Beitrag von digitaldecoy » 20. Mai 2008, 10:35

@ MarkusRosse:

Genaugenommen bin ich im Teamgespräch dreifach vertreten. Ein Mal als derjenige, der die Fragen stellt und der ist ziemlich genau derjenige der gerade dies hier schreibt. Dann als der Regisseur, der eigentlich ein recht unelegantes Konstrukt ist, denn er ist eigentlich fast identisch mit demjenigen, der die Fragen stellt. Und dann ist die Summe der Teammitglieder natürlich auch ich.

Wenn ich wirklich male, bin ich aber niemand von denen. Eigentlich nehme ich mich beim Malen überhaupt nicht wahr. Was Du beschreibst, nämlich dass man aus einem umfassenderen Verständnis heraus malen muss, lässt sich, meiner Meinung nach, sowieso nicht vermeiden (nicht, dass das ein erstrebenswertes Ziel wäre).

Ich betreibe die Analyse ja nicht, um den Malprozess zu einem kontrollierten Mechanismus werden zu lassen. Ich male wie jeder andere - gedankenversunken, Raum und Zeit vergessend und in einer ständigen leichten geistigen Erregung.

Ich glaube allerdings nicht, dass einem in diesem Zustand irgendwelche Fähigkeiten zufliegen. Was ich glaube ist, dass man nur in diesem Zustand zu echten Höchstleistungen fähig ist, das heißt, wan brauch eigentlich gar nicht erst versuchen, "bei klarem Verstand" zu malen, denn die Aufgabe ist zu komplex für unser waches Bewusstsein. Fatal wäre es aber, meiner Meinung nach, aus dieser Erkenntnis den Schluss zu ziehen, dass die Analyse unnütz oder gar schädlich wäre. Ich weiß, das hast Du auch nicht behauptet aber ich will es hier allgemein Mal zur Sprache bringen.

Denn was im "Flow" passiert ist eigentlich kein großes Geheimniss, zumindest kommt es mir persönlich so vor. Im Flow öffnen sich einfach Barrieren, die unser Bewusstsein aufstellt. Während unser Bewusstsein Dinge linear und sequentiell verarbeitet - eins nach dem anderen und logisch aufeinander aufbauend - kommt mir der Flow eher wie ein großer paraleller Mustererkennungsprozess vor. Es ist eben dieses "umfassende" Erkennen, dass Du beschreibst. Ich bin nun aber davon überzeugt, dass dieser Mustererkennungsprozess nicht mehr erkennt, als unser analytisches Bewusstsein, in dem Sinne, dass uns im Flow irgendwelches Wissen aus mystischen Quellen zufliegen würde. Was ich glaube ist, dass durch die massive Paralellität der Prozesse im Flow unser Wissen erst effektiv zum Einsatz gebracht werden kann. Daraus schließe ich für mich, dass je mehr Erkenntnisse ich auf dem analytischen Weg sammle, desto mächtiger wird mein paraleller Mustererkennungsprozess im Flow.

Wo ich tatsächlich so meine Probleme habe ist, diesem Prozess im Flow auch wirklich zu vertrauen. Das liegt, glaube ich, vor allem daran, dass ich im Flow ganz oft bestimmte Dinge falsch mache. Ich verhaue Proportionen oder verzerre Perspektiven und daher lasse ich mich vielleicht ungerne völlig auf den Flow ein bzw. erzeuge im Flow meistens nur Bilder, wo diese Aspekte nicht so wichtig sind. Ich glaube, dass die Fähigkeiten, die man im Flow anwenden kann, vorher wirklich geübt und erfahren werden müssen. Ich vergleiche das mit dem Laufen oder Autofahren. Man kann sich nicht theoretisch überlegen, wie es ist zu laufen oder ein Auto zu fahren. Man muss es üben und erst wenn es durch die körperliche Erfahrung ins Gehirn übermittelt wurde, entstehen dort die Verbindungen, die bei ausreichender Übung irgendwann so zuverlässig werden, dass sie automatisch ablaufen. Daher halte ich z.B. Übungen auch für sehr sinnvoll, in denen einzelne Aspekte des Malens oder Zeichnens geübt werden. Denn nur, weil man früher ein Mal das Greifen gelernt hat und später das Laufen, kann man heute im Laufen etwas greifen. Und wer das für ein triviales Beispiel hält, dem empfehle ich, mal ein Kleinkind zu beobachten. Es ist erstaunlich, wie viel Mühe die einfachsten Dinge einem kleinen Kind abverlangen.

