Faktoren für digitale Zeichenlust

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M.Reisacher
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Faktoren für digitale Zeichenlust

Beitrag von M.Reisacher » 30. Mär 2017, 13:36

Hallo zusammen,

während der Recherchen für meine Masterarbeit zum Thema: "Digitale Zeichenlust" bin ich auf dieses interessante Forum gestoßen. Dabei habe ich mit Erstaunen euere ausführlichen Diskussionen zum digitalen Zeichnen mit Zeichensoftware und Grafiktablets verfolgt. Finde ich großartig, wie super man sich da gegenseitig austauscht. :!: :!:

Nun ist es so, dass mir die Fachliteratur schon allmählich zu den Ohren herauskommt :x und mich es vielmehr interessiert, was ihr als Community für persönliche Meinungen und Anregungen habt.

Es würde mich also sehr freuen, wenn der Ein oder Andere von euch kurz berichtet, welche Faktoren für ihn die Lust am digitalen Zeichnen ausmachen.

Ich freue mich auf eure Antworten und viele Grüße

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Kobar
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Beitrag von Kobar » 30. Mär 2017, 18:34

Was meinst du denn mit Fachliteratur?

Nur ein paar fixe Stichpunkte:

Pro:
- Ich kann jederzeit zu einem bestimmten Schritt, bei dem ich vor zig Stunden oder Tagen war, zurückspringen, wenn ich mich mal verrannt habe
- Der Weg vom Dunkeln ins Helle zu arbeiten, ist sehr viel angenehmer als im Analogen, wo man schnell Matschfarben bekommt oder gerade bei Öl ewig warten muss oder es bei Aquarell quasi nicht möglich ist
- Einfaches Ändern der kompletten Licht- und Farbsituation
- Besonders gut für Livepaintings -> siehe Artur Fast oder Anthony Jones
- Viele zeitsparende Elemente wie das Erstellen von prozeduralen Elementen oder Spiegeln, etc.
- Tools wie Alchemy oder Tilt Brush bringen neue Formen und Ideen außerhalb der klassichen Medien oder sind einfach gelungene Zeitvertreibsmöglichkeiten
- Bei einem Fehlversuch oder Übungen hat man nur etwas Strom verbraucht (na gut... die Lebensdauer der PC-Elemente sinkt auch mit der Zeit)

Kontra:
- Das Bild in den "realen" Raum zu bringen ist extrem schwierig. Das mag bei abstrakten Sachen funktionieren oder wenn man mit dem Material arbeitet (Linien ätzen lassen oder so ...), aber ein klassisches Fantasy-Artwork, von mir aus ein bisschen überstilisiert, sieht als normaler Druck immer Scheiße aus.
- Man speichert sein A0 Poster aus Versehen mit 800 Pixeln, nachdem man nur eine Vorschau exportieren wollte ... (und man merkt es erst, nachdem man es geschlossen hat)
- Anerkennung meist niedrig. Ein Carl Barks kann sich damit schmücken, jeden Goldtaler im Geldspeicher gemalt zu haben, aber bei einem Photoshopbild geht man automatisch von einer prozeduralen Vorgehensweise und dem "Schönmach"-Knopf aus. Es kann aber auch 1000 andere Gründe haben, z.B. einer Flut der digitalen Bilder in vielen Bereichen (die Sympathie des Underdogs), man braucht eine gewisse Übung damit nicht alles glatt und kalt aussieht, digitale Bilder sind hauptsächlich in der Dienstleistungsbranche verwurzelt und die Debatte ob Illustrationen nun Kunst sind oder nicht, ist Jahrzehnte alt (lustigerweise aber nicht Jahrhunderte alt...) und das digitale Atelier bestehend aus Computer, schwarzem Bildschirm und Tablet stinkt immer gegen ein normales Atelier mit Leinwänden, rumstehender Farbe, Modellen, etc. ab.

(- Jeder Kunde will mindestens zehn Änderungen ...)
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Beitrag von aeyol » 30. Mär 2017, 21:03

Was ich dem bereits genannten noch hinzufügen würde:

