Nachbereitung eines Workshops

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Chinasky
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Nachbereitung eines Workshops

Beitrag von Chinasky » 21. Okt 2010, 13:05

So, nachdem die Convention mit dem Stilleben-Ölmalworkshop jetzt ein paar Tage her ist, wollte ich das Projekt hier nochmal kurz Revue passieren lassen und meine Gedanken dazu festhalten. Auch vielleicht, um meinen Eindruck dazu anhand Eurer Eindrücke dazu überprüfen zu können.

Zuallererst: Ich fand das Ganze nicht sooo toll, wie ich es mir erwünscht/erhofft/geplant hatte, und ich hatte den Eindruck, daß diverse Teilnehmer sehr schnell die Lust verließ. Die Gründe dafür mögen individuell unterschiedlich gewesen sein, mich interessieren freilich vor allem die Faktoren, für die ich verantwortlich war. Jene Schrauben, an denen ich zu drehen hätte, wenn ich - in einem anderen Zusammenhang/Rahmen - noch einmal so einen Kurs anbieten wollte.

1. Organisation.
1.1. Ich hatte vorgehabt, die benötigten Materialien, insbesondere die Malgründe für den Workshop selbst vorzubereiten, sah mich aber aus Zeitgründen nicht dazu in der Lage. Deswegen delegierte ich das "Untermalen" und das Einkaufen der Malmittel an meinen Bruder. Dieser verwendete für die bläulich untermalten Malgründe eine Farbe (Preußischblau oder Phtalocyaninblau oder etwas in der Art), welche bis zu Beginn des Workshops nicht mehr rechtzeitig trocknete. Daraus ergaben sich für einige Teilnehmer Schwierigkeiten (das Blau löste sich beim Malen an und "versaute" so die Farbigkeit). Meine Schuld, denn als Fachmann hätte ich bedenken müssen, daß mein Bruder, wenn ich ihm sage, er soll die Bilder mit einem "kühlen Blauton" imprimieren, zuerst zu den langsam trocknenden kalten Blaupigmenten greift, wie sie Preußischblau etc. darstellen.
Des weiteren wurde das Malmittel in einem viel zu großen Behälter (10-Liter-Kanister) gekauft - und dadurch geriet das Verteilen unter die Workshop-Mitmacher zu einer mittleren Sauerei. Ich hätte meinem Bruder genauere Anweisungen geben müssen, was die Gebindegröße anging. Darüberhinaus hätte ich den Vorgang des "Verteilens" prinzipiell besser vorbereiten, also z.B. einen Trichter oder dergleichn mitbringen sollen. Hier liegt die Schuld allein bei mir.

1.2. Der genaue Zeitpunkt für den Workshop-Beginn war nicht genannt worden, sodaß die Teilnehmer über einen Zeitraum von über einer Stunde nach und nach eintrudelten. So mußte ich vieles, was allen Teilnehmern gesagt werden mußte, mehrfach wiederholen, tat das dann aber nur unvollständig, und das hatte zum Ergebnis, daß viele meiner "Anweisungen" nicht - oder nur verspätet - bei allen Teilnehmern ankamen.

1.3. Ich hätte mir einen exakteren "Zeitplan" aufstellen müssen unter Berücksichtigung des Umstandes, daß das Verteilen der Materialien unter den Teilnehmern ebenso Zeit in Anspruch nehmen werde wie die Nachfragen von Leuten, die eben doch nicht hundertprozentig genau den Anmeldethread gelesen oder bestimmte Sachen (Paletten, Malmittelgläser) vielleicht einfach vergessen hatten. Zur Planung so eines Workshops gehört wohl auch, "Fehlleistungen" der Teilnehmer zu antizpieren und sich eben nicht darauf zu verlassen, daß sich alle 1:1 an die vorher genannten Anweisungen halten. Mir fehlte da die nötige Flexibilität, bzw. ich ließ mich durch solche unvorhergesehenen Sonderprobleme zu sehr aus dem Konzept bringen.