"Der Weg der sich selbst zeichnenden Linie" führt, meiner Meinung nach, nicht an der Analyse vorbei sondern er ist die Synthese, die sich der Analyse anschließt. Gerade der Kampfsport ist dafür auch ein sehr gutes Beispiel, denn dort werden die einzelnen Figuren ständig wiederholt. So lange, bis sie irgendwann intuitiv zusammenspielen. Daher liegt dieser Weg auch nicht auf einer Versuchlinie außerhalb des Zentrums, sondern er ist das Zentrum selbst.

@ Duracel:

Womit ich Dir folglich grundsätzlich zustimmen würde, nur nicht Deine Ansicht bezüglich der von Martin angedachten Übungen teile.

@ MartinH.:[/b]

Und Dir, denn aus oben Geschriebenen folgt, dass es einzelne Aspekte gibt, die man dann im Flow zusammenführt, die man aber auch einzeln trainieren kann, so wie der Kampfsportler seine einzelnen Figuren trainiert, um sie zu verinnerlichen.

Vielleicht interessant in diesem Zusammenhang:

http://www.archive.org/details/notesons ... 00holmuoft

Dieses kostenlose eBook habe ich mir gestern heruntergeladen und beim ersten Überfliegen scheint der Prozess der Bildgestaltung darin recht gut in seine einzelnen Aspekte zerlegt zu sein. Ob es wirklich gut ist, kann ich noch nicht sagen.

Auf der Seite gibt es übrigens nahezu alles, was das Herz begehrt. Den Link habe ich von Conceptart.org und in dem Thread sind noch zahlreiche Links auf andere Bücher:

"Hundreds of Free Art E-Books" @ Conceptart.org
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Beitrag von acapulco » 20. Mai 2008, 15:52

Der letzte Link darf in Gold aufgewogen werden. Danke Daniel!

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Beitrag von digitaldecoy » 20. Mai 2008, 20:50

Wo wir schon bei Links sind - im Moment fesselt mich der Blog von Dinotopia-Erschaffer James Gurney: http://gurneyjourney.blogspot.com/

Darin berichtet Gurney nicht nur über seine Signier-Rundreisen und Besuche bei allen möglichen Kunsthochschulen und Entertainment Studios sondern er teilt auch viele seiner Erkenntnisse über das Malen. Absolut empfehlenswert. Ich versuche das Ding gerade von hinten aufzurollen. :)
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Beitrag von aeyol » 20. Mai 2008, 20:58

Waaaah! Danke für den Link, ich hab Dinotopia schon als Kind geliebt! :shock:
Wenn ich kein Frosch wär´, könnten Vögel fliegen.

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Beitrag von MartinH. » 24. Mai 2008, 10:17

Duracel hat geschrieben:Was deine Experimentidee anbelangt muß ich den Kopf schütteln. Du willst ein geordnetes Experiment darüber machen, wie sich eine chaotische Herangehensweise positiv auswirken kann. Nehmen wir einfach mich als Beispiel; es funktioniert.
Ob es schneller oder effektiver ist? Die Stärke daran ist vorallem, dass man eben auch gelernt hat, nicht nur streng methodisch vorzugehen, sondern flexibel in der Herangehensweise zu bleiben. Der Lern- und Arbeitsprozess schließt dann eben die Synthese mit ein. Die Schwäche ist allerdings auch offensichtlich; denn durch ständige planmäßige Analyse fällt es wiederum viel leichter die Arbeit auf viele Spezialisten zu verteilen.
ich sehe die herangehensweise keinesfalls als chaotisch an. das system gibt einen non-linearen weg vor, aber der weg ist dennoch vorgegeben. es ist so als würdest du ein schachfeld, bei dem jedes feld eine disziplin darstellt nicht in einer klaren zickzack linie, spirale oder einem sonstwie klaren liearen system abarbeiten, sondern in einem ganz festen muster immer von einem feld auf ein aderes, nicht benachbartes feld springen, so das du dauernd wechselst, aber nach x durchläufen überall genau x mal warst. ein großer unterschied zu deiner herangehensweise könnte auch sein, das ich bewusst dinge einplane auf die ich keine lust hab. wo haben die sachen auf die du keine lust hast ihren platz in deinem system. ich hatte dir vor tagen übrigens ne mail geschriebenn und würd mich über eine antwort freuen, wenn du zeit hast.

mein system hat jetzt für einen ersten testlauf 34 punkte die ich gemischt nach meinen schwächen und dem was mich interessiert ausgewählt hab. die anordnung ist noch nicht besonders ausgeklügelt, ich setze darauf im verlauf des abarbeitens zu notieren was mir suboptimal erscheint und es dann anzupassen.