Pro:
+ In Bilder hinein- und rauszoomen können, während man daran arbeitet. Das ermöglicht sehr detaillierte Resultate (wenn man möchte/das Ziel hat)
+ Flexibilität im Stil: digitale Kunst kann klischeehaft plastikmäßig und künstlich aussehen, aber eben auch wie mit Bleistift gezeichnet oder als sei ein Bild mit Aquarell oder Öl gemalt.
+ mit diesem einen Werkzeug ist von Fotorealismus über Cartoon alles möglich, wenn man weiß wie man es benutzt. Man braucht also kein riesiges Atelier voller Farben, verschiedenster Pinsel, Papiersorten, Leinwände etc., sondern hat das "Atelier" kompakt am Schreibtisch.
+ nondestruktives Arbeiten möglich (von Kobar schon angedeutet)
+ für industrielle Weiterverarbeitung sind Bilder, die direkt digital erstellt werden, unkomplizierter in der Weiterverarbeitung (zum Beispiel für Animation/Video-Effekte), weil sie nicht erst digitalisiert werden müssen - sie fügen sich also leichter in den Workflow ein. Natürlich gibt es Flow auch in Industrien, die auf traditionelle, nicht-digitale Arbeit angewiesen sind, aber hier sind die Einstiegshürden geringer (man braucht keine tollen Fotoapparate oder Scangeräte oder gar wirklich teure industrielle Hardware, die man als einzelner Künstler gar nicht zur Verfügung hat)
+ immer mehr Auswahl an Mal-Software, die intuitiver zu bedienen ist und Funktionen mitbringt, die die Arbeit damit angenehmer machen - auch kostenlos/open source.
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Beitrag von schlummi » 31. Mär 2017, 00:01

Was meinst du denn mit Fachliteratur?
Das würde mich auch interessieren! Im Besonderen die Mengen, die "zu den Ohren herauskommen" drohen. o_O

btw. es ist ein Medium, eine Technologie, das hat mit "Lust" gar nix zu tun. Hmmm... könnte man sagen: "MP3 Hörenlust", oder "ABS Bremsenlust"? Isses noch deutsch? :D

M.Reisacher
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Beitrag von M.Reisacher » 31. Mär 2017, 08:44

Hallo,

danke erst einmal für euere Antworten.

Als Kunstlehrer habe ich von Fachliteratur speziell zur Jugendzeichnung/digitalen Jugendzeichnung/Einsatz digitaler Medien im Unterricht gesprochen:
Habe mich zunächst durch die ganze Literatur zur zeichnerischen Entwicklung bis zum Jugendalter geackert. Man stößt dann auf das Phänomen, dass Jugendliche in gewissem Alter die Lust am Zeichnen verlieren (sog. "Verlust der Kinderzeichnung" oft wird sogar vom "Tod der Kinderzeichnung" gesprochen). Als Ursachen werden dafür häufig Unzufriedenheit mit der eigenen Zeichnung hinsichtlich der Realitätsnähe, Divergenz zwischen Darstellenwollen und Darstellenkönnen, fehlende Perspektive, fehlende Geduld und Ausdauer, unzureichende kunstpädagogische Angebote und Hilfestellungen ... genannt.

Das ist ein Grund, warum das Jugendalter/Erwachsenenalter bezüglich der Literatur etwas dünn behandelt wird, neuerdings aber mehr Beachtung findet. Es gibt dazu Abhandlungen und Untersuchungen von C.Kirchner, J.Kirschenmann, A.Mohr, ...
Dabei wurde gezeigt, dass digitales Zeichnen/Malen Potentiale bietet, dem besagten Absturz der Zeichnelust entgegenzuwirken.

Weiter kommen Bildtheoretische Aspekte zum tragen, z.B. Diskussion um Original und Reproduktion... (K. Guminski)

Mein Ziel ist es nun Faktoren der digitalen Zeichnung zu bestimmen, die für diese Lust verantwortlich sind, so dass es vielleicht schon im KuU geschafft werden kann, die Zeichenlust aufrecht zu erhalten und auch im Erwachsenenalter nicht jeder zweite von sich behauptet, er könne nicht zeichnen (überspitzt gesagt).

Habe mir Überlegt, die Faktoren in folgende Kategorien aufzuteilen:
- Faktoren vom Medium (software/hardware) ausgehend
- Faktoren vom Akt des Zeichnen ausgehend
- Faktoren vom Zeichner ausgehend
- sonstige Faktoren

Insofern denke ich, viele eurer Antworten (Reversibilität, offenes prozesshaftiges Arbeiten, Ebenentechnologie, niedrige Hemmschwelle, Beherrschung des technischen Mediums, Positive/negative Rückmeldung, ... etwas falsch machen zu können lassen sich schon sehr gut zuordnen.

Ich wollte in meiner Eingangsfrage etwas allgemein bleiben, und mich nicht nur auf Jugendliche beschränken, damit sich keiner ausgeschlossen fühlt, und weil es ja letztlich ja sowieso alle Altersstufen betrifft.

Was haltet Ihr von meiner Herangehensweise? Gibt es Tipps bzgl. Software, die ein aufgeräumtes Interface bietet und sich zum Arbeiten mit Jugendlichen eignet. Hatte an SketchBook Pro gedacht, mit dem ich sehr gute Erfahrungen gemacht habe.