2. Das Didaktische

Die Grundidee des Workshops, die mir vorschwebte, konnte m.E. nicht vermittelt werden, dabei hatte mir Daniel mit seinem Vortrag über die Farben am Freitagabend eigentlich eine Steilvorlage gegeben, wie sie besser nicht hätte sein können. Diese Schwierigkeit könnte darin liegen, daß das "Problem", auf welches der Workshop eine Antwort geben sollte, scheinbar nur mir selbstverständlich war, von vielen Workshopteilnehmern aber überhaupt nicht gesehen wurde.
Daher hier von meiner Seite aus nochmal der Versuch, wenigstens im Nachhinein zu erläutern, worauf hinaus ich eigentlich gewollt hatte:
Daniel beschrieb seinen Werdegang als Maler, wie er zuerst mit Umrissen mit Lineart anfing, wie dann langsam die Tonwerte wichtiger wurden, wie dann die Tonwerte später koloriert wurden und irgendwan er dann anfing, nicht mehr von Umriß- und Tonwert-Ideen auszugehen, sondern von Farbideen. In der darauffolgenden Diskussion wurde von Steven angesprochen, daß dieses Vorgehen Daniels ein sehr analytisches, die einzelnen Aspekte deutlich trennendes Verfahren sei, daß z.B. das Beginnen bei der Farbe (anstatt bei der Form) lediglich ein Vorgehen mit umgekehrtem Vorzeichen sei, daß aber vielleicht die Synthese der unerschiedlichen Aspekte fehle. Daniel beschrieb das Ganze dann mit dem Bild eines Kreises, in dessen Mittelpunkt sozusagen der ideale Weg zum perfekten Bild steht, auf dessen Umrißlinie dann die unterschiedlichen Ansätze (Betonung der Outlines, Betonung der Tonwerte, Betonung der Kolorierung usw.) liegen, wobei, wenn man den einen Aspekt besonders betone, man die anderen Aspekte dadurch automatisch etwas von dem idealen Zentrum wegdränge.
Dieses Bild hielt ich für treffend - und dennoch auch für irreführend.
Treffend dann, wenn wir den analytisch und strukturiert vorgehenden Künstler betrachten, dessen Kapazitäten notwendigerweise immer begrenzt sind: Man kann nicht an alles zugleich denken und der eine Gedanke verhindert, daß zeitgleich der andere gedacht wird.
Irreführend, weil...
Und das wollte ich dann in dem Workshop quasi belegen. :)
In der Diskussion nach Daniels Vortrag fiel der Name artvandelys, welcher jemand zu sein scheint, der nicht die Probleme der einander gegenseitig vom Mittelpunkt wegdrängenden Aspekte des Malens hat. Dies mit artvandelys besonderem Genie oder seiner lediglich besonders großen Erfahrung erklären zu wollen, erscheint mir falsch, denn solche Erklärungen sind ja eigentlich gar keine, sondern tun so, als wäre da etwas Unerklärliches, für Normalsterbliche Unbegreifliches am Werk.
Ich bin der Ansicht, daß es die von Steven angedachte Synthese gibt, und zwar beim "Malen mit analogen Farben nach der Natur". Daß es mir bei dem Workshop genau um diese Synthese ging - das wurde mir erst während Daniels Vortrag so langsam deutlich - und richtig klar wurde es mir erst in einem Gespräch, das ich später mit Duracel führte.
Der Punkt ist folgender: Das Malen mit analogen Farben zwingt eigentlich aus materialtechnischen Gründen zu einer Synthese. Jeder Pinselstrich ist immer schon eine Fläche (auch jede noch so schmale Bleistiftlinie ist genaugenommen schon eine Fläche, aber diesen Umstand realisieren wir üblicherweise erst ab einer bestimmten "Dicke" des Strichs). So fallen schon mal Flächigkeit und Linie beim Malen zusammen. Da die Farben aber analog vorliegen, können wir auch nicht wirklich zwischen den Aspekten Farbigkeit und Tonwerte unterscheiden. Jede Farbe hat immer schon ihren eigenen Tonwert - eine Farbidee ist daher in der analogen Malerei ohne eine Tonwertidee nicht denkbar. Das analytische Trennen der Aspekte Tonwert und Farbigkeit, in der digitalen Malerei problemlos möglich (Schwarzweißbild, über das dann eine Farbebene gelegt werden kann), führt beim analogen Malen recht zuverlässig in Sackgassen. Vor allem dann, wenn technische Workarounds (Lasurmalerei) materialbedingt nicht funktionieren. Wenn man mit einer Ölfarbe einen Farbton anmischt, mischt man automatisch einen Tonwert an: der analoge Maler ist gezwungen, die Synthese der unterschiedlichen Aspekte zu finden.

Das ist die rein praktische Ebene - es gibt aber auch die Konzeptebene, nach welcher Bildideen entstehen. Solange ein Bild aus einer im Kopf vorher ausgedachten "Idee" besteht, kann man den Zwang, mit analogen Farben synthetisch vorzugehen, durchaus als Ärgernis begreifen. Das, was man sich vorgenommen hat, kann man nicht in zu handhabende Teilschritte unterteilen - so kann es zu einer frustrierenden Überforderung kommen.

Den Ausweg aus dieser Problematik bietet hier meiner Ansicht nach das Malen nach der Natur. Die Natur nimmt uns das Problem in gewisser Weise ab - wir brauchen ihr lediglich vertrauensvoll (sklavisch ;) ) zu folgen. Man braucht ja "einfach nur" die Farben, die man vor sich sieht, entsprechend anmischen und auf die Leinwand auftragen - und fertig ist das "richtig wirkende" Bild. Beim Anmischen einer Farbe müssen wir nicht mehr überlegen: ist sie zu hell, ist sie zu gesättigt, ist das der gewollte Farbton? Wir brauchen einfach nur zu vergleichen: sieht die Farbe genauso aus wie die Stelle des Modells, das wir gerade abmalen?

Die Synthese von Linie und Fläche, Farbe, Sättigung, Tonwert und Volumen ergibt sich beim Malen nach der Natur von selbst. Freilich auf Kosten der künstlerischen Freinheit! Wenn man brav nach der Natur malt, kann das Bild nicht geiler aussehen als die Natur selbst - ein realistischer Eindruck ist ja nicht gerade spektakulär/spannend/aufregend oder storytellingmäßig interessant.

Mein Anliegen mit dem Workshop war also (auch wenn ich dieses Anliegen eigentlich erst im Nachhinein so richtig begriffen habe, nachdem es nicht so richtig erfüllt wurde), eine Methode vorzustellen, wie zumindest die von Steven erwähnte Synthese, wenn auch nicht vollständig erreicht, so doch angegangen werden könne: die uralte (jemand erwähnte da Vincis Aussage, daß, wer von der Natur lerne, vom dem Lehrmeister der Lehrmeister direkt lerne) Methode des Arbeitens nach der Natur.

