Franz Kafka: Der Kurier des Czaren

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Syrus
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Franz Kafka: Der Kurier des Czaren

Beitrag von Syrus » 31. Aug 2010, 22:26

Hallo liebe DAF-Community,

das Semester ist nun auch für mich endlich vorrüber und ich will euch nicht vorenthalten wesshalb ich hier so selten aktiv war; mal abgesehen vom Artbattle, der muss eben einfach sein.

Wirklich toll das wir jetzt diese Rubrik hier haben, um ganze Projekte vorzustellen und um auch darüber diskutieren zu können.

Glücklicherweise hat sich dieses Semester nach langem anfänglichen Drunter und Drüber doch noch ein Illustrationsprojekt bilden können. Ich war zu dem Zeitpunkt schon voll in ein Typografie-Projekt involviert als Gerüchte über ein neues verspätetes die Runde machten, bei welchem es nicht nur um Illustration sondern auch um Literatur ginge. Illustration ist derzeit an der Bauhaus Uni hier in Weimar leider etwas rar gesäht, daher war ich auch umso neugieriger. Als ich dann online die Beschreibung des Projekts las war ich sogleich Feuer und Flamme. Einen Tag später hatte ich mich auch schon dafür eingeschrieben und habe dafür Typo sausen lassen. Das ich in letzterem einen riesen Batzen an Nachholebedarf habe war mir klar, aber diese Chance wollte ich mir nicht entgehen lassen.

So lautete die Beschreibung vom Projektleiter Franz Zauleck einem berliner Illustrator:
Angehende Kommunikations- und Grafikdesigner sind eingeladen, die Schichten und Subtexte, die zeitgenössischen und aktuellen Bezüge eines vorgegeben Textes offenzulegen und, im Verhältnis zur Schrift, in Bilder und Formen zu übersetzen.

Alle Teilnehmer des Projektes arbeiten unter vergleichbaren Bedingungen: sie bewegen denselben Gegenstand, die Arbeiten haben das gleiche Format, die Arbeit beginnt und endet zum selben Zeitpunkt. Der damit einher gehende Wettbewerb, das Erlebnis, dass es so viele Lösungsmöglichkeiten wie Teilnehmer gibt, führt erfahrungsgemäß zur anregenden Vernetzung von Erfahrungen.

Der Begriff „Illustration“ wird – im Verständnis seiner ursprünglichen Bedeutung (illustratio/Erleuchtung) – weit gefasst; Kriterium ist die Erleuchtung des Textes auch unter Zuhilfenahme von metaphorischen, grotesken und verfremdenden Mitteln. Die Komplexität des Textes erlaubt, wenn es der individuelle Ansatz erfordert, sich ihm fragmentarisch zu nähern. Bedingung hierbei ist, dass sich im Fragment das Ganze spiegeln muss.
So fing es an:

Beim ersten Treffen und Kennenlernen erfuhren wir womit wir es textlich zu tun bekommen würden. Mit einem Fragment von Franz Kafka mit dem Titel "Der Kurier des Czaren".

Hier der Originaltext:

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Franz Kafka: Der Kurier des Czaren 1)

Ein Reiter ritt auf einem Waldweg, vor ihm lief ein Hund. Hinter ihm kamen paar Gänse, ein kleines Mädchen trieb sie mit einer Gerte vor sich her. Trotzdem alle vom Hund vorn bis zu dem kleinen Mädchen hinten so schnell als möglich vorwärtseilten, war es doch nicht sehr schnell, jeder hielt leicht mit den andern Schritt. Übrigens liefen auch die Waldbäume zu beiden Seiten mit, irgendwie widerwillig, müde, diese alten Bäume. An das Mädchen schloss sich ein junger Athlet, ein Schwimmer, er schwamm mit kräftigen Stößen, den Kopf tief im Wasser, denn Wasser war wellenschlagend rings um ihn und wie er schwamm, so floß das Wasser mit, dann kam ein Tischler, der einen Tisch abzuliefern hatte, er trug ihn auf dem Rücken, die zwei vordern Tischbeine hielt er mit den Händen fest, ihm folgte der Kurier des Czaren, er war unglücklich wegen der vielen Menschen die er hier im Wald getroffen hatte, immerfort streckte er den Hals und sah nach wie vorn die Lage war und warum alles so widerwärtig langsam gieng, aber er mußte sich bescheiden, den Tischler vor sich hätte er wohl überholen können, aber wie wäre er durch das Wasser gekommen, das den Schwimmer umgab. Hinter dem Kurier kam merkwürdigerweise der Czar selbst, ein noch junger Mann mit blondem Spitzbart und zartem aber rundbäckigem Gesicht, das sich des Lebens freute. Hier zeigten sich die Nachteile so großer Reiche, der Czar kannte seinen Kurier, der Kurier seinen Czaren nicht, der Czar war auf einem kleinen Erholungsspaziergang und kam nicht weniger schnell vorwärts, als sein Kurier, er hätte also die Post auch selber besorgen können. Allerdings [...] der fremden Post die Nerven ruinierte, [...] daß er 2)

Text aus dem Nachlass „Konvolut 1920“ (2. Halbjahr 1920)


1) Wortlaut, Schreibung und Interpunktion folgen der Handschrift Kafkas
2) Das Ende ist durch Abtrennung des oberen Blattrandes verlorengegangen

-----------------------------------------------------------------------------

Wir trafen uns nun immer Montags mit Herrn Zauleck um uns gegenseitig zu inspirieren Konzepte zu finden, Skizzen zu machen und illustrierte Bücher zu wälzen. Wir waren aus völlig unterschiedlichen Jahrgängen, der Großteil der Teilnehmer waren Teilnehmerinnen aus den höheren Semestern die hier schon das ein oder andere Illu-Projekt gemacht hatten.