Danke und Grüße

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aeyol
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Beitrag von aeyol » 31. Mär 2017, 18:54

Hm, für mich klingt das auch danach, als sei es gar nicht unbedingt sinnvoll/notwendig, das Thema aufs Digitale zu beschränke, wenn es *eigentlich* um Motivation geht und überhaupt die Lust/das Interesse, sich künstlerisch auszudrücken. Ich würde da zumindest auch Faktoren berücksichtigen wie weitere Interessen und Hobbies, und wie die sich mit dem Zeichnen verbinden und umsetzen lassen. Ich meine, man muss doch auch etwas haben, was man zeichnerisch darstellen möchte. Zum Beispiel Autos. Wenn man sich ohnehin schon für Autos interessiert, dann ist es doch schonmal motivierender, Auto-"Anatomie" zu lernen (und Techniken, ein Auto überzeugend darzustellen), als die von Menschen. Für den Anfang.

Inspiration und Ideen braucht man fürs digitale Zeichnen genauso wie fürs Traditionelle. Die digitale "weiße Leinwand" kann genauso schrecklich sein wie die traditionelle. Es ist gut, einen "Grund" fürs Zeichnen zu haben.
Merkt man auch später, wenn man sich für ein Studium bewirbt und eine Mappe präsentieren muss, dass Arbeiten, die einfach nur kopiert sind, oft nicht so gut ankommen wie ein Thema, mit dem man sich gedanklich und bildnerisch auseinander setzt.

Das (digitale) Zeichnen könnte nur ein Teil dieser Auseinandersetzung mit einem Thema sein. In der Schule/Jugend würden sich doch zum Beispiel fachrichtungs-übergreifende Projekte anbieten zum Thema Geschichte oder Musik/Geschichte der Musik, wo es stilistisch auch immer ein "zeichnerisches Drumherum" aus der jeweiligen Zeit geben kann. Interessiert sich ein Jugendlicher für Rap, könnte er versuchen, sich selbst im Rapper-Style zu portraitieren, und lernen, was diesen Style überhaupt ausmacht - Charakterdesign.


Zu kleinen Tools kann ich jetzt keine Empfehlung aus eigener Erfahrung geben, weil ich dann letztendlich doch immer wieder bei Photoshop lande. Aber du könntest dir vielleicht noch Krita anschauen: https://krita.org/en/ - und selbst vergleichen.

So richtig Spaß macht digitales Malen und vor allem Zeichnen erst mit einem Grafiktablett - steht den Jugendlichen sowas in der Schule zur Verfügung?
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Beitrag von M.Reisacher » 3. Apr 2017, 10:56

Hm, für mich klingt das auch danach, als sei es gar nicht unbedingt sinnvoll/notwendig, das Thema aufs Digitale zu beschränke, wenn es *eigentlich* um Motivation geht und überhaupt die Lust/das Interesse, sich künstlerisch auszudrücken. Ich würde da zumindest auch Faktoren berücksichtigen wie weitere Interessen und Hobbies, und wie die sich mit dem Zeichnen verbinden und umsetzen lassen. Ich meine, man muss doch auch etwas haben, was man zeichnerisch darstellen möchte. Zum Beispiel Autos. Wenn man sich ohnehin schon für Autos interessiert, dann ist es doch schonmal motivierender, Auto-"Anatomie" zu lernen (und Techniken, ein Auto überzeugend darzustellen), als die von Menschen. Für den Anfang.
Ja das stimmt. Man könnte diesen Einflussfaktor "Sujet der Zeichnung" oder allgemein "Aufgabenstellung/Sujet" nennen.
Hm, für mich klingt das auch danach, als sei es gar nicht unbedingt sinnvoll/notwendig, das Thema aufs Digitale zu beschränke, wenn es *eigentlich* um Motivation geht und überhaupt die Lust/das Interesse, sich künstlerisch auszudrücken.
An sich gebe ich dir da Recht, nur im Bezug auf den Kunstunterricht scheint es laut Literatur so zu sein, dass im Jugendalter bei Vielen die Zeichenlust nachlässt. Es richtet sich die Herausforderung also an den Unterricht/Lehrer, adäquate didaktische Methoden zu finden um dem entgegenzuwirken. Wenn ich in meiner Studie nun untersuchen will, ob die digitale Zeichnung dahingehend Potentiale hat, und falls ja, welche (Faktoren) das sind, muss ich mich schon auf das Digitale beschränken. Untersuchungen müssen immer so nahe wie möglich am Forschungsgegenstand sein - ist leider so :wink:
So richtig Spaß macht digitales Malen und vor allem Zeichnen erst mit einem Grafiktablett - steht den Jugendlichen sowas in der Schule zur Verfügung?
Ja das ist völlig nachvollziehbar, weil es ein natürlicheres Zeichenerlebnis ermöglicht. Die Ausstattung ist leider von Schule zu Schule unterschiedlich und der Kunstunterricht hat (leidergottes) im Vergleich zu anderen Fächern einen schwereren Stand was Ausbildungsmittel angeht. Mittlerweile gibt es im Rahmen der Digitalisierung ganze "iPad-Klassen", in denen digitales Lernen stattfindet. Ein weiterer Faktor ist da auch immer die Lehrerperson. Wenn diese selbst nicht fit mit digitalen Medien ist, wird sie kaum darin unterrichten können - das ist aber ein anderes Thema.