Dieses Anliegen - welches auch in einer Beschränkung lag (ich erwähnte ja mehrmals, daß es nicht in erster Linie darum gehe, ein "schönes Bild" zu malen) - konnte ich gegenüber den Teilnehmern offenkundig schlecht oder gar nicht kommunizieren. Ich denke da z.B. an Leute wie FastArt, dessen erstes Bild ja schon nach kurzer Zeit "fertig" war, aber eben bloß, weil er die für ihn übliche Vorgehensweise wählte, das Denken in Tonwertutnerschieden, Lines und Shapes. Ihn verließ hernach dann wohl die Lust, sowohl daran, sich nun auch um die Farbigkeit zu kümmern, also auch, einen gänzlich neuen zweiten Versuch zu wagen. So, wie auch mehrere andere Teilnehmer keine Lust zu haben schienen, ein zweites Bild anzufangen.

Ich muß mich nun also fragen, warum es mir nicht gelang, das zentrale Anliegen des Workshops besser zu vermitteln. Unterschätzte ich die ganz praktischen Probleme, die viele mit dem Material hatten? Jemand berichtete mir BondexxHH (mein Bruder) habe ihn erst darauf aufmerksam gemacht, daß es sinnvoll sei, den Pinsel immer mal wieder erst abzuwischen, dann im Pinselreiniger auszuwaschen und dann nochmal auf dem Mallumpen/Papierhandtuch trocken zu drücken, bevor man eine neue Farbe anmische. Ich muß ehrlich gestehen: Daß solche "simplen Tricks" noch vermittelt werden müßten, hatte ich überhaupt nicht bedacht. Manche Handgriffe sind mir derartig selbstverständlich, daß ich nicht im Traum darauf käme, andere müßten sie beigebracht bekommen.
Ähnlich ging es mir bei den Problemen, die manche mit den unterschiedlichen Pigmenten hatten. Daß es lasierende und deckende Farben gibt - das war mir so klar, daß ich nicht auf die Idee kam, jemand könne nicht auf die naheliegende Lösung kommen, falls eine Farbe nicht richtig decke: Nämlich einfach mal vom lasierenden auf das deckende Pigment zu wechseln. Sowas muß man den Leuten extra noch sagen? Ja, sowas muß man ihnen sagen. Wieder mal: Mein Fehler!

3. Die Fehler der Workshopteilnehmer

Den Anteil, den die Teilnehmer daran hatten, daß der Workshop nicht so gute Resultate erbrachte, wie es sich beide Seiten gewünscht haben dürften, ist mir später auch erst im Verlauf eines Gespräches mit Duracel klar geworden: Mangelndes Vertrauen in den Workshopleiter. :D
Nach all den Fehlern, die ich hier eben gerade von meiner Seite her eingestanden habe, könnte man meinen, es sei gerechtfertigt, wenn die Teilnehmer sich nicht genau nach meinen Anweisungen richteten.
Ich vermute aber, daß sie das nicht deswegen taten, weil sie schon ahnten, wie schlecht der Hank als Lehrmeister sei, sondern weil sie vor allem ihre eigenen Ziele im Kopf hatten, statt sich einfach mal vorbehaltlos und somit auch etwas "ziellos" einfach auf das einzulassen, was der Hank ihnen da vorschlug.

Beispiel: Ich betonte am Anfang, daß und wie wichtig es sei, gute Lichtverhältnisse zu haben. Daß man sich an Tische nahe den Fenstern setzen möge und zwar so, daß das Licht von der Seite komme, und nicht so, daß man das Modell in einer Gegenlichtsituation sehe. Dies betonte ich mehrfach. Viele richteten sich aber nicht danach. Sei es, daß sie zu faul waren, mal ein paar Tische zu rücken oder vielleicht etwas Müll von den Tischen wegzuräumen, sei es, daß sie vielleicht gar dachten: Och, so eine Gegenlichtsituation ist aber doch ganz hübsch!
Weiteres Beispiel: Ich sagte, daß weniger mehr sei. Eine Pflaume, eine Banane, ein Apfel - ein einzelnes Objekt wäre für den Unterrichtszweck als Vorlage ausreichend gewesen. Vielleicht begründete ich meinen Ratschlag nicht ausführlich genug, jedenfalls sah es am Ende so aus, daß die meisten sich viel zu komplizierte Arrangements von Gegenständen zum Modell wählten. Nur an einem Tisch beschränkte man sich auf zwei Objekte (eine Paprika und eine Mango), an den anderen Tischen wurden komplizierte Türme aus Obst, Holzkisten und Tuchdraperien aufgebaut.
Selbst, wenn man meinen kann, daß ich meinen Ratschlag nicht klar genug betonte, so kann man es auch von der anderen Seite sehen: Manche Kursteilnehmer meinten, es besser zu wissen als der Leiter, hielten meine Ratschläge also für nicht so wichtig.*

Hier stellt sich für mich die Frage, wie Lernen und Lehren am besten passieren kann. Im Gespräch mit Duracel kam mir die Assoziation mit bestimmten Kung-Fu-Filmen, wo die "schlechten" Schüler häufig am Anfang nicht dem Meister gehorchen und dessen scheinbar sinnlose Anweisungen ignorieren. Während die "guten" Schüler fraglos den Anweisungen des Meisters folgen, selbst wenn sie nicht kapieren was das jetzt schon wieder soll... Man entsinne sich nur des Films "Karate Kid", wo der Protagonist erstmal richtig putzen lernen statt Kampfsport trainieren soll - und sich später herausstellt, daß der weise Meister schon seinen Grund für seine seltsamen Anweisungen hatte.