In dieser Zeit füllten sich meine Skizzenbücher sehr rasch und ich hatte zahlreiche miteinander konkurrierende Konzepte im Kopf für dieses Buch. Auch Experimente mit bisslang von mir ungeliebten Medien kamen vor.

Nun hatte ich haufenweise Wege beschritten, wusste aber nicht genau auf welchem ich nun bis zum Ende gehen könnte. So entschloss ich mich mir selbst Grenzen für die Umsetzung zu setzen sodaß ich in der kurzen Zeit auch schnell vorwärts kam und nicht stetig verführt würde in andere Richtungen abzuschweifen.
So wollte ich nun auschließlich analog und in schwarz/weiß arbeiten, auch um dem richtigen Zeichnen wieder näher zu kommen, aber auch um zügiger arbeiten zu können als mit Farben. Des weiteren nahm ich mir vor das fragmentarische der Geschichte mit Panels zu assoziieren, welche Ausschnitthaftes der Charaktere preisgeben. Um die Grenzhaften Linien dieser kleinen Bildchen wollte ich große Charaktere erschaffen die allein mit ihrer Gestalt und ggf ihrem Schatten Raum erzeugen. Des weiteren wollte ich dem Fragment zu einem Ende verhelfen, zu einem eigenen Ende. Soweit die Vorsätze.

Hier ist nun meine Umsetzung des Buches:

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Das echte Buch habe ich aus Zeitgründen nicht nocheinmal eingescannt, sondern ledeglich eine gescannte Buchtextur über die Doppelseiten multipliziert, ich hoffe ihr seht mir das nach. Ich kann aber versichern das die 3 Exemlare die ich davon hab anfertigen lassen den gleichen Inhalt aufweisen. ;-)

So sieht es übrigens fertig gebunden aus. Den nassen Hund habe ich selbst auf den Buchbinderleinen gesiebt. Das einzige was nun noch fehlt ist ein passender Schoneinband.

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So nun wäre ich natürlich sehr erfreut Eure Gedanken, Meinungen und Anregungen zu meinem Projekt zu hören.

Vielen Dank für Euer Interesse.

Euer Syrus :lol:

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Beitrag von Chinasky » 1. Sep 2010, 08:21

Aaaaaah... Kafka!
Heute abends, wenn ich Zeit habe, mal ausführlichere Anmerkungen. Nur schon mal zu Deinem hinzugefügten Ende: Da hättest Du unbedingt einen Germanisten, der sich mit Kafka beschäftigt hat, zu Rate ziehen sollen, denn erstens sind Dir da Kommasetzungs-Fehler unterlaufen, und zweitens ist Deine Sprache wenig kafkaesk. ;) Und die Sprache ist bei Kafka nun mal das Ein und Alles - ich kenne keinen anderen Autor, bei dem noch so winzige Fragmente wie z.B. der von Dir illustrierte Text immer noch eine derartig suggestive Kraft hätten. (Weswegen es eigentlich an Majestätsbeleidigung grenzt, einen Text Kafkas zu "ergänzen"...)
Es genügt nicht, keine Meinung zu haben. Man muß auch unfähig sein, sie auszudrücken.

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Beitrag von Dazzled » 1. Sep 2010, 11:45

ich hab leider auch nicht viel zeit.
ich möchte dir aber an der stelle versichern, dass an der bauhaus uni nicht nur derzeit die illustration rar gesäht ist, sondern man sich da als angehender illustrator schon die letzten 5 jahre von projekt zu projekt und von dozent zu dozent hangeln musste.
grundsätzlich kann ich übrigens noch die projekte von werner holzwarth empfehlen, da ist zwar mehr arbeit angesagt, aber es kommt auch ordentlich was bei rum (so meine erfahrung)

nochmal ganz kurz zu deinem projekt:
das einzige, was mir störend auffällt, ist der unterschiedliche zeichenduktus der einzelnen bilder. da sieht der Zar mal so und mal so aus - die tier-bewegungsstudien gefallen mir außerordentlich gut.