@daniel: vielen dank für die links, von mir aus kannst du sowas gern öfters hier rein posten.

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Beitrag von digitaldecoy » 25. Mai 2008, 18:13

@ aeyol & MartinH.:[/b]

Keine Ursache, ich werde in Zukunft dann wohl wirklich Mal öfters Mal Links hier posten, die mir als nützlich erscheinen.

So wie dieser hier: http://www.autographfoliages.com/produc ... ms_01.html

Das ist eine Firma, die Plastikpflanzen herstellt. Deren Produktseiten eignen sich hervorragend als Referenz für jede Art von Bäumen, Sträuchern und Blattformen. Die Produktfotos sind sehr illustrativ aufbereitet und sind dadurch tolle Referenzen. Auch wenn es vielleicht ein bißchen merkwürdig erscheint, Plastikpflanzen als Referenz zu verwenden, so liegt der praktische Wert der Seite doch darin, dass die Pflanzen freigestellt sind und ihre Strukturen sehr gut nachvollziehbar sind. Vielen Dank für den Link an Taros, der das Schätzchen aufgestöbert hat.

. . .

OK, und was neues zu zeigen habe ich auch noch. Ich habe mich dieses Wochenende mit einem kleinen Projekt beschäftigt, dass ich schon längere Zeit umsetzen wollte.

Ich beschäftige mich regelmäßig mit einer Fantasy-Geschichte, die unter anderem den Storyhintergrund für meine Bilder mit dem kleinen Jungen bildet. In der Geschichte gibt es ein mythologisches Motiv, dass von der Verbannung eines Gottes erzählt, der in einem Berg eingeschlossen wird. Dieses Motiv hatte seinen Anfang in diesen beiden Sketchbook-Seiten aus dem Jahr 2003 genommen:

Bild

Bild

Aus der ersten Seite habe ich dann später (2005) diese Illustration ausgekoppelt:

Bild

Die drei keltischen Knoten symbolisieren darin drei Mächte, die den Gott gebunden halten. Der dreifache Bann entwickelte sich zu einem wichtigen Thema innerhalb der Geschichte und aus diesem Motiv hatte ich später dann das bescheidene Siegel entworfen, das nebenan auf der rechten Seite zu sehen ist. Die drei Bannsiegel haben sich darin zu drei weiteren Göttern entwickelt, die den vierten Gott binden.

Die Entwicklung dieses Motives ist mittlerweile abgeschlossen und das Siegel, in dem drei Schlangen eine vierte Schlange gebunden halten ist nun ein festes und zentrales Element meiner Fantasy-Welt. Da ich mich langsam darauf vorbereite, die ganze Sache für die Öffentlichkeit aufzubereiten, hatte ich jetzt schon seit längerer Zeit den Wunsch, dieses Motiv in eine Form zu bringen, die seiner Wichtigkeit gerecht wird. Ich möchte das Siegel gerne in Logo-Designs und als Schmuckelement in Artworks einsetzen und daher habe ich mir dieses Wochenende die Mühe gemacht, eine Version des Siegels in ZBrush zu sculpten:

Bild

Das hier ist jetzt Mal ein erstes Compositing vor einem Ausschnitt der Weltkarte, die man auf Seite 1 dieses Threads schon sehen konnte. Hier ist das Siegel auf seine Schmuckfunktion hin optimiert. Da ich das Siegel jetzt plastisch vorliegen habe, werde ich es sehr flexibel einsetzen können, denke ich. Denkbar wären z.B. eine vereinfacht schattierte Version für das Logo-Design, eine abgeflachtere Version als Steingravur oder auch bestimmte Effekt-Varianten für den Einsatz in Artworks.

Die Darstellung der Götter ist übrigens rein symbolisch zu verstehen. Mein Ziel war es dabei, mich in einen Kunsthandwerker hineinzuversetzen, der das mythologische Motiv in einer leicht verständlichen Formsprache interpretiert und dabei Wert auf den dekorativen Aspekt legt. Das eigentliche Aussehen der Götter, wie sie später in der Geschichte auftauchen werden, steht noch auf einem ganz anderen Blatt. :)
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Beitrag von lucy » 25. Mai 2008, 18:22

Klasse !

danke auch für die tollen Links.

Wie schauts eigentlich mit dem Artwork aus, dass du vor 2 Seiten angekündigt hattest ?
Oder ist das jetzt durch den CG-challegen ersetzt worden und liegt erstmal auf eis ?
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Beitrag von digitaldecoy » 25. Mai 2008, 18:54

Hey, danke Florian!