Danke für den Softwaretipp - schaue ich mir mal an... werde demnächst die Planung der Untersuchung angehen...

Grüße

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Kobar
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Beitrag von Kobar » 3. Apr 2017, 15:07

Es kommt für mich auch so vor, als ob es eher um Pädagogik im Allgemeinen geht. Ich bin damals auch aus dem Schachclub ausgetreten trotz eines eigenen Schachcomputers.
Dieser plakative Tod der Kinderzeichnung ist wohl eher eine Beobachtung, dass das freie Spiel abnimmt. Irgendwann wollen viele in einer Tätigkeit besser werden, um weiterhin Spaß zu haben (ich nenne es mal Selbstzweck) oder sie wollen besser werden, um später etwas Anderes zu erreichen (Fremdzweck).
Da hilft es der Motivation, auf ein Ziel zuzuarbeiten und kleine Lernschritte zu dokumentieren.
Das Betty Edwards Buch hilft zum Beispiel beim Zeichnen lernen. (Nicht aus dem Kopf, aber das zumindest schon mal das Abzeichnen, was der Motivation auch hilfreich ist)
Die Kreativität kann z.B. durch ein gemeinsames Projekt in Gang gesetzt werden. Ich habe als Jugendlicher mit dem Zeichnen angefangen, weil ich mit meinem Kumpel ein RPG-Maker-Spiel machen wollte. Er wiederum hat mit dem Zeichnen aufgehört, weil er merkte, dass ihm das Erzählen von Geschichten besser liegt.
Eine Freundin hat damit angefangen, weil sie einen Manga zeichnen wollte u.s.w.

Ich würde in diesem Zusammenhang vielleicht zu einem kleinen interdisziplinären Gruppenprojekt raten, z.B. Gestaltung eines Buches (abwechselnd Gedichte, Illustrationen, Fotografie, Geschichten) oder der Organisation eines Theaterstücks/Installation mit digitalen Projektionen, Musik, Bühnenbild...
Wenn man unbedingt digitale Zeichenmethoden verwenden will, würden sich auch Spieleprojekte anbieten. Einfache und billige Engines wären der genannte RPG Maker oder Visionaire Studio. Ein Tablet wie von ayeol erwähnt ist ein Muss.
Das ist natürlich innerhalb des Kunstunterrichts etwas problematisch, wenn JEDER was zeichnen soll und ich würde es schöner finden, wenn man sich einen Bereich aussucht, in dem man sich innerhalb des Projektes kreativ austoben möchte...
Mhh wie setzt sich denn diese Statistik zu dem Motivationsschub zusammen? Was wurde denn für Software/Hardware verwendet und wurde nur direkt danach gefragt, ob es den Leuten gefallen hat oder auch mal ein halbes Jahr später? Kurzzeitmotivation hat wohl jeder in vielen Bereichen und ist ganz normal ... Ich kann mir schlecht vorstellen, dass man jemanden vors Tablet setzt und er auf einmal eine Dauermotivation verspürt zu zeichnen (daher könnten die Projektideen helfen) ... In welchen AG's ich damals mitgemacht habe und wieder ausgetreten bin, kann ich gar nicht mehr zählen ... und es war gut so. In Volleyball bin ich nur geblieben, weil ich in ein Mädchen verknallt war ;) In der Statistik hätte ich danach ausgefüllt, dass es mir sehr gut dort gefällt und die neuen Volleybälle fantastisch sind!

Nochmal etwas Offtopic: Ich bin auch etwas skeptisch, das Zeichnen als einen Wert zu betrachten. Ähnlich wie das Singen sehe ich den Mangel an dieser Fähigkeit im täglichen Umgang eigentlich nie als störend an. Rhetorik wäre dagegen schon ein anderes Kaliber ...
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Chinasky
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Beitrag von Chinasky » 3. Apr 2017, 23:43

Der "Tod der Kinderzeichnung" ist m.A.n. vorzüglich auf das Versagen der erwachsenen Bezugspersonen zurückzuführen. Da kommen mehrere Faktoren zusammen:
1. Das Vergöttern jedes kleinen Furzes, denn die Kleinkinder so von sich geben. Jedes Gekritzel wird ausführlichst gelobt und interpretiert. Die Erzeugnisse von Kleinkindern werden schlicht überbewertet. Da die Kids noch gar nicht selbst erkennen können, wo sie was "gut" machen und wo nicht, sind sie abhängig vom Feedback der Erwachsenen. Da sie fortwährend gelobt werden, wenn sie "kreativ" sind, machen sie's gern und engagiert.

2. Dann kommt die Phase, wo erstens die Cuteness der Kleinen ein bisserl zurückgeht und zweitens die Kleinen merken, dass zum Zeichnen/Malen wie zu allen anderen Fertigkeiten Ausdauer und Fleiß gehören. Ausserdem lernen sie langsam, gute von schlechten Ergebnissen zu unterscheiden. Gut - das ist das, was man machen will. Schlecht - das ist das, was man hinkriegt, so ganz ohne Skills.