Der "schlechte" Schüler ist in solchen Filmen immer der Schüler, der vor Selbstbewußtsein schier platzt, der davon überzeugt ist, im Grunde genommen schon zu wissen, wie's geht. Während der "gute" Schüler eben bescheidener ist und die Überlegenheit des Meisters so akzeptiert, daß er ihm selbst dort folgt, wo er die Sinnhaftigkeit der Anweisungen überhaupt nicht erkennen/nachvollziehen kann.

Nun will ich mich nicht zum großen Guru der Ölmalerei stilisieren und mich darüber beschweren, daß nicht genügend Vertrauen seitens der Kursteilnehmer vorhanden war. Mir geht es darum, die Strukturen so einer Lern- und Lehrsituation zu begreifen, um zukünftig besser in solchen Situationen mich verhalten zu können. Sowohl als Lehrender wie auch als Lernender. Die Lehre, die ich aus den "Fehlern" der Kursteilnehmer für mich gezogen habe ist: Wenn ich zukünftig an irgendeinem Kurs teilnehme, werde ich mich striktestens nach den Anweisungen der Kursleiter verhalten. Entweder sind die Leiter inkompetent - dann habe ich mich schon falsch entschieden, als ich mich für den Kurs überhaupt anmeldete. Oder aber sie sind kompetent, was das Fachliche angeht. Und dann lohnt es sich für mich, auf ihre Kompetenz zu vertrauen und mein eigenes "Wollen" (meine eigenen "künstlerischen Ideen") hintan zu stellen.
Ich werde versuchen, herauszufinden, worum es dem Kursleiter geht, statt vor allem auf meine eigenen Zielvorstellungen zu gucken, die ich ja immer noch in aller Ausführlichkeit verfolgen kann, sobald ich wieder daheim bin.

So, hier erstmal Schluß, sonst labere ich Euch noch tot. :D




*Nachtrag: Warum waren meine Ratschläge hier aber richtig? Erstens: Bei Gegenlichtsituationen sind Farben kaum noch verläßlich zu beobachten. Nur noch Silhouetten bleiben übrig, die man zwar farbig schattieren kann - deren Farbigkeit aber dann meist ausgedacht/willkürlich ist. Es ging ja aber darum, das Farbenbeobachten auszuprobieren/zu lernen. Und da ist die schwierigste denkbare Ausgangslage wenig hilfreich.

Was die Beschränkung auf wenige Objekte angeht: daß die Teilnehmer sich zuviel da hingelegt hatten, daß ihr Modell zu komliziert/komplex war, das wurde später von mehreren Leuten dadurch auszugleichen versucht, daß sie einzelne Gegenstände, die vor ihnen auf dem Tisch lagen, einfach wegließen, oder daß sie sich etwas ausdachten, um z.B. den Hintergrund auszufüllen. Sobald man aber beim Malen nach der Natur anfängt, Dinge wegzulassen oder sich auszudenken, verläßt man den "sicheren Pfad", der da heißt: "Wenn ich nur genau genug das wiedergebe, was ich sehe, wird das Ergebnis am Ende stimmig sein."

Beispiel: Ein Apfel liegt auf einem hellen Tuch vor/neben einer Handvoll dunkler Trauben. Wenn man die Trauben nun wegläßt, weil sie einem zu kompliziert sind, ändert man die Gesamtsituation komplett: Der Apfel steht nun nicht mehr vor der dunklen Folie der Trauben, sondern vor der hellen Folie des Tuches. Er leuchtet nun plötzlich nicht mehr so schön hellgelb, sondern , sofern man die Farben, die man auf dem Apfel tatsächlich sieht, in sein Bild übernimmt, wirkt er dunkel und fast ein wenig angegammelt vor dem weißen Tuch. Also ist man, der Gesamtstimmung zuliebe, gezwungen, die Farbe des Apfels anders zu malen, als man sie sieht.
Von den Interdependenzen, die durch Bouncelights, Schattenwürfe usw. enstehen, gar nicht erst zu reden.
Tatsächlich ist eine einzelne Paprikaschote auf einem simplen hellen Untergrund komplex genug in ihrem Farbenspiel für einen "nur" maximal sechsstündigen Workshop, insbesondere, wenn man sie zweimal malen möchte - einmal auf einem kalten, einmal auf einem warmen Malgrund.
Zuletzt geändert von Chinasky am 21. Okt 2010, 15:58, insgesamt 1-mal geändert.
Es genügt nicht, keine Meinung zu haben. Man muß auch unfähig sein, sie auszudrücken.

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Beitrag von digitaldecoy » 21. Okt 2010, 15:17

Super Beitrag! Lehr- und Lernsituationen sind nicht trivial. Ich war z.B. durch Stevens Einwände während meines Vortrages erst irritiert, bis ich sie als Chance erkannt habe, meine mehr oder weniger improvisierten Inhalte in eine schlüssigere Richtung zu lenken. Dies ist natürlich nur möglich, wenn man mit den Lehrinhalten kein exaktes Ziel verfolgt, sondern eher in einer Assoziationswolke schwebt, die verschiedene Formen annehmen kann.

Dein Workshop war ja eher als klassische Instruktion angelegt und in diesem Fall ist es natürlich schon sehr wichtig, dass sich alle Teilnehmer an die Regeln halten. Ich denke, viel ist schon dadurch gewonnen, dass Du diese Erfahrung nun gemacht hast und in zukünftigen Lehrsituationen die Teilnehmer schon im Voraus auf diese Gefahr aufmerksam machen kannst.