Das erwähnte Bildprojekt wollte ich jetzt bald wieder aufnehmen. Ich hatte schon Teile der Vorzeichnung fertig, als die Challenge dazwischen kam. Ich werde Mal schauen, ob ich das Motiv jetzt wie geplant umsetze oder es vielleicht doch noch etwas umstricke, bevor ich mich wieder dransetze.
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Beitrag von Patchopfer » 27. Mai 2008, 15:26

Stark Daniel!
Spätestens hier machen sich deine Gehversuche in zBrush voll bezahlt. Das Siegel in seiner Umsetzung ist einfach vollends gelungen. Eine illustrierte Version könnte meiner Meinung nach nicht diese "Echtheit" erreichen. Ich meine dabei keinen Hyperrealismus, sondern die Tatsache, dass es eben wie ein Siegel aussieht und zum Anfassen einläd. Allein die Farben mögen mir nicht so recht gefallen... das dunkle grau/blau der äußeren drei versumpft etwas mit dem Hintergrund. Vielleicht kannst du da noch etwas mehr Abgrenzung schaffen?

Bin auf jeden Fall gespannt :)
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Beitrag von Falk » 29. Mai 2008, 11:04

Yeah! Super Daniel. Ich bin auch begeistert von deiner professionellen Art und Weise und vor allem von deinem individuellen zum Teil witzig verspielten aber doch auch immer sehr glaubhaften Stil.

Im Gegensatz zu manch anderem hier fand ich übrigens auch dein letztes 3D Bild zu der Challenge ziemlich cool. Mir gefällt besonders das Malerische in dem Bild, was man sonst so selten in 3D Bildern finden kann. Also ich musste erst 2mal hinschauen, ehe ich erkannt habe, dass es 3D ist. Außerdem finde ich die Charaktere sehr witzig umgesetzt, was durch die pinke-orangene Farbgebung nochmal gesteigert wird. Man könnte aus der Szene sicherlich einen superwitzigen Slapstik Film drehen.

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Beitrag von digitaldecoy » 1. Jun 2008, 12:49

@ Patchopfer & Falk:

Danke Euch beiden! Ich denke, dass sich ZBrush ziemlich gut eignet, um so dekorative Sachen wie das Siegel zu machen. Das Captain Orion Artwork hat mir zwar viele Erkenntnisse gebracht, überzeugt mich als Alternative zum Malen aber definitiv nicht. Was ich zukünftig aber auf jeden Fall versuchen will ist, ZBrush als Mittel zu verwenden, um Maquetten zu erstellen, die ich dann als Referenz, ähnlich einer Fotovorlage, nutzen kann.

. . .

Jetzt habe ich noch eine kleine Sammlung an Zeichnungen für Euch, die über die letzten zwei Jahre entstanden sind. Einzeln habe ich (fast) alle schon irgendwann Mal gezeigt aber mir war gerade danach, die alle Mal zusammenzustellen. Ist für den Personal Showroom ja vielleicht auch keine schlechte Idee.


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Die Zeichnungen sind alle 100% Photoshop.

Ich bin gerade wieder so ein bißchen auf dem Tripp, dass ich mich frage, in welchen Arbeitsschritten man an ein Artwork rangehen kann. Mir ist bei der Betrachtung meiner Zeichnungen aufgefallen, dass sie ihre Botschaft irgendwie besser auf den Punkt bringen, als es mir bei Speedpaintings gelingt. Vielleicht liegt es daran, dass man in der Zeichnung viel leichter feines Detail neben komplett undefinierte Bereiche stellen kann? Auch, dass man eigentlich keinen Hintergrund braucht und dass man daher vielleicht auch unbekümmerter an das Motiv herangeht, könnte ich mir vorstellen. Bei einer Zeichnung den Hintergrund weiß zu lassen, fällt mir auf jeden Fall leichter, als bei einem Painting den Hintergrund einfarbig zu lassen.

Na ja, ich wünschte auf jeden Fall, das Zeichnen auf dem Tablet wäre nicht so anstrengend. Nach einer aufwendigeren Zeichnung mit ihren vielen kurzen Strichen, tut mir meistens direkt der Arm weh.
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Beitrag von Ambro » 1. Jun 2008, 14:02

by the way, Daniel:

Ich wollte nur mal erwähnen, dass ich deine Arbeit, die Art und Masse mit der du dein Wissen mit anderen teilst nicht nur sehr vorbildhaft, sondern vor allem bewundernswert finde. Ich habe keine Ahnung, was du dafür opferst, aber ich hoffe ernsthaft, dass du die Anerkennung dafür bekommst, die du verdienst.