3. Und genau zu diesem Zeitpunkt versagen die Erwachsenen - während das Kind z.B. beim Sprechenlernen ständig korrigiert wird, geschieht das beim Zeichnen/Malen nicht. Da die meisten Erwachsenen nicht zeichnen können (und sie können es tatsächlich nicht, weil sie's nicht gelernt haben), können sie den Kids auch nicht helfen, besser zu werden.

4. Bühne frei für den schlechten Kunstlehrer/die Kunstlehrerin. Herrjeh - die können ja i.d.R. selbst nicht vernünftig zeichnen. Ich weiß das, denn ich hab anfangs auf Lehramt studiert. Bis ich dann merkte, dass nur die schlechtesten MalerInnen an der Akademie auf Lehramt studierten... Lernen geht über nachmachen. Aber unsere Kunstlehrer damals konnten nix vormachen, was nachzumachen sich gelohnt hätte. Ich glaube kaum, dass Kunstlehrer heute viel besser sind. Und KindergärtnerInnen und Mütter (die ja den Löwenanteil der Erziehung der Kleinkinder wuppen) schon erst recht nicht. Von wem soll das Kind dann, wenn es merkt, dass es da Skills zu erlernen gäbe, lernen?

Einschub: Das versagen der weiblichen Erziehung. Gerade Jungs haben so ab 7 oder 8 Jahren keinen Bock mehr auf Bilder mit Mama, Papa, Haus und Blumen, Vögeln und Kätzchen im Garten. Überhaupt sind Blumen nicht besonders geil. Jungs wollen Waffen malen und Krieg und Wumms und Autos und Krach und Supermänner, die Superschurken den Arsch versohlen. Explosionen und Panzer! Ufos und mächtig blutrünstige Dinos.
Aber dafür werden sie genausowenig gelobt wie dafür, wie genial sie das Knallen von Pistolen und Winchestergewehren nachahmen können, wenn sie Cowboy und Indianer spielen. Erzieherinnen finden das doof. Gewalt sollen die Kinder nicht lernen. Und also bringt man ihnen vorsorglich auch nicht bei, wie sie einen Panzer perspektivisch richtig zu Papier bringen...
Kinder, insbesondere Jungen, werden im Alter zwischen 8 und 12 praktisch hängen gelassen: das, was sie zeichnen möchten, sollen sie nicht zeichnen, weil das irgendwie politisch nicht korrekt ist, wenn Kinder Bilder mir Gewalt und Radau pinseln. Und selbst, wenn hier die politische Korrektheit mal aussen vor gelassen wird, fehlen die Vorbilder, die Lehrer, die vormachen, wie's geht.

Stellt Euch mal vor, bei Euch in der Grundschule oder in der Unterstufe auf'm Gymnasium wären richtig gute Comiczeichner oder concept artists gewesen, die Euch schon im Alter ab 10 Jahren ihre Tricks hätten beibringen können! Wie geil wäre das bitteschön?! Ich könnte heulen, wie meine besten Jugendjahre verplempert wurden - nicht mal an ausreichend Comix kam ich Dorfkind heran! Hätte es nicht einmal im Urlaub jemanden im Hotel gegeben, der den jungen Damen Elvis-Portraits und Rosen zeichnete und der für uns Kids Raketen und Raumschiffe mit Kugelschreiber auf Billigpapier warf, die von Robotern gecrasht wurden - ich wäre vermutlich auf die Idee gekommen, öfter mal den Zeichenstift zu schwingen. Fragt Euch mal, warum Picasso schon mit 18 perfekt gegenständlich zeichnen konnte! Weil er einen Vater hatte, der's ihm beibrachte. So, wie Mozart oder Beethoven halt auch Eltern hatten, die ihnen früh zeigen konnten, wie das ging mit dem Klavierspielen.

Zeichenlust - die kommt irgendwann wie die Lust am Klavierspielen. Wenn man's kann, wenn man schon viel geübt hat, wenn man's beigebracht bekam.
Es genügt nicht, keine Meinung zu haben. Man muß auch unfähig sein, sie auszudrücken.

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Beitrag von M.Reisacher » 4. Apr 2017, 14:23

Erst mal vielen Dank für eure ausführlichen Antworten!!

Also genau gesagt wollte ich mit meiner Frage keine ausufernde Debatte über schlechte Kunstlehrer, demotivierende Elternurteile, schlechte Erziehung, Picasso usw. auslösen :?

Wenn ich mir besagtes Buch von Betty Edwards so anschaue, steht dort das Phänomen, welches mich interessiert genau beschrieben (S. 99ff.). Es geht mir hauptsächlich um euere Meinung, ob das digitale Zeichnen Jugendlichen Möglichkeiten bieten kann, ihren Gestaltungswillen aufrecht zu erhalten, wenn sie im analogen Zeichnen an ihre Grenzen stoßen.