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Syrus
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Beitrag von Syrus » 1. Sep 2010, 22:54

@Hank
Ich muss Dir soweit recht geben das es an Majestätsbeleidigung grenzt Kafka in irgendeiner Weise zu ergänzen ...genau aus diesem Grund habe ich garnicht erst versucht mich ihm sprachlich anzunähern(mal davon abgesehen das ich es wohl kaum könnte, bzw ich sicher keinen Germanisten hätte auftreiben können der es seinerseits geschafft hätte). Die Worte die von mir hinzugefügt wurden dienen einzig und allein dazu die Geschichte zu einem eigenen Ende zu verhelfen. Ein Ende in welchem der Schwimmer umkehrt ...ursprünglich hatte ich diesen Teil nämlich viel umfangreicher angedacht und zwar ausschließlich in Panelform erzählt ohne Worte, das wäre ja dann auch eine Ergänzung gewesen und keine Illustration. Es war keinesfalls vorgegeben die Geschichte fortzuführen, aber ich empfand es für mich als den richtigen Weg. Wir wurden dazu angehalten so frei und kreativ wie möglich mit dem Text zu hantieren, dabei war ich gar schon in der Versuchung einfach meine ganzen Skizzen zusammenzutragen und eine Art Skizzenbuch zur Geschichte zu schaffen.

Von Anfang an grübelte ich viel mehr darüber nach wie wohl das Ende des Textes ausgesehen hätte. Der Schwimmer unterteilt die jeweils 3 Charaktere voneinander. Das fand ich so faszinierend das ich ihn als Personifikation der Zeit wahrnehme...die entweder Welten von einander trennt (die jew. 3 Charaktere vor und nach ihm) und gleichfalls auch die Richtung angab, wohin es den führen würde. Der Gedanke den Schwimmer gegen Ende umzukehren traf auch bei meinem Dozenten auf großen Anklang und die Geschichte in eigenen Worten zu beenden ebenso. Ich denke nicht das es ein Fehler war dieses Ende zu formulieren und glaube auch nicht das ich mit meinen offensichtlich hinzugefügten Worten in Konflikt mit dem Ursprungstext gerate.

Ist Illustrieren neben dem Erleuchten nicht auch Ergänzen, Inhalte mit der eigenen Auffassung davon belegen ...ein egoistischer Akt?

PS:Ich muss zugeben das mit den Kommas ist mir immernoch ein Graus und ich hätte nur zu gern auch hier "..." eingefügt. :D

@Dazzled
Ja das Illustrationsprojekte hier Raritäten sind habe ich auch schon gehört und wenn es welche gibt dann per Gastdozent. Schade eigendlich das dieses Fach hier keinen so hohen Stellenwert genießt. Ebenso fraglich ist das mit der Grafikdesign-Professur, aber Gerüchten zu Folge wird sich nächstes Semester alles ändern. :) Ja Holzwarth, mal schauen..er polarisiert auf jdf stark. Würde wohl sinn machen auch mal ein waschechtes kaltschnäuziges Werbeprojekt mitzunehmen. Hast Du auch Projekte in anderen Studiengängen, wie Produktdesign oder Freie Kunst belegt?

Die unterschiedlichen Zeichentechniken ...irgendwann hatte ich mal den Vorsatz jeden Charakter in einem anderen Stil zu präsentieren und das alles in Schwarzweiss. Da merkte ich schnell wohin das führen würde; zu einem absoluten b/w-Chaos ...ja und genau das habe ich dann unter Zustimmung meines Dozenten auch forciert...ein Wirrwahr. :D
Der Zar wirkt mal alt mal Jung...irgendwie undefiniert, weiß aber nicht ob das jetzt wirklich so daneben ist.

Freut mich das dir die Tierpanels gefallen. :)

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Beitrag von Chinasky » 1. Sep 2010, 23:49

@Syrus: Hhmmm... ich bin bei Kafka auf jeden Fall sehr vorbelastet, weil er mein absoluter Lieblingsschriftsteller war und ist. Mein erster Versuch übrigens, mal auf dem Gebiet der Illustration einen Job zu ergattern, war, als ich hörte, irgendein Filmstudio in Köln suche einen Storyboardzeichner. Was das sein sollte - das wußte ich damals einfach noch nicht. Einer, der eine literarische Vorlage in "filmische Bilder" umsetzt, am besten schnell - das hatte ich rausbekommen. Und da ich sowas noch nie gemacht hatte, aber irgendeine Arbeitsprobe abgeben wollte, suchte ich mir eine Geschichte, um die zu illustrieren - und landete dann bei Kafkas "In der Strafkolonnie". Naja, da kackte ich natürlich komplett ab und die nahmen mich dann auch nicht als Storyboardzeichner - aber wie sehr ich abkackte, hab ich erst ein paar Jahre später, als ich mir meine damaligen Zeichnungen nochmal anguckte, bemerkt. Seither schaue ich mir immer, wenn zu Kafka irgendwas Visuelles auftaucht, hin, weil ich inzwischen glaube, daß er wahnsinnig schwer in Bilder umzusetzen ist - weil sein Schreiben so bildgewaltig ist. Max Brod (sein bester Freund, dem wir es zu verdanken haben, daß die Welt heute Kafka überhaupt kennt) meinte mal, Kafka haben "sehend" geschrieben. Und das paßt irgendwie sehr gut: Das, was Kafka beschreibt ist so klar, so unzweideutig, so überklar, als wenn man es mit den eigenen Augen sähe - und erst, wenn man darüber anfängt nachzudenken, kommt man zu dem Schluß, daß es sich dabei wohl eher um Traumaugen handeln müsse. Jedenfalls ist sein Stil so klar und fraglos, wie es Träume in aller Regel sind.