Die Erläuterung zu Deinem Workshop und Deiner Kernaussage, dass das Arbeiten nach der Natur die gesuchte Synthese darstellt, finde ich sehr interessant und nachvollziehbar. Wenn man es mal ganz analytisch betrachtet, dann manipuliert man ja beim Aufbau seines Modells ganz viele Aspekte der Malerei gleichzeitig. Durch das Bewegen der Objekte in der Szene, verändert man die Komposition, durch die Bewegung der Lichtquelle die Farbigkeit und teilweise auch die Komposition (wenn man z.B. Schatten auf eine bestimmte Art und Weise "drapiert"). Durch die Wahl und Ausrichtung der Objekte "zeichnet" man quasi deren Umrisse (wenn man ein Stück Stoff drapiert, verändert man quasi live die Zeichnung...). Im Grunde erzeugt man das Bild mit jeder Entscheidung neu auf allen Ebenen der Gestaltung und das eigentliche Malen ist dann "nur noch" der Akt, dieses Bild festzuhalten. Ein Umstand, der sehr verwandt mit der 3D-Grafik ist, in der das Festhalten des Bildes am Ende vom Rechner übernommen wird. Das ist auch ein Grund, warum ich persönlich die 3D-Grafik immer für sehr attraktiv halte - eben weil sie die Vorzüge des Arbeitens nach der Natur mit absoluter künstlerischer Freiheit kombiniert. Dennoch sehe ich in der Malerei noch einige entscheidende Vorteile, die auch mit meinem Vortrag zusammenhängen. Wie ich erwähnte, ist es mit häufig passiert (und passiert mir immer noch), dass ich einen Farbentwurf umsetzen wollte und dann beim Ausrendern der Szene die angedachte Farbigkeit verloren habe, weil ich keine "Darsteller" für die Farben gefunden habe, die sich ursprünglich im Entwurf fanden. Ein roter Klecks im Entwurf wird dann vielleicht zu einem Kissen, welches dann jedoch schattiert werden muss und dadurch an leuchtkraft verliert und wenn dann noch eine gestickte Struktur auf dem Kissen ausgerendert wird, bleibt von dem ursprünglichen roten Klecks aus dem Entwurf nicht mehr viel übrig. Das Problem habe ich auch regelmäßig, wenn ich Blattwerk ausarbeite. Einzelne ausgerenderte Blätter wirken einfach nie so schön wie ein kunterbunt angelegter abstrakter Haufen Farbe, der sich um Äste windet. Meine Strategie ist mittlerweile, das Ausrendern nur noch auf das Nötigste zu beschränken und genau da sehe ich den Vorteil der Malerei - man kann Dinge angedeutet lassen und damit die Schönheit der "Idee" zum Teil erhalten.

Ich bin abgeschweift. Deine Gesellschaft macht redselig, weshalb ich sie gerne suche. :)
Besuch mich doch Mal in meinem Personal Showroom! - http://www.digitalartforum.de/forum/vie ... php?t=1604

Chinasky
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Beitrag von Chinasky » 21. Okt 2010, 15:59

digitaldecoy hat geschrieben:Ich bin abgeschweift. Deine Gesellschaft macht redselig, weshalb ich sie gerne suche. :)
Gebe ich so ungebraucht zurück. :)
Es genügt nicht, keine Meinung zu haben. Man muß auch unfähig sein, sie auszudrücken.

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Beitrag von jaymo » 21. Okt 2010, 17:47

Als Dozent kenn ich das Problem sehr gut. Ich habe ja auch keine didaktische Ausbildung, weshalb man anfangs doch einige Probleme zu lösen hat, mit denen man nicht gerechnet hat. Dass die Anweisungen weitgehend ignoriert werden, kommt leider sehr häufig vor. Gerade bei Grundlagen ist das sehr problematisch. Viele finden das langweilig oder sind weit vor anderen Teilnehmern schon durch mit dem Schritt und machen dann auf eigene Faust weiter, was oft den Pfad zerstört auf dem man weiterwandeln wollte. Ich versuche, nicht die Experimente zu unterbinden, sondern zu gewährleisten, dass sie abseits der Kursaufgaben passieren, wenn möglich. Aber die Leut machen was sie wollen. ;)

Wenn jemand hilfreiche Links oder Bücher zum Thema Didaktik (inbseondere bzgl Thema Kunst & Grafik) vorschlagen kann, wär das interessant.

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Beitrag von Dazzled » 21. Okt 2010, 18:00

ich kann aus eigener (lehr)erfahrung beisteuern, dass gerade dass künstlerische vorgehen zu einem didaktisch grundsätzlich anderen vorgehen zwingt.
So wie ich deinen workshop (als zuschauer) erlebt habe, hast du ab einem bestimmten zeitpunkt fast nur noch daneben gestanden und zugesehen, wie sich die teilnehmer an deiner aufgabenstellung versuchten.
Der Fairness halber muss ich zugeben, dass ich jeweils erst um kurz nach 11 aufgeschlagen bin und quasi nichts von deinen instruktionen mit bekommen habe.

ich habe in workshops, die ich bereits habe geben können (3 Stück, jeweils ca 4 Tage), erlebt, dass man die teilnehmer irgendwie dort abholen muss, wo sie zu dem zeitpunkt stehen.

beim ersten mal habe ich mir auch anfangs den mund fusselig geredet. Leider musste ich feststellen, dass ich (wie du ja auch selbst sagtest) gar nicht alle wichtigen sachen sagen kann. Schlimmer noch ist aber, dass der teilnehmer ÜBERHAUPT keine chance hat, sich alles wichtige zu merken. Zusätzlich waren wir jetzt bei der convention nur sehr kurz zusammen und alle hatten jede menge ablenkung.