Bisher wurden die Möglichkeiten der Reversibilität, Einzoomen für mehr Detailgenauigkeit, gleichzeitiges Modifizieren mehrerer Bildteile (Integralität), ... genannt. Gibt es eurer Meinung nach dahingehend noch weitere Aspekte?

Ich weiß, dass die Qualität des Kunstunterrichts ein schwieriges und interessantes Thema ist, aber es ist eben auch ein völlig anderes.

VG

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Beitrag von Kobar » 4. Apr 2017, 15:00

Och schade, ich hätte gerne deine Meinung zu ein paar der genannten Punkte gehört. Immerhin hast du dich dazu belesen.
Ich komme mir so ausgemolken vor ;)

Eine Kombination aus genannten Punkt ist, dass es einfach praktischer zu handhaben ist, wenn dein gewünschtes Endprodukt auch im Digitalen stattfindet
-> Du hast keine Probleme, dass das Bild vor und nach dem Scan oder dem Abfotografieren total unterschiedlich aussieht, du hast keine Trocknungszeiten, du kannst einfach vom Dunkeln ins Helle arbeiten und zum Schluss die komplette Farbgebung einfach ändern (deine Reversibalität) -> es ist schneller bei gleichzeitigem großem experimentellen Spielraum (und ab einer gewissen Masse auch billiger. Leinwände und Farbe sind teuer)
-> Dadurch, dass es praktischer ist, kann es motivationsfördernd sein, da du dem Projektziel schneller entgegenkommst. Viele, die den Gestaltungswillwn in sich tragen, wollen vermutlich in der Industrie, dem Film oder an Spielen arbeiten und sie wissen, dass sie dazu digitales Gestalten brauchen.

Und nochmal Offtopic:
Das reine Experimentieren mit einer neuen Technik ohne Ziel wird höchstwahrscheinlich keine Motivation fördern auch wenn wir dazu schon sehr viele Programme gesammelt haben, die dich sich krass vom traditionellen Malen unterscheiden. Ich kann da für mich sprechen und ich bin mir sehr sicher, dass mir ein Rumkritzeln in Krita, Alchemy oder Tilt Brush bestimmt nur ein kleines Lächeln für den Nachmittag auf die Lippen gezaubert hätte. Ds erinnert mach an einige Marmorier- und Batiknachmittage, "die den Künstler in dir wecken" ... Chinasky beschreibt ein Idol, das ihn zum Zeichnen gebracht hat.
Eine Auswahl an coolen Projektideen im Digitalen oder Projektleitern ist also meiner Meinung nach Pflicht.

Ich finde, man kann solche Theorien durchaus im Schlussteil seiner Arbeit mit unterbringen, da es immer mehrere Faktoren gibt.
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Beitrag von mone1 » 4. Apr 2017, 21:13

welche Faktoren für ihn die Lust am digitalen Zeichnen ausmachen.

- Nicht immer Materialien bereithalten/ -legen müssen (Pinsel, Farben, Leinwand, Papier, Feder, Tusche, Bleistift u.s.w., kein lästiges kleckern, schmieren, sich wellen, verblassen oder altern der Materialien (UV-Licht, feuchte Lagerung)
- kein Material - Müll. Nur Datenmüll;)
- In verschiedenen Stilen arbeiten können. Von fotorealistisch bis abstrakt. Von der Federzeichnung, über Scherenschnitt bis hin zur Collage, bis zum Aquarell. Das alles ist umsetzbar, bzw. kann digital nachempfunden werden
- Kleinste Details ausarbeiten können, Lupe/ Zoom-Funktion oder auch weit wegscrollen, quasi das Bild aus der Ferne betrachten, Gesamtschau. Flotter Wechsel zwischen nah und Fern möglich.
- Spiegelfunktion, sehr gut, um zu überprüfen, ob das Bild "kippt"
- Bild in mehreren Variationen speicherbar, ggf. das gelungenste aussuchen
-Problemloses abzeichnen, pausen (Kinder lieben pausen, natürlich nicht im Kunstunterricht) verkleinern vergrößern; sauber Linien zeichnen, Flächen füllen, Kreise zeichnen, Schattierungen anlegen. Ohne weitere Hilfsmittel
Auf verschiedenen Ebenen arbeiten können ( Hintergrund, Figuren etc.), räumlich arbeiten, Elemente sauber trennen
-als Gruppe an einem Bild arbeiten können. Schnelle Umsetzung eines Themas, Einzelschritte können zurückgenommen werden, Entwürfe sind schnell skizziert und können besprochen werden
- didaktische Themen können hier auch prägnant, schnell visuell erklärt werden