Deswegen kann man Kafka eigentlich auch gar nicht adäquat interpretieren nach jenem Schema F, das einem in der Schule beigebracht wird. Was der Schwimmer zu bedeuten hat und was der Zar usw. - wofür die denn Symbole sein könnten, das wäre eine typische DeutschlehrerInnenfrage. Aber der Schwimmer symbolisiert eben überhaupt nichts - auch nicht die Zeit oder sonstwas abstraktes. Da schwimmt einer und bringt das Wasser dafür mit sich. Solche Texte muß man lesen, als hätte es Siegmund Freud mit seiner Traumdeutung nie gegeben.
Die Magie dieser Texte besteht gerade in den Bildern, die sie vor unserem geistigen Auge heraufbeschwören. Und gegen diese Bilder stinkt eigentlich jede Illustration schon aus dem Grund ab, daß ein gemaltes Bild konkret und dadurch begrenzt ist. Außerdem hat natürlich jeder Mensch seine ganz eigenen Bilder im Kopf beim Lesen - das kennt man ja schon von weniger sprachgewaltigen Autoren, daß die Illustrationen oder Verfilmungen ihrer Werke häufig enttäuschen - weil man sie sich halt ganz anders vorgestellt hatte, als sie dann andere Leute malten/filmten.

Wenn man sich den Text genauer anguckt, bemerkt man, daß da sehr viel Handlung im Spiel ist: Es wird eigentlich eine Bewegung beschrieben, selbst die Bäume bewegen sich, alle Protagonisten tuen irgendwas - auch das ist wieder typisch Traum-Welt: In Träumen geschieht auch immer was, Langeweile kommt da nie auf. ;) Die Figuren haben also zu tun - und gar keine Zeit, als Symbole herumzustehen. :D Der Athlet/Schwimmer am allerwenigsten. Wenn man die Kafka-Biografie von Brod kennt, weiß man, daß Kafka selbst unheimlich gerne und wohl auch recht gut schwamm. Und sofort habe ich dann freilich Kafka selbst da als Schwimmer vor Augen.

Und da komme ich dann zu Deinen Bildern. Daß der unterschiedliche Stil etwas irritiert, hatte ja schon Dazzled geschrieben. Ich sehe das ganz ähnlich - die beste Zeichnung ist der sich schüttelnde Hund auf dem Einband. Da hat jeder Strich Dynamik, insbesondere der Schwanz hat mir's angetan. Dies Art Linien paßt m.M.n. noch am besten zu Kafka - dessen Zeichnungen übrigend früher die Einbände seiner Bücher schmückten, die beim Fischer-Verlag rausgegeben wurden. Diese Zeichnungen - kleine Kritzeleien aus seinem Tagebuch, von Postkarten u.ä. - hat man als Kafka-Fan natürlich auch immer im Kopf. Und diesem, extrem unprätentiösen, eigentlich schon mehr abstrakten als expressiven Stil sollten sich m.M.n. Illustrationen seiner Texte annähern.
Wenn ich für diesen Stil eine Beschreibung suchen müßte, würde ich sagen: un-voluminös. Kafka war ja selbst ein extrem schlanker Mann (er war von klein auf Vegetarier und "müllerte" als Erwachsener viel, eine Art Vorform des Fitnesstrainings), den ich mir etwas linkisch, eckig, storchenbeinig vorstelle. So jedenfalls ist sein Zeichenstil. Und unterscheidet sich damit von manchen Deiner Illustrationen sher. Vor allem von den Zeichnungen des Tischlers mit dem Tisch auf dem Rücken. Den hast Du ja eher als Botero-Figur gezeichnet. mit grotesk dicken Armen und Wurstfingern.
Auch in manchen anderen Zeichnungen wirst Du sehr barock-voluminös. Z.B. bei der Wolkendarstellung - aber, wenn ich mir das jetzt genau angucke, eigentlich fast überall. Was u.a. daran liegt, daß Deine Schraffuren immer bogenförmig verlaufen, als eher runde denn gerade Linien. Das läßt mich dann entfernt an Dürer-Schraffuren denken oder irgendwelche barocken Holzschnitte. Aber nicht an Kafka und seine Zeit. Am stärksten kommt an die die Pferdezeichnung am Anfang heran - diese extreme Nahsicht des Kopfes, der in recht harten, kantigen Linien dargestellt ist und den Rest des Pferdekörpers fast verdeckt. Das paßt meinem Geschmack nach zu Kafka, zu seiner Zeit des Expressionismus, aber auch zum surrealen Touch seiner Werke.
Dagen am meisten stört mich das Panel mit dem "Ent", also dem Baum mit Glatzkopf. Erstens hast Du da auf einmal unterschiedlich schattiert, zweitens ist das eine sehr gewöhnliche Perspektive. Noch antropomorpher kann ein Baum ja kaum mehr aussehen.
Davon steht aber nix im Text - nur, daß die Bäume mitliefen. Wie genau sie das anstellten, ob sie wirklich entische Extremitäten haben (man muß bei solchen Texten ja auch allerhand ausblenden - der Herr der Ringe kam ein ganzes Weilchen später ;) ), oder ob sie sich eben so bewegen, wie es alte, müde Bäume immer tun... So, wie der Schwimmer nämlich, der sein Wasser selbst mitbringt.