Die dezentrierten Räumlichkeiten und die Vermischung aus Teilnehmern und anderen tat mMn das Übrige dazu.


Letztlich ist daraus die einzige konsequenz, dass man möglichst wenig zu allen gleichzeitig sagt und danach konsequent herum geht und sich der probleme der einzelnen annimmt.

das sorgt allerdings dafür, dass du nichts anderes mehr machst als von einem zum anderen zu rennen um mehr oder minder jedem das gleiche zu erzählen.
aber sobald du an einem tisch bist und etwas erklärst, kannst du dich darauf verlassen, die ungeteilte aufmerksamkeit des ganzen tisches zu haben ;) schon allein, weil du leise sprichst!
Gerade dieser Service-on-Demand bekommt meiner erfahrung nach einen höheren stellenwert als das allgemeine rumgeschwurbel zu lasierenden und deckenden pigmenten und unterschiedlichen trocknungszeiten.
Sorgt natürlich auch für eine ganze menge fehler ("WARUM hast du mir das nicht gleich gesagt?!" ) aber die lassen sich ja offensichtlich auch nicht durch Frontalunterricht ausmerzen.

Diese Arbeitsweise limitiert die maximale Teilnehmerzahl drastisch. Nach meiner Erfahrung kannst du nicht zwischen mehr als 8 Leuten rumspringen. Wenn man allerdings eine Mischkalkulation aus mehr und weniger intensiv zu betreuenden Teilnehmern macht, dann komme ich auf eine Teilnehmerzahl von ungefähr maximal 12.
Die sollten dann auch noch einander nah sitzen und möglichst viel von dem hören können, was du im vorbeigehen den einzelnen zu sagen hast.


ich hätte von anfang an jeden gezwungen, 2 bilder zu malen :) schon allein der Trockenzeiten wegen.

die teilweise von dir als mangelhafte motivation wahrgenomme situation kann, denke ich, aus den conventionrahmenbedingungen abgeleitet werden.
Vieleicht mussten auch einige feststellen, dass man, obwohl man vom großen hank unterrichtet wird, selber malen muss und sich der damit eingehenden frustration aussetzt.

soweit meine (nicht tatsächlich qualifizierte, aber aus eigener erfahrung gewonnene) Meinung zu dem Thema

Noren
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Beitrag von Noren » 21. Okt 2010, 18:25

Hi Chinasky,

zunaechst mal vielen Dank an Dich und Deinen Bruder fuer die Vorarbeit und dass Du den Workshop ueberhaupt angeboten hast. Er hat mir auch durchaus was gebracht, auch wenn das vielleicht nicht so aussah. :D Ich denke Du hast schon alle wesentlichen Punkte angesprochen, von daher will ich das nur noch aus meiner Sicht gewichten.

Was ich mir in der Tat gewuenscht haette, waere eine viel staerkere Konzentration und Einfuehrung in das Handwerkliche, vielleicht sogar eine Demonstration zu Beginn. (Zeitlich und aufgrund der grossen Teilnehmerzahl natuerlich kaum durchfuehrbar. )
Ich weiss jetzt nicht inwieweit das am Anfang passiert ist, da ich erst um 11 da war und somit, (fuer mich ueberraschend), einer von den Nachzueglern. Dass ich mir dann auch noch die Gegenlichtsituation ausgesucht habe hat von daher auch nicht etwa mit Trotz oder Besserwisserei zu tun, sondern mit der Tatsache, dass ich Deine Empfehlung schlicht nicht mitbekommen habe und mir flugs einen der wenigen freien Plaetze ausgesucht habe. Die Problematik dieser Platzwahl hast Du mir dafuer spaeter aber sehr gut vermitteln koennen, wie mir die kurzen Besprechungen ueberhaupt viel gebracht haben.
Aehnliches gilt fuer das Verhalten der Pigmente. Da haette man fast ein DinA4 Blatt oder so vorbereiten koennen, auf dem die Eigenschaften der einzelnen Farbtoene zusammengefasst sind. Klar lernt man auf die harte Tour fast besser, aber im kurzen Rahmen des Workshops und mit all den anderen Dingen, die zu erarbeiten waren, (am Anfang mehr oder weniger allein), war da schon der ein oder andere frustrierende Moment fuer mich dabei. Ist ja auch kein Beinbruch.

Gebracht hat mir der Workshop, dass ich diesen verdammten Paprika und seine Farben jetzt sehr gut im Kopf habe und die Erkenntnis, dass ich zum Oelmalen auf jeden Fall noch ein paar rein handwerkliche Uebungen machen sollte, bevor ich mich wieder an ein Bild wage. Ich will mich die Tage auch nochmal hinsetzen und eine digitale Version des Paprika aus dem Kopf pinseln um zu sehen, ob hier tatsaechlich das ungewohnte Medium das groesste Problem war, oder ob ich mit meiner Selbsteinschaetzung vielleicht auch falsch liege.