Meine Tochter habe ich leider nicht für das digitale Zeichnen begeistern können. Einmal hat sie es genutzt, um einen Charakter/ eine Szene zu zeichnen. Sie hat sich das in Windeseile erschlossen, ich hinke da heute immer noch hinterher. Man braucht eben das entsprechende technische Verständnis und Interesse, um sich das Medium zu erschließen. Das hatte sie schnell drauf, es blieb aber nur Mittel zum Zweck. Sonst hätte da durchaus mehr draus werden können.. .
Die Begeisterung wurde hier nicht durch das digitale Zeichenprogramm und seine Anwendungsmöglichkeiten - "Hilfsmittel" und seine Funktionen-geweckt. Aber, ich kann mir vorstellen, dass das bei Kindern und Jugendlichen sehr gut funktionieren KANN :) (Die E-Gitarre, hat es quasi ja auch geschafft das Gitarrenspiel zu revolutionieren :D )

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Beitrag von Kobar » 4. Apr 2017, 23:05

Hat sich deine Tochter nur für das digitale Malen nicht begeistern können oder war es generell nichts für sie (bisher)?
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Beitrag von mone1 » 5. Apr 2017, 09:59

Sie hat sich nur nicht begeistern können. Das Ergebnis war durchaus ansehnlich. Ich muss sie mal fragen, woran das genau lag. Vielleicht kommt sie ja irgendwann darauf zurück:)

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Beitrag von M.Reisacher » 5. Apr 2017, 15:49

welches alter hatte deine Tochter damals?

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Beitrag von mone1 » 5. Apr 2017, 21:14

Sie war schon 17 Jahre alt. Hat aber schon mal früher so ein Pferdchen gezeichnet, Mit ca 8 - 10 Jahren, War aber mehr so ein gekritzle. Ich glaube fest daran, dass es auch ganz anders hätte kommen können. M.M. nach ist das auch stark vom Kind abhängig, seine Sicht auf die Dinge. Vielleicht war das Feld "digitales Zeichnen" auch bereits durch mich belegt, so wie auch Geschwister sich in ihren Hobbys und Interessen unterscheiden wollen, um außerhalb der Konkurrenz zu bleiben.
Also, das ist jetzt wohl nicht repräsentativ, wie das bei uns gelaufen ist. Das hätte sicher auch anders kommen können. Ich habe sie auch nie begeistern wollen, "getrieben" das klappt oft eh nicht (weil Eltern!)und die kids gehen nur in die Offensive. Vielleicht kommt sie von selbst mal auf den Geschmack.

Ich finde es eine gute Idee das digitale Zeichnen im Schulunterricht fest zu installieren. Das wäre gut und es würde mal Zeit.. .

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Beitrag von Kobar » 6. Apr 2017, 12:20

Naja gut Reisacher. Offenbar wird das hier kein Dialog/Diskussion. Schade.
Hast du die Frage auch in anderen Foren gepostet und kannst du die Links hier lassen? Mich würde schon interessieren, was es noch so für Meinungen dazu gibt.
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Beitrag von M.Reisacher » 6. Apr 2017, 13:06

Habe bis dato nur hier im Forum gefragt, aber wenn Interesse besteht, kann ich die Ergebnisse meiner kleinen Untersuchung dann gerne hier kundtun. :)

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Beitrag von Kobar » 6. Apr 2017, 14:50

Sehr gern!
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schlummi
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Beitrag von schlummi » 7. Apr 2017, 00:17

Ich habe sie auch nie begeistern wollen, "getrieben" das klappt oft eh nicht (weil Eltern!)
Ich finde es eine gute Idee das digitale Zeichnen im Schulunterricht fest zu installieren. Das wäre gut und es würde mal Zeit.. .
Ja, genau, da Du viel zu lieb bist um Deinen Kids die "Antreibung" zu zumuten, soll das die Schule besorgen? Also alle die Mitbürger/innnen die in der Mehrheit sich selbst zu einem richtigen Beruf nicht antreiben könnten? Von etwa nem Dutzend meinen Bekannten mitm Lehramt würde ich nur einem ne gewisse pädagogische Interessiertheit bescheinigen, und der ist auch als einziger, der nicht in ner regulären Schule tätig ist. Der Rest konnten sich für nix entscheiden aber Beamtensicherheit haben wollten und warten jetzt auf die Rente. :D

Nichtsdestotrotz bin ich für ein ordentliches Kunst-Unterricht in der Schule. Denn wenn's klappt, werden flächendeckend Kinder mit ner richtigen Kunstallergie gezüchtet. Ein doofe/r Student/in von heute sichert mein Job von morgen!* (Der Spruch ist schon für ein T-Shirt gesichert!) :D