Was mir bei den Illustrationen fehlt, ist der rote Stimmungsfaden. Welche Stimmung transportiert der Text denn für Dich? Für mich transportiert er eine traurige, leicht verwunschene Witzigkeit (Kafkas Texte kann man immer auch unter dem Aspekt der absurden Komik lesen und wird garantiert fündig). Deswegen gefällt mir vielleicht auch dieser Hund auf dem Einband so gut, wie er sich da schüttelt.
In diese Richtung gehen überhaupt die meisten Tierbilder in Deinem Werk hier: die Gänse, das Pferd, der Hund... Auch die Weise, wie man vom Mädchen nur die Beine sieht.
Das sind meiner Ansicht nach die Highlights dieses Deines Werkes.
Es genügt nicht, keine Meinung zu haben. Man muß auch unfähig sein, sie auszudrücken.

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Beitrag von Syrus » 2. Sep 2010, 17:09

Vielen Dank für deine Ausführungen!

Wir haben schonmal einiges gemein denn Kafka gehört ebenso zu meinen Lieblingsschriftstellern. Verrückt das du dich auch schon daran versuchtest dich ihm zeichnerisch zu nähern. Ich glaube wenn ich die Wahl unter seinen Werken gehabt hätte, hätte ich mich wohl wie du für die Strafkolonie entschieden, davon habe ich einfach noch die eindringlichsten Bilder im Kopf. Vor allem kommt mir hier die Bestrafungs-Apparatur in den Sinn, wie penibel deren Funktionalität ausgeführt wurde...und wie passiv man an dem Geschehen beiwohnt, als Reisender, als Beobachter. Ja Kafka erzeugt schon ein ganz eigenes Gefühl beim Lesen und ich glaube "traumartig" ist da ein gut gewählter Begriff. Sicher ist es überragend Schwer hier illustrativ wirklich treffend zu werden, mal ganz davon abgesehen das sowieso jeder seine eigenen Vorstellungen von den Texten in sich trägt. Am besten macht sich hierbei wohl ein ganz reduzierter Stil, der so wenig wie möglich vorweg nimmt, das dachte ich mir anfangs auch schon, nur war wohl mein Ego als Zeichner da etwas betroffen und wollte jetzt in diesem meinem 2ten Semester mal etwas auf die Kacke hauen. :D Sicher wäre da wohl ein linearer Zeichenstil wie ihn Kafka pflegte näher dran gewesen.

Es ist deprimierend wenn sich um einen herrum, während man nur am Machen ist Gebäude aus Meinungen über das was man da schafft aufbauen, die einen dann im Prozess stets und ständig beeinflussen. Das war auch der Grund wesshalb ich hierbei die Kritiken aus dem Forum erst garnicht hinzuziehen wollte...um nicht noch mehr in andere Fahrwasser zu geraten. Kann schon sein das die Meinungen hier um Welten hilfreicher gewesen wären als die meines Dozenten, meiner Kommilitonen und Verwandten..(besonders jetzt da es diese Rubrik gibt) :) Auf jeden Fall habe ich gemerkt wie es ist so ein Projekt selbst durch zu ziehen, auch wenn ich mit dem Ergebnis selbst nicht ganz zufrieden bin, denke ich doch das ich hierbei viel für mich mitnehmen konnte...ganz besonders im Bezug auf den Prozess.

Die von dir angesprochene Voluminösität der Figuren rührt wohl auf meine zeitgleichen Ausseinandersetzungen mit den Werken von Gustav Dorè her, welche mir mein Dozent irgendwann nahelegte. Sicher ist Dorè wohl ehr für Groschenromane von Jules Verne oder Bibeln geeignet als für einen Kafka, aber ich bin wie verzaubert von dessen Stil. Das kann man wohl jetzt auch irgendwie sehen. Und das was du hier als Ent siehst ist wohl vielmehr von Dorès Illustrationen zu Dantes Inferno inspiriert als vom Herrn der Ringe. Angedacht war hier nicht die Bäume einfach laufende Bäume sein zu lassen sondern sie zu Charakteren um zu funktionieren, ihnen Persönlichkeit zu geben. Dies sollte man spätestens beim aufziehenden Unwetter merken.

Bei den anfänglichen Skizzen spürte ich auch noch diese Verwunschenheit der Geschichte die dir auch so aufgefallen ist ...der Anfang mit den Tieren usw...dann zog sich das Projekt irgendwie in die Länge und begann seine Ausstrahlung zu verlieren. Die Geschichte wurde total zerredet und ich werde wohl mindestens ein Jahr Abstand davon brauchen, bis ich beim Lesen wieder dieses anfängliche Gefühl bekommen könnte. Ich begann nebenher andere Sachen von ihm zu lesen um es mir irgendwie zurück zu holen, oder einen Zugang zu suchen, vergebens. Am Ende hab ich es mehr oder weniger abgearbeitet was eigendlich sehr schade ist aber der enorme Zeitdruck notwendig machte. 2einhalb Monate für ein Buch ist echt etwas wenig. Wie ich wohl das Buch in 5 Jahren sehe..mh..oder wie ich es dann umsetzen würde.:?
Max Brod (sein bester Freund, dem wir es zu verdanken haben, daß die Welt heute Kafka überhaupt kennt)
..das kann ich so nicht im Raum stehen lassen, immerhin gab es Werke die bereits zu Kafkas Lebzeiten veröffentlicht waren und die sehr wohl heute bekannt wären. Kafka wies Brod an alles andere zu verbrennen was er nicht abgesegnet hatte. Wenn das passiert wäre, wäre wohl auch dieses Fragment verloren gegangen. Übrigens zeichnete er auf die Rückseite des abgerissenen und unkenntlich gemachten Teils der Geschichte diese Skizze die er anschließend an Milena schickte:

Bild

:bla:

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Beitrag von Chinasky » 3. Sep 2010, 08:21

Syrus hat geschrieben:
Max Brod (sein bester Freund, dem wir es zu verdanken haben, daß die Welt heute Kafka überhaupt kennt)
..das kann ich so nicht im Raum stehen lassen, immerhin gab es Werke die bereits zu Kafkas Lebzeiten veröffentlicht waren und die sehr wohl heute bekannt wären.
Hi Syrus!
Ja, das hatte ich etwas abgekürzt. Ob man Kafkas Werke heute kennen würde, wenn Brod nicht entgegen der Testamentsanordnung die unveröffentlichten Sachen gerettet hätte, darüber kann man endlos streiten. Ich bin der Meinung, daß es etwas zu wenig gewesen wäre, was zu seinen Lebzeiten publiziert wurde, um eine quantitativ genügende Basis für fortdauernden Ruhm zu bilden. Denn weder das Schloß noch der Prozeß wären dann heute bekannt, und von Amerika nur das erste Kapitel. Auch von den Kurzgeschichten/Novellen würden wichtige Sachen fehlen ("Der Bau", "Josephine die Mäusesängerin"...)

Nachher mehr zu Deinen Ausführungen. :)
Es genügt nicht, keine Meinung zu haben. Man muß auch unfähig sein, sie auszudrücken.

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Beitrag von Chinasky » 4. Sep 2010, 14:49

So, da ich's ja angekündigt hatte, noch ein paar Worte.
Zuvörderst: Das Problem mit den "auswärtigen" Meinungen kenne ich zur Genüge. Es ist sehr schwierig, sich bei einem laufenden Projekt Meinungen von aussen zu holen, die über handwerkliche Kniffe hinausgehen - und dann auszusieben, welche Meinungen richtig sind, welche falsch (bzw. nicht hilfreich) und welche man entsprechend ignorieren sollte. Manchmal hab ich mitten in einem eigentlich kreativen Produktions-Flow gesteckt - und dann kam jemand, sagte oder fragte etwas zu der Arbeit - und auf einmal war ich völlig raus, so, als hätte man mir einen Stock in die Radspeichen gesteckt. Das kann richtig aggressiv machen. Grad letzte Woche habe ich jemandem, der mir während des Zeichnens einen Hinweis geben wollte, ziemlich unwirsch angeblafft. Zum Glück hatte der das nicht persönlich genommen, sondern insistierte sogar auf seinem Hinweis - der, wie sich nachher herausstellte, richtig und hilfreich für mich war.
Aber bei ungebetener Kritik weiß man das ja nicht immer im Vorhinein, wie gut und sinnvoll die ist... Da macht es dann mitunter mehr Sinn, die Luken dicht zu halten und sich auf das eigene Richtungsgespür zu verlassen. :)

Andererseits... Ich finde interessant, wie Du davon erzählst, daß Dich Doré so faszinierte, auf den Dich Dein Dozent brachte, und dessen Stil Du jetzt da mit in die Arbeit eingebracht hast. Ich weiß ja nicht, wie Dein Dozent gerade auf den kam - ging es da schon um dieses Kafka-Projekt? Doré, Daumier und ähnliche Zeichner des 19. Jahrhunderts sind natürlich immer beeindruckend. Allerdings eben auch merklich jener Zeit verhaftet, so vom Stil her, und meiner persönlichen Meinung nach keine guten Vorbilder für Illustrationen "moderner" Literatur des 20. Jahrhunderts.

Mir gehen da zwei verschiedene Gedanken durch den Kopf, die ich einfach mal nebeneinander stelle und die nur entfernt miteinander zu tun haben.
Einerseits finde ich, daß Dein Zeichenstil noch nicht so seeeehr viel mit Doré zu tun hat. Höchstens vielleich etwas, was den reinen Strich angeht. Bei Doré dominiert allerdings meist die Lichtstimmung, die Lichtregie. Die Tonwerte stehen da häufig im gestalterischen Fokus. Während in Deinen Zeichnungen zu dem Kafka-Text die Lineart dominiert. Daher frage ich mich, inwieweit Du wirklich im Stil Dorés arbeiten wolltest, oder ob Dir nur im Nachhinein auffällt, daß bei manchen Zeichnungen die Beschäftigung mit Doré sich unbewußt niederschlug?