Nachtrag:

Vielleicht kann ich das von mir empfundene "Problem" so zusammenfassen:
Waehrend sich der Workshop laut anfaenglicher Beschreibung eigentlich an Anfaenger richten sollte, die bisher wenig oder keine Erfahrungen mit Oelfarben hatten, ist genau diese Einfuehrung ins neue Medium eher vernachlaessigt worden und es wurde fast schon ein fortgeschrittener Stand an Technikfertigkeit vorausgesetzt, wie auch die eher theoretische Ausrichtung Deines Klassenziels oben zeigt. Was Du da schreibst ist wichtig, richtig, interessant und vermittelnswert und Bildgestaltungsanfaenger duerften ja auch die wenigsten gewesen sein, so dass man da auch nicht bei 0 haette anfangen muessen.
Die von Dir angestrebte Synthese/Aufzeigen derselben ist auch sicher ein wuenschenswertes Ziel. Aber eines das, wenn es an die Umsetzung geht, Technikfertigkeit voraussetzt. Was das angeht, waere eine analytische Stueck-fuer-Stueck herangehensweise fuer Anfaenger vielleicht doch besser geeignet. (Im engen Zeitrahmen des Workshops aber wahrscheinlich auch nicht moeglich und fuer Dich als Leiter auch ein mehr an Aufwand und noch muehseliger und uninteressant. Das ginge dann ja auch so ein bisschen in Richtung VHS-Kurs. ;) Von daher auch nochmal vielen Dank fuer Deinen Einsatz! )
Wie dunkle ich am besten Farben ab, wie desaturiere ich sie am besten? (Das "weiss" man natuerlich an sich, aber vielleicht gibt es da bestimmte Kniffe oder Arbeitsweisen, die sich bewaehrt haben. Ich habe zum Beispiel trotz zigfacher Versuche bestimmte Farbtoene nicht so gemischt bekommen, wie ich das eigentlich wollte, vielleicht auch aufgrund des unterschiedlichen Pigmentverhaltens und irgendwann landeten die dann trotzdem auf der Leinwand. Das liegt dann natuerlich an mangelnder Uebung/Wissen/Verstaendnis/Geduld und man sollte das schon abkoennen und weitermachen, wenn man ernshaft besser werden will. Aber etwas mehr Anleitung oder im Idealfall Demonstration haette ich mir da wiegesagt schon gewuenscht. )

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Beitrag von Chinasky » 23. Okt 2010, 11:12

@jaymo: Genau, die Leute machen eh, was sie wollen! :D

@Dazzled: Gute Hinweise! Zukünftig würde ich auf jeden Fall darauf achten, die Teilnehmerzahl stärker zu begrenzen. Das mit dem service-on-demand habe ich ja später auch versucht, wobei ich mich aber auch nicht aufdrängen wollte, weil ich aus eigener Erfahrung es als nervig empfand, wenn sich Kursleiter zu sehr reinmischen, wenn man selbst gerade mitten in der Arbeit steckt. Einzelne Leute, die mir konkrete Fragen stellten, waren mir da dann sehr willkommen, da hatte ich dan nicht das Gefühl, zu stören. ;)

@Noren: Auch Dir danke für die Anmerkungen! Ja, das mit dem Anfänger-Kurs war wirklich schwierig. Auch, weil ja die Hälfte der Leute keine Anfänger waren. Aber insbesondere aufgrund des Paradoxes, daß ich als jemand, der seit zig Jahren mit Öl malt, überhaupt nicht mehr weiß, wie man da anfängt. Ich hätte mich vorher mehr mit den Problemen von Anfängern beschäftigen müssen, bzw. ich hätte wohl tatsächlich das Ganze etwas schulischer aufziehen und vor die Tat (das Malen) erstmal den Rat, die Instruktionen setzen müssen, auch auf die Gefahr hin (die bei mir besonders hoch ist, da ich zum Schwafeln neige), den Leuten ein Ohr abzukauen.
Mein "didaktisches Konzept" lautete: Möglichst schnell die Leute losmalen lassen, ohne viel Zeit mit langwierigen Erklärungen zu verplempern.
Das war das falsche Konzept, ein paar mehr basics hätte ich, sei es inform eines Handzettels, sei es in mündlicher Form, vorher rüberbringen sollen, auch auf die Gefahr hin, daß die Nicht-Anfänger sich dann langweilen würden.
In einer paradoxen Situation befand ich mich (und befinde ich mich immer noch) aber vor allem, weil ich bei der Ölmalerei mit diesen schnell trocknenden Ölfarben kaum irgendwelche Probleme erkennen konnte. Das Einzige, was ich selbst in der Ölmalerei immer etwas kompliziert fand, war das Trocknungsverhalten der Farben, dessentwegen ich früher eine Menge über die Chemie der einzelnen Farbpigmente auswendig lernte. Diese Kompliziertheit fiel aber mit den im Kurs verwendeten Farben ziemlich flach. Und alle anderen "Probleme" sind mir inzwischen, obwohl ich sie früher sicherlich alle auch mal hatte, so selbstverstänlich, daß ich, der ich mein Publikum auch nicht dadurch beleidigen will, daß ich ihm Selbstverständliches sage, gar nicht auf die Idee komme, man müsse sie thematisieren.

Über eine "Demonstration" hatte ich nachgedacht und daher ja auch meine eigene Feldstaffelei mitgebracht. Aber das wäre dann auf ein "Vormachen" hinausgelaufen, wobei ich während des Malens nicht vernünftig formulieren kann (linke und rechte Hemisphäre im Gehirn... ;) ). Und mir war es wichtiger, daß die Leute selbst malen.

Naja, beim nächsten Mal bin ich schon ein gutes Stück klüger, auch dank Deiner Anmerkungen hier! :)
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Beitrag von Triton » 23. Okt 2010, 14:15

Ich habe ja den Workshop und dich, Hank sowie viele Teilnehme beobachtet. Ganz so vernichtend würde ich das Urteil aber nicht formulieren wie du es getan hast.