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Beitrag von digitaldecoy » 1. Jun 2008, 14:39

Hey, danke Ambro! Das ist wirklich sehr nett von Dir, mir sowas zu schreiben. Bereitet mir eine große Freude!

Ich habe übrigens gerade ein paar sehr schöne Minuten auf dieser Webseite verbracht:

http://www.tskuebler.com/

Dort gibt es ganz erstaunliche Sculpturen von allen möglichen Freaks, Fabelwesen und sonstigen Charakteren zu sehen. Wirklich inspirierend zu sehen, wie man mit viel Liebe aus einer einzigen Figur so viel rausholen kann. Das spornt mich direkt an, auch selbst mehr Liebe in einzelne Figuren zu investieren.
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Beitrag von Bas.T » 2. Jun 2008, 12:02

Wirklich tolle Zeichnungen DanieL. Besonders gut gefällt mir der Indianer auf dem Bär. Ich glaube, dass es besonders die Mischung zwischen den feinen Linien der eigentlichen Zeichnung und Geschichte ist (Indianer, Bär und Gras) und der plakativ eingesetzte Hintergrund mit den auf deinem Canvas verankerten weißen Bäumen und Sträuchern.

Und danke für den Link...da sind wirklich ganz schräge Gestalten und geniale zugleich dabei!!!

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Beitrag von MartinH. » 2. Jun 2008, 13:23

digitaldecoy hat geschrieben:Ich bin gerade wieder so ein bißchen auf dem Tripp, dass ich mich frage, in welchen Arbeitsschritten man an ein Artwork rangehen kann. Mir ist bei der Betrachtung meiner Zeichnungen aufgefallen, dass sie ihre Botschaft irgendwie besser auf den Punkt bringen, als es mir bei Speedpaintings gelingt. Vielleicht liegt es daran, dass man in der Zeichnung viel leichter feines Detail neben komplett undefinierte Bereiche stellen kann? Auch, dass man eigentlich keinen Hintergrund braucht und dass man daher vielleicht auch unbekümmerter an das Motiv herangeht, könnte ich mir vorstellen. Bei einer Zeichnung den Hintergrund weiß zu lassen, fällt mir auf jeden Fall leichter, als bei einem Painting den Hintergrund einfarbig zu lassen.
Ich habe mir gerade deine Zeichnungen und deine gemalten Bilder in diesem Thread angesehen und dann ein wenig in Photoshop damit rumgespielt. Und ich glaube, dass das was du mit den weißen Hintergründen meinst viel mehr mit der Sättigung zu tun hat, als mit den Details. Zum Beispiel das "in der Falle" Bild würde mir besser gefallen, wenn der blaue Hintergrund fast grau wäre, und der Goblin rechts unten nicht so stark gesättigt. Ich glaube artvandeley hatte das damals auch schon in einem Overpaint angedeutet.
Generell erscheinen mir viele seiner Bilder entweder relativ gleichmäßig gesättigt, oder aber wichtige Bildteile, wie z.B. Hintergründe, sind besonders stark gesättigt. Nimm dir doch einmal deine letzten szenischen Speedpaintings und desaturiere bestimmte Farbton-Bereiche mit Hue/Saturation. Vielleicht kannst du da ja auch irgendwo einen Gewinn für die Bildwirkung feststellen.

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Beitrag von digitaldecoy » 4. Jun 2008, 12:59

@ MartinH.:[/b]

Mit Sättigung müsste ich wirklich Mal etwas gezielter Arbeiten, da hast Du sicher einen interessanten Punkt gefunden. Ich tappe leider auch noch viel zu oft in die Falle, dass ich beim Shaden die Sättigung anhebe, um zunehmende Helligkeit darzustellen.

...

Das hier habe ich gerade in TheQuills Showroom gepostet und ich wollte es hier auch archivieren, weil es ganz gut in meine derzeitige Phase passt, in der ich einen Schwerpunkt auf das Zeichnen lege:

[...] Ich persönlich bin mittlerweile auch zu dem Schluss gekommen, dass man nicht zu genau darauf achten sollte, WAS man zeichnet sondern WIE man zeichnet. Das trifft natürlich nur auf Gelegenheiten zu, wo man kein bestimmtes Ziel verfolgen oder irgendeine Deadline einhalten muss. Aber selbst dort kann es einem helfen, wenn man für bestimmte Teilaspekte seiner Arbeit in den gestalterischen Flow abdriften kann.