Der zweite Gedanke betrifft nochmal die Frage, welcher Stil zu einem Kafka-Text passen würde. Und da würde mir eben ein Stil wie der von Doré, oder überhaupt all den Symbolisten/Phantasten/Romantikern des 19. Jahrhunderts deplatziert vorkommen. Ich halte Kafka wirklich für einen sehr modernen Literaten - viel moderner, als es einem Juden aus dem tschechischen Teil des k.u.k.-Reiches eigentlich zugetraut werden könnte. Nicht umsonst wurde er ja später von den französischen Existentialisten als wichtiger Anreger rezipiert - Kafka gehört für mich geistig zu solchen Leuten wie Albert Camus oder Fernando Pessoa, also zu jenen philosophischen Autoren, die das Lebensgefühl des "modernen" Bürgertums in ihren Texten widerspiegelten, zusammen mit der "modernen" Entfremdung des Einzelnen gegenüber der immer anonymer werdenden Gesellschaft. Ich muß inzwischen, wenn ich an Kafka denke, auch immer an Musils "Mann ohne Eigenschaften" denken - ebenso eine Literatur, die gewissermaßen noch aus dem Lehm des 19. Jahrhunderts geformt wurde - aber schon mit der modernen Technologie des 20. Jahrhunderts.
Und für solche Stoffe taugt ein 19. Jahrhundert-Stil eben nicht. Sollte ich mir stilistische Vorbilder für eine Kafka-Illustration ausdenken, so würden mir Leute wie Paul Klee, Francis Bacon oder Anselm Kiefer einfallen - wobei ich witzigerweise Anselm Kiefer gefühlsmäßig am passendsten fände, aber natürlich keine Ahnung habe, wie man in dessen Stil überhaupt illustrieren könnte. Dann würde ich einen kunsthistorischen Schritt zurück gehen und überlegen, wen es denn so in Kafkas zeitlicher Umgebung gegeben haben könnte - und dann käme ich auf Leute wie George Grosz oder Otto Dix oder Vertreter des italienischen Futurismus (Kafka hat als einer der ersten Dichter eine Flugschau literarisch verarbeitet) oder, noch etwas später, der neuen Sachlichkeit...
Der Dadaismus mit seinen arnarischen Ausdrucksformen könnte vielleicht zu Kafka passen - die Befreitheit jeglicher Vernunftvorschriften findet sich ja durchaus in dem Text, den Du Dir ausgewählt hattest. Hhmmm... Nee, ich glaube, ich würde versuchen, so eine Mischung zwischen Klee und Kiefer zu finden. Eigentlich würde sich sogar der reine "Klee-Stil" anbieten, wenn der nicht inzwischen zu sehr in deutschen Arztpraxis-Wartezimmern heimisch geworden wäre, d.h. inzwischen schon zu sehr mit der dekorativen Instrumentalisierung assoziiert werden müßte. Außerdem würde mir bei Klee wohl der Aspekt des Düsteren, Pessimistischen fehlen, den man sich dann eben bei Kiefer "klauen" müßte.

So wären meine Überlegungen, wenn ich nach einem passenden Stil für die Illustrierung eines Kafka-Textes suchte.

Ach ja, eine Kleinigkeit fiel mir gestern schon auf beim Betrachten Deiner Zeichnungen: Der Spitzbart des Czaren, der im Text erwähnt wird, kommt in Deinen Illustrationen nicht vor, bzw. nur bei einem der Tisch-Träger. War das so beabsichtigt, daß dieser Bart sozusagen von seinem Träger abgenommen und auf dessen Träger (im Wortsinne) verpflanzt wird? Wie bist Du auf diese Idee gekommen (überhaupt auf die Idee, den Czaren auf einen getragenen Tisch zu packen)?
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Beitrag von jaymo » 4. Sep 2010, 16:58

In diesem Thread hier sieht man sehr gut sowohl das Potenzial als auch die Gefahr von mehr inhaltlich-konzeptionellen als technisch-handwerklichen Diskussionen zu persönlichen Projekten. Ich finde das äußerst spannend und freue mich, dass Syrus sich damit auf die Bühne getraut hat.

Aufgrund mangelnder Literaturkompetenz sehe ich mich nicht in der Lage, hier sinnvolle Kritik zu geben, aber mir scheint, dass Chinasky das leisten kann. Allerdings verleiht die momentane Alleinstellung der Kritik auch eine große Kraft, sowohl konstruktiv als auch destruktiv.

Den weiteren Verlauf verfolge ich gespannt...

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Beitrag von FastArt » 4. Sep 2010, 21:08

Gibt es einen Grund warum die Schrift sich in Handschrift ändert?

Ach und das Portrait vom Kurier find ich grandios. :)

Chinasky
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Beitrag von Chinasky » 4. Sep 2010, 22:39

FastArt hat geschrieben:Gibt es einen Grund warum die Schrift sich in Handschrift ändert?
Ich denke mal, das soll den Unterschied zwischen eigenem Ergänzungstext (Handschrift) und Original-Fragment (Druckschrift) visualisieren.
Es genügt nicht, keine Meinung zu haben. Man muß auch unfähig sein, sie auszudrücken.

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Beitrag von Syrus » 7. Sep 2010, 23:21

Oh hier hat sich ja wieder was getan, das freut mich. War ja nur ein paar Tage weg.