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Beitrag von mone1 » 7. Apr 2017, 18:24

off Topic
@schlummi, sie treibt sich selbst zu Höchstleistungen an, in ihren Bereichen. Das ganz ohne mein Zutun. Lebt ja inzwischen auch selbständig und ich muss keine Schulbrote mehr schmieren:)
Das kann man nicht von jedem Kind sagen, das erfolgreich die Schullaufbahn überstanden hat. Oder? Wenn du mich fragst: ich bin mit ihr zufrieden und sie ist es auch. Ich weiß nicht, wo das Problem ist. Du wirst es mir sicher sagen?! Erstaunte Grüße.
Ich meine nur: manche Kinder brauchen alles vorgekaut und manche Vorbilder. Das zweite möchte ich sein. Das ist hier offensichtlich anders rüber gekommen.
Vielleicht kennst du einfach zu viele frustrierte Lehrer. Es gibt auch viel zu viele frustrierte Schüler. Ich kann nur mal Gerald Hüther (YouTube) empfehlen und das was er über Pädagogik sagt. Hör ihn dir ruhig mal an. Die Schulen und das lernen funktioniert nicht richtig. Die Lust am Lernen geht einfach flöten. Die Meisten vergessen den größten Teil davon wieder. Das ist das Hauptproblem. LG

Die "Kunstallergie" entsteht hauptsächlich bei den Schülern, die damit eh nichts am Hut haben, keinen Spaß, vermeintlich kein Talent und keine Vorbilder. Zusätzlich frustrierte Pädagogen, die auch didaktisch keine Ideen mehr haben und leistungstreibende Eltern ("denk an Deine Noten, du willst ja studieren) Schluss mit Lustig, denke ich. Ist wie bei den Bundesjugendspielen. Da ging nie einer gerne hin, Ich hätte immer gerne noch einen zweiten Durchlauf gehabt, weils so schön war :P

P.S. Tochter malt in Acryl und Aquarell. Und das ist auch gut so :? Wir tauschen uns auch darüber aus, Erfahrungen, Fähigkeiten, Kenntnisse. Auch übers digitale Zeichnen, nicht in dem großen Umfang - aber es findet statt

Der eine Lehrer, der nicht frustriert an einer nicht regulären Schule lehrt, hat der sich dazu getrieben (Fleiß gegen Noten, sicheres Auskommen erwirtschaften, koste es was es wolle usw.) - oder macht er das was er macht aus Leidenschaft?

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schlummi
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Beitrag von schlummi » 27. Apr 2017, 19:50

@mone1
Es tut mir leid, ich hab das Gefühl, Du fühlst Dich angegriffen. War wirklich nicht so gemeint. Was ich gemeint habe, die (reguläre) Schule ist weder fähig noch dazu gedacht bei der persönlichen Entwicklung behilflich zu sein. Sondern eher im Gegenteil. Und das ist auch so gewollt. Die Schule ist da um von Staatsdiener Staatsdiener zu züchten. Es ist jetzt sehr zugespitzt und gewiss provokant, aber der Erfolg der Schule wird in der vermeidung des Miserfolgs gesehen. Eine/n "Verhaltensauffäligen" aus dem Kollektiv zu entfernen wird belohnt. Dass einer sich entwickelt ist ok solange er/sie nicht verhaltensauffälig wird. Sich mit Kunst zu beschäftigen fordert eine gewisse "Verhaltensauffäligkeit" und damit können und wollen die meisten Lehrer nicht konfrontiert werden. Zwar gibt es erfreuliche Ausnahmen, aber nur zu bestätigung der Regeln.
Selbstverständlich kenne ich Gerald Hüther, doch es wird hier zu weit führen. ;)
Die "Kunstallergie" entsteht hauptsächlich bei den Schülern, die damit eh nichts am Hut haben, keinen Spaß, vermeintlich kein Talent und keine Vorbilder.
Es entsteht weil es wahrscheinlich keine Lehrer gibt, die was von Kunst verstehen. Wie sollen sie die andere damit "anstecken"? Der Mensch, der irgendwas einigermassen drauf hat, geht in das Fach und nicht auf Lehramt. Gerade für Kunst auf Lehramt entscheiden sich die Leute, die hoffen besonders einfach durchzukommen. Ist ja keine Physik oder Mathe.
Googelt mal die von dem M.Reisacher erwähnte Prof. Dr. Anja Mohr "Professorin am Institut für Kunstpädagogik, Kunstpädagogin M.A., Künstlerin" Also, nicht nur eine Menge Titeln und Posten, sondern auch Künstlerin. Wenn man sie googelt findet man ein Haufen schnicke Profilbilder, aber kein einziges Kunstwerk. Also Künslerin im Geiste quasi. Virtuel. Ich pauschalisiere mal: Frau Prof. Dr. Anja Mohr ist keine Ausnahme. Sie Produziert mit ihrem Erfolg ihresgleichen. Hat mit Frustration nicht so zu tun.

Die aktuelle reguläre Schule hat die Aufgabe uns das Lesen, Schreiben und "Staatszuhörigkeit" beizubringen. Alle andere Aufgaben sollen diesem System entzogen werden. Denn an der Reformfähigkeit so wie -willigkeit hätte ich ernsthafte Zweifel.

Noch mal sorry, Dir zu nah zu treten war kein Absicht. :)

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