Ich probiere auch gerne damit rum und empfinde es als recht wirksam, wenn man damit beginnt, komplett abstrakte Dinge zu zeichnen. Bei mir werden das oft irgendwelche Felsformationen, die meistens auch gar nicht räumlich funktionieren, sondern einfach nur dazu dienen, den Fluss an Formen in Gang zu bekommen. Meistens, wenn ich dann so am sinnlos herumkritzeln bin, taucht ein Bedürfnis auf, an irgendeiner Stelle ein sinnvolles Detail zu platzieren. So setze ich dann z.B. kleine Pflanzen auf meine Felsen oder beginne einen Baumstamm. Bäume kann man so herrlich in der Grauzone zwischen abstrakt und konkret gestalten. Interessant wird es an dem Punkt, wenn man dann auf ein Mal eine Idee für eine Figur bekommt. Der Zustand bleibt erhalten, aber auf ein Mal ist man in der Lage, dieses selbstversunkene Gefühl in die gegenständliche Darstellung zu retten. Oft gelingen mir auf diese Art und Weise Zeichnungen, die ich bei "vollem Bewusstsein" nicht so auf den Punkt bringen könnte. Es ist nicht so, dass man "Superkräfte" entwickelt dadurch, sondern man geht einfach Wege, die man vorher schon im Voraus ausgeschlossen hätte.

Um das ein bißchen zu illustrieren habe ich hier Mal ein Beispiel rausgekramt. Diese Scribbleseite ist noch nicht alt, stammt aus den letzten Tagen:

Bild

Das ist ein sehr typisches Beispiel, wie mir gerade auffällt. Oben links siehst Du die abstrakte Felsformation. Die Pflanzen sind hinzugekommen, als der Felsen schon fertig war und ich habe auch angefangen, kleine Rahmen zu ziehen. Das mache ich gerne Mal, um auf diese Art und Weise ein Thumbnail für ein mögliches Artwork zu finden. Ich habe hunderte solcher Thumbnails und kaum eines schafft es zum fertigen Bild aber es ist gut, sie zu sammeln. Rechts neben dem Felsen ist dann durch Zufall die komische Krabbe entstanden. Ich glaube, ich wollte erst einen Kopf zeichnen. Und wäre ich "bei klarem Verstand" gewesen, hätte ich da auch bestimmt einen Kopf hingezeichnet - einen Standardkopf. Irgendwie hatte ich aber den Impuls, diese Krabbenbeine drumrumzusetzen und dann ist es eben eine Krabbe geworden. Dadurch war das Thema "Insektoid" eröffnet und die Spinne ist als nächstes dazugekommen. Interessant ist dann noch der Käfer auf zwei Beinen, der als letztes entstanden ist. Wenn ich ihn jetzt betrachte, dann freue ich mich über die effiziente Nutzung der Linie und den gelungenen Ausdruck. Der bemerkenswerte Punkt ist, dass ich mir über solche Dinge zu dem Zeitpunkt ganz sicher keine Gedanken gemacht habe!

Ich weiß ganz genau, dass ich mir während des Zeichnens dieser kleinen Figur keinerlei Gedanken gemacht habe, wie ich sie zeichnen soll oder welchen Ausdruck sie haben soll. Trotzdem ist eine schöne kleine Zeichnung daraus geworden, die mir vermutlich genau deshalb so gut gefällt, weil sie die Zeichnung eines Fremden sein könnte. Früher hat mich diese Sache sehr frustiert, da ich das Gefühl hatte, keine Kontrolle zu haben. Heute sehe ich es etwas anders. Ich nehme den kreativen Prozess als eine Art Sammlungsprozess war, in dem man ziemlich unkontrolliert Ergebnisse erzeugt, diese quasi auf Halde produziert, um sie dann später wieder aufzunehmen und zu verfeinern. Ich könnte den kleinen Käfer z.B. jetzt nehmen, hochskalieren und mit Details versehen und ein kleines Speedpainting daraus machen. Viele meiner aufwendigeren Sachen sind auf diesem Wege entstanden.

Vielleicht macht es also Sinn, seinen kreativen Prozess in zwei Phasen zu teilen. In der ersten Phase versucht man, möglichst unabhängig von seinem Denken, Material zu produzieren und in in der zweiten Phase wählt man aus dem Material aus und verfeinert und kombiniert. Beide Phasen haben das Potenzial, sehr befriedigend zu sein. Denn in der ersten Phase kann man komplett ohne Zwang einfach kreativ sein (das muss man vermutlich trainieren - man macht sich doch meistens eine Menge Druck) und in der zweiten Phase hat man eine Fülle an Material, mit dem man arbeiten kann und man muss sich nur noch konkrete Gedanken der Umsetzung machen und starrt nicht mehr auf das leere Blatt Papier.