@Fast

Freut mich das er dir gefällt.
Ich denke mal, das soll den Unterschied zwischen eigenem Ergänzungstext (Handschrift) und Original-Fragment (Druckschrift) visualisieren.
..so ist es. :)

@Chinasky

Ja manchmal reichen schon die kleinsten Bemerkungen, von "Irgendwem" und man ist komplett raus. Es ist als ob man ein Buch lesen würde und erst nach einer halben Seite bemerkt, das ein Gedanke so sehr dazwischen gefunkt hat, das man garnicht mehr weiß, was man eigendlich gerade gelesen hatte. Müsste man dann nicht, wenn man einen Text illustriert, gleich beim ersten Lesen beginnen zu skizzieren? Also so eine Art Plan zu allen zukünftigen Bildern des Textes zu schaffen, damit man nicht so schnell abdriften kann? Ich glaube bei mir ist die Gefahr dafür, bei langwierigen Projekten, sehr gegeben.

Was den Bezug zu Doré angeht, so bin ich erstmals darauf gekommen als mein Dozent beim Blättern in einem meiner Skizzenbücher so beiläufig bemerkte, ich solle mir dessen Werke einmal ansehen. Er fand wohl selbst irgendetwas darin vor, was ihn daran erinnerte. Aber erst jetzt wo ich das Buch ganz vor mir liegen sehe, mit einer gewissen Distanz dazu; fällt mir auf das sich der Stil von diesem Moment an in eine andere Richtung bewegt hatte. Ob dieser nun wirklich mit Doré zu vergleichen ist wage ich ebenfalls zu bezweifeln.

Wir wurden generell ziemlich überhäuft mit Inspiration in diesem Projekt, wie ich finde. Es kann wohl auch kontraproduktiv sein mitten im Prozess und in der Entwicklung eines Stils dafür, mit Neuem bissher Unbekannten konfrontiert zu werden. Irgendwie verarbeitet man es, wenn auch manchmal unterbewusst, in dem was man schafft. Kann sein das dadurch auch die vielen Stile zusammen gekommen sind. Ich finde es erstaunlich das mir das jetzt im Rückblick erst so richtig auffällt.

Das zeigt wie wichtig die Stilfrage zu Anfang eigendlich ist. Das hast du auch schön veranschaulicht in deiner Überlegung über einen passenden "Kafka-Stil". Klee und Kiefer ...da wäre ich im Leben nicht drauf gekommen diese beiden zu verbinden. Aber ich glaube das diese Richtung genau das ist was man auch als "kafkaesk" bezeichnen kann. Da trifft sich Text und Bild...was bei mir so etwas aneinander vorbei läuft. Aber in diesem Wald dort trifft sich ja auch nicht viel...alles läuft miteinander und das annonym.

Der Czar meines Buches ist der einzige Sohn des letzten Zaren Nikolaus II., Alexei Nikolajewitsch Romanow, dieser wäre der reale Thronerbe gewesen wenn die Bolschewiki diesen nicht erschossen hätten. Die Geschichte zu dieser Hinrichtung will ich jetzt aber auch nicht weiter ausbauen, auch wenn das ein sehr interessantes Thema ist.
Alexei litt unter Hämophilie, um ihn vor für ihn lebensgefährlichen Verletzungen zu schützen, wurde dieser immer von 2 Matrosen sicher getragen. Dieses Sichere-Tragen findet im Buch nicht statt, er wird zwar von diesen Matrosen getragen, jedoch hochoben auf einem Tisch in seinem Zaren-Thron. Der Tisch wie auch der Bart des vorderen Matrosen sind aus dem Fragment entlehnt. Ich habe hiermit reale Elemente mit den Teilen der Geschichte verknüpft um das drohende Ende des Zarentums innerhalb der Geschichte anzukündigen. Gleichfalls habe ich mit dem kindlichen bartlosen Zaren einen Gegenpol zum alten bartigen Kurieren geschaffen. Beide Symbolisieren das Ende dieser Welt...der Welt, welche dann auf schon fast biblische Weise von einer Flut heimgesucht wird, der Flut des anonymen Schwimmers. Zu weit hergeholt? :? :D

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Beitrag von Syrus » 29. Sep 2010, 12:46

Im Environmental Diversity Thread hatte ich ja schon das etwas unpassende Cover gepostet. Dieses hier: Bild

Da mich der Gedanke irgendwie nicht los ließ das Buch durch den Wald zu umgeben, habe ich das verworfene Cover umgearbeitet. Nun gibt es die im Buch vorherschende Erzählung in Form von Panels wieder und gleichfalls die Isolation der Charaktere von ihrer Umgebung. Die Schrift auf dem Cover ist die gleiche wie im Buch. [Die Schrift auf dem Haupttitel des Buchblockes ist in der digitalen, hier präsentierten Version leider eine andere wie in meinen gedruckten Exemplaren, da gab es leider ein Exportproblem und ich habs erst nach dem Druck bemerkt. Shit happens, naja darum hab ich jetzt die Helvetica Textbook auch auf das Cover gemacht.]

Bild

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Beitrag von Syrus » 19. Apr 2011, 16:53

Hier noch ein paar frühe Entwürfe zum Buch. Habe anfangs mit verschiedenen Medien herum experimentiert.

Digital
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Bild

mit Ölpastel
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Bleistift
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Fineliner
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Kugelschreiber(digital nachcoloriert)
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