Im groben und ganzen fand ich es auch ganz gut und interessant. Du hast recht, dass die große Idee die du vermitteln wolltest, nicht klar geworden ist. Auch grundlegende Sachen kamen bei vielen garnicht/verspätet an (wofür terpentin, wofür das andere Zeug usw.). Das wäre mir teilweise auch nicht klargewesen.
Vielleicht hättest du nicht gleich mit dem malen anfangen lassen sollen, sondern eben erstmal ein paar Minuten einen kleinen Vortrag halten sollen,
worum es dir eigentlich geht.

Nichts desto trotz fand ich deine "Detail"-Hinweise sehr gut und einfühlsam. Also wenn du um die Tische gegangen bist und den Teilnehmern direkt Hinweise gegeben hast. Wenn ich immer direkt Hinweise gebe wenn andere malen/zeichnen wird das immer totdiskutiert :-/.

Als ganzes war die Organisation gut - schließlich hat jeder Teilnehmer nachher ein cooles Bild hinbekommen. Und sie waren eigentlich ausnahmslos gelungen fand ich. Was schlecht war ist die Tatsache, dass mir z.B. garnicht kla geworden ist, dass du geplant hattest jeder solle das gleiche Motiv 2x auf kalter/warmer grundierung malen. Das habe ich erst verstanden, als du es hier geschrieben hattest. Ich schätze die meisten Teilnehmer hatten das auch so verstanden wie ich und haben sich einfach für eines entschieden und an die andere ganicht mehr gedacht.

MisterPrickle
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Beitrag von MisterPrickle » 24. Nov 2010, 17:48

wow, danke! superinteressante Einsicht! :shock:

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ThomasVeil
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Beitrag von ThomasVeil » 14. Mär 2011, 21:33

Auch ein Wow von mir - echt interessant zu lesen.
Ich war zwar nicht dabei (und wahrscheinlich liesst das hier in dem alten Thread und abgelegenen Forum eh keiner), aber trotzdem mal meine 2 Euro-Cent.

Es wurde hier ja schon mehrfach angesprochen: Das unterschiedliche Skill-Level der Teilnehmer ist ein echtes Problem. Vielleicht sogar noch mehr als Dir bewusst ist. Das Dreyfus Model of skill acquisition koennte fuer Dich aufschlussreich sein: Dort werden Lernende in 5 Kategorien eingeteilt - von 1 wie Anfaenger bis 5 wie Experte.

Das verknuepft sich hier auch ein bisschen mit der Frage "soll man die Arbeitsschritte einzeln in Angriff nehmen, oder alles auf einmal". Das Dreyfuss model geht auch darauf ein - wenn Menschen lernen dann ist es oft gut die Dinge auf zu teilen - ein Experte allerdings sieht alles als Ganzes. Er folgt nicht mehr einzelnen Regeln - die bekommen unwichtig fuer ihn. Das erklaert auch warum Artvandely anders arbeitet.

Das fuehrt am Ende dazu dass man nicht nur (wie du ansprichst) man den Anfaengern natuerlich 10 mal mehr erzaehlen muesste - es ist auch so das das Denken so verschieden ist, dass sich ein Experte mit einem Anfaenger kaum verstaendigen kann.

Folglich sind die Anfaenger von deiner tiefen Einsicht verwirrt die du im Thema rueberbringen wolltest. Ich fand das hier echt interessant zu lesen, kann mir aber vorstellen dass man schon ein paar Jahre Erfahrung haben muss um perfekt zu verstehen was du meinst. (Das hab ich auch immer mit Kunstbuechern - oft kapier ich die erst wenn ich die nach 3 Jahren nochmal lese).
Die Leute im Kurs die selber schon weiter waren, die haben dann eher die kleinen Regeln ignoriert - weil es fuer sie normalerweise einfach keine Rolle mehr spielt. Ist auch ne gute Einsicht dass man sich selbst als erfahrener Maler oft mal zurueck nehmen muss.

Ums mal auf direkte Umsetzung zu bringen: Vielleicht waere es zum einen besser nicht so eine tiefgruendige These anzugehen, wenn man Anfaenger im Team hat. Sowas waere besser fuer einen einfachen Talk ohne Workshop. Oder man versucht gezielt nur Leute mit einem Minumum an Erfahrung zuzulassen, wass dann auch hilft die Zahl zu verringern.

Aber allein schon dein Text hier wars die Muehe wert denk ich :D
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Chinasky
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Beitrag von Chinasky » 16. Apr 2011, 14:42

Hehe, ja, Du kamst recht spät mit Deinem Posting. War dennoch interessant, Dein "verspäteter Beitrag" - nur meine limitierten Englischkenntnisse veranlaßten mich, mal im deutschen Wikipedia nachzuschauen - und dort ist das Kompetenzmodell sogar ausführlicher und anschaulicher dargelegt:
Hier! :)

Interessant ist, daß es wohl in den unterschiedlichsten Lebensbereichen dennoch ein zumindest halbwegs vergleichbares chonologisches Schema gibt, nach welchem sich jemand die unterschiedlichen Kompetenzstufen nach und nach aneignet.
Es genügt nicht, keine Meinung zu haben. Man muß auch unfähig sein, sie auszudrücken.

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Beitrag von ThomasVeil » 16. Apr 2011, 21:24

Hehe, hast'es also doch noch gesehen :)
Danke fuer den Hinweis - stimmt, der Deutsche Artikel is aufschlussreicher. Finde das Thema echt interessant.
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