Ich denke, man sollte sogar ziemlich gut kontrollieren können, was man produziert. Man kann ja z.B. einfach anfangen, abstrakt zu zeichnen und wenn man dann merkt, dass man "warm" ist, kann man überspringen auf ein vorher festgelegtes Thema. Die Ergebnisse, die man dabei erzielt, müssten eigentlich wesentlich besser werden, als das, was man erzeugen würde, wenn man direkt mit einem festen Thema beginnt. Voraussetzung ist natürlich, dass man beim Wechsel auf das vorbereitete Thema nicht seinen Verstand einschaltet. Aber das ist sicher nur eine Frage der Übung.
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Beitrag von brainbrush » 4. Jun 2008, 16:30

Also ich muss ja doch mal loswerden wie faszinierend ich Deine analytische Herangehensweise finde und Du mit Deinen überaus interessanten Artikeln nicht nur stets zu mehr Selbstbewußtsein gelangst sondern eben auch bei Deinen Lesern (also so geht es mir zumindest) neue Anhaltspunkte und Gedankenanstöße lieferst. Und auch wenn man selbst noch nicht soweit in der Materie drin ist sondern noch ganz am Anfang steht kommt dabei viel Wissen rüber das eben auch als Anfänger sehr nachvollziehbar ist und irgendwann, wenn einiges an Zeit vorüber gegangen ist, der Gedanke "Ja, da war doch mal was, davon hab ich mal was im DAF gelesen" aufkommt und sich dann eben auch für den dann bereits Fortgeschrittenen die komplette Essenz Deiner Artikel offenbart. Ja, das war auch schon alles was ich mal loswerden wollte, so als heimlicher Leser ;-)

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Beitrag von digitaldecoy » 4. Jun 2008, 21:06

@ MarkusRosse:

Ich denke, beim Malen funktioniert es im Grunde genau wie beim Zeichnen. Das Problem ist nur, dass man es beim Malen oft mit einer sehr komplexen Mischung aus Problemen zu tun hat, während das Zeichnen eine sehr reduzierte Aufgabe ist. Beim Zeichnen kann ich prima abschalten, vor allem wenn es sich um Linienzeichnungen handelt, in denen man nicht Mal großartig Schattierungen ausarbeitet. Die Linienzeichnung erfordert nur das Abbilden von Formen und Umrissen und das ist mit etwas Übung eine überschaubare Sache. Sobald mehr hinzukommt - Lichteinfall, Materialeigenschaften, atmosphärische Effekte - wird es schwieriger, finde ich. Dann merke ich bei mir tatsächlich persönlich oft, wie ich ins Stocken gerate und wirklich nachdenken muss. Und Nachdenken ist ja im Grunde das Gegenteil vom Flow. Es ist natürlich gut möglich bzw. sehr wahrscheinlich, dass mit steigender Erfahrung auch komplexere Aufgaben im Flow erledigt werden können.

In seinem Buch über das Flow-Erlebnis beschreibt der Autor Mihaly Csikszentmihalyi (ich musste extra das Buch aus dem Regal holen, um diesen Namen auf die Reihe zu bekommen) den Flow-Zustand in der Form, dass zu dessen Erreichen eine Aufgabe fordernd sein muss aber gleichzeitig nicht zu schwierig werden darf, sonst verlässt man den Flow-Zustand wieder. Ich denke daher, das jeder seine ganz persönliche Grenze hat, ab wann ihn der Flow im Stich lässt.

Was Übungen angeht:

Ich finde die Frage sehr schwierig zu beantworten, weil ich, ehrlich gesagt, keine Ahnung habe, welchen Effekt Zeichenübungen überhaupt haben. Ich meine, klar, man zeichnet viele Jahre und wird irgendwie besser. Aber nach welchem Mechanismus das passiert, ist mir wirklich ein Rätsel. Und ob es ratsam ist, während einer Übung den Flowzustand zu erreichen, kann ich auch sehr schwer einzuschätzen. Eine gute Freundin, die Psychologie studiert hat, hat eine Versuchsreihe durchgeführt, in der getestet wurde, ob es für das Verständnis eines Textes förderlich ist, während des Lesens in den Flowzustand zu geraten. Ich meine, das Ergebnis fiel so aus, dass es in diesem Fall hilfreich ist. Ob es hilfreich ist, bei einer Anatomiestudie in den Flowzustand zu geraten, ist natürlich eine andere Frage.

Ich persönlich tendiere eher dazu, Übungen und Studien mit geschärftem Bewusstsein durchzuführen. Dinge bloß zu betrachten hat vermutlich keinen ausreichenden Effekt, um sie in unserer Vorstellung zu verankern. Sonst könnten wir ja alles perfekt zeichnen, was wir schon Mal gesehen haben. Ich schätze, unser Bewusstsein arbeitet zu abstrakt und zu sehr mit Symbolen, so dass wir mehr tun müssen, um eine echte räumliche Vorstellung von einem Objekt in unserem Kopf zu bilden. Wenn wir etwas zeichnen, zwingen wir unser Bewusstsein, das Symboldenken zu überwinden und genau dies zu tun. Aus diesem Grund würde ich wohl auch dazu tendieren, anatomische Übungen sehr bewusst und auch hinterfragend durchzuführen. Außerdem, aber das weicht ein bißchen von der Thematik ab, denke ich, sollte man Übungen am besten mit echten körperlichen Erfahrungen anreichern. Seitdem ich z.B. ein Plastikskelett in meinem Arbeitszimmer stehen habe, kann ich mir die Formen der Knochen viel besser merken. Ich habe den Schädel meistens auf meinem Schreibtisch liegen und spiele gerne damit rum, wenn ich z.B. etwas lese. Dabei ertasten meine Hände den Schädel und die Formen prägen sich ein. Ich merke oft, dass wenn ich einen Schädel zeichne, ich mich an vielen Stellen auf ertastetes Wissen berufe. Ich spiele z.B. auch gerne mit dem Oberschenkelknochen, weil der so gut in der Hand liegt. Daher kann ich einen Oberschenkelknochen auch ganz gut zeichnen, weil ich die Form echt erfahren habe. Mittlerweile bin ich auf jeden Fall wirklich überzeugt davon, dass die Arbeit mit plastischen Formen und deren Ertasten sehr gewinnbringend ist. Seitdem habe ich es mir z.B. auch zur Gewohnheit gemacht, eine interessante Struktur (Baumrinde, Steine, Stoffe) anzufassen, wenn es geht, um den optischen Reiz mit einem haptischen zu verknüpfen.

Das Sculpting in ZBrush hat sich für mich z.B. auch sehr positiv auf meine Zeichnungen ausgewirkt. Echtes Modellieren mit Modelliermasse wäre vermutlich noch wesentlich effektiver. Wenn mich jemand fragen würde, wie man am besten die Anatomie lernt, würde ich sagen, dass man am besten ein Anatomiebuch nimmt und eine Anatomiefigur modelliert. Ich denke, das wäre der schnellste und effektivste Weg. Wenn man anschließend noch ein paar Studien von der Figur zeichnet, sollte man die Anatomie ziemlich schnell im Griff haben.

Und zu Deiner letzten Frage:

Mein Skizzen entstehen zum größten Teil auf dem Intuos3 auf der geviertelten Fläche. Ab und zu stelle ich mir auch das Cintiq hin, um darauf zu zeichnen aber das meistens nur, wenn ich Mal eine Abwechslung brauche. Ich weiß nicht, ich bin es mittlerweile gewohnt, meine Hand nicht mehr über dem Arbeitsbereich zu haben und auch meine ganze Hand/Augen-Koordination scheint sich sehr darauf eingestellt zu haben. Mittlerweile ist es für mich ein komisches Gefühl, wenn der Strich dort entsteht, wo der Stift aufsetzt. So weit ist es schon gekommen. :)
Was ich sehr gerne mache ist, mit dem Art Marker auf dem Cintiq zu malen. Gerade bei abstrakteren Sachen macht das richtig Spaß und ist Mal ein ganz neues Feeling. Ich wäre fast versucht, meinen Mal-Workflow darauf umzustellen, aber bei der Arbeit habe ich kein Cintiq und zwei Workflows paralell zu pflegen, ist mir zu aufwendig. Daher bleibt das erst Mal Spielerei, bis ich meinen Chef davon überzeugen kann, dass ein Cintiq eine lohnenswerte Anschaffung ist. :)

@ brainbrush:

Danke, dass Du Dir die Mühe machst, mir Deine Gedanken zu schreiben. Ich schreibe gerne Dinge auf, um sie für mich zu ordnen, dann kann ich sie auch direkt veröffentlichen, bzw. die Möglichkeit der Veröffentlichung veranlasst mich auch oft erst, einen Gedanken zu formulieren. Ich profitiere davon also mindestens genau so wie der Leser. Ich finde diese Art von Austausch sehr wertvoll